Tanimbar

So, ich bin wieder auf Ambon nach 5 Tagen in Tanimbar. Das ist die südlichste Inselgruppe der Molukken, die aber avifaunistisch schon viel mit den kleinen Sundainseln im Westen und besonders mit Timor gemeinsam hat. Das war durch den hervorragenden Reisebericht des Budgetbirders Ross Gallardy diesmal einfach zu organisieren. Wenn Ihr mal sehen wollt, dass es auch heute noch die richtigen, Hardcore-Expeditionsbirder gibt, schaut Euch mal seine Internetseite, budgetbirder.com an. Der Typ und seine Frau machen wirklich Sachen, vor denen ich meinen Hut ziehe.

Jedenfalls habe ich das nette Paar, Emus und Vera von der Homestay am Goffin Lab kontaktiert, die er in seinem Report von 2017 empfohlen hat.

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Diese Homestay ist von einem österreichischen Wissenschaftler, der hier an den endemischen Tanimbar Corellas (lokal Goffin), einer kleinen Kakadu-Art forscht, angeregt worden.

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Die beiden Besitzer waren bzw. sind seine Gastgeber und wissen, was Birder wollen. Ausserdem wohnen sie mitten im besten Gebiet ca. 25 km nördlich der einzigen Stadt auf der Hauptinsel des Archipels. Man ist also mitten im Gebiet, spart sich lange komplizierte Anwege und es gibt einige Wege, die durch die straßennahen Felder und Sekundärwälder in teilweise recht guten Primärregenwald führen. In dem sind zwar auch nahe der Wege einzelne große Bäume gefällt und an Ort und Stelle zu Brettern verarbeitet worden. Aber es stehen auch noch genug riesige Brettwurzelbäume um den Eindruck des richtigen Regenwalds zu unterstützen.

Damit ist also die Logistik hier ziemlich einfach, Emus hat mich mit dem Moped vom Flughafen abgeholt (3 €) und die Nacht kostet 18 €, wobei da drei hervorragende Mahlzeiten mit dabei sind. Vera kocht wirklich extrem gut, das war hier mit die beste Hausmannskost, die ich je in Indonesien gegessen habe. Und sie haben gleich am 1 Tag mein allmählich lästiges Gesundheitsproblem, die entzündeten Chiggerbisse aus Malagufuk, geheilt. Von den ursprünglich 12 entzündeten Bissen (heiß, rot, Druckschmerz und jede Menge gelber Eiter) habe ich mit diversen antibiotischen Salben und Pudern 9 selber geheilt, aber die drei schlimmsten flammten immer wieder auf. Das wurde allmählich lästig. Vera hat nach einem Blick sofort eine Kapsel hochdosiertes Tetracyclin geholt, die mit einer Nadel aufgepiekt und etwas von dem gelben Glibber darin auf die drei Stellen getupft. Das wurde fast sofort hart und hat die Eiterstellen verschlossen. Seitdem hatte ich Ruhe und die fiesen Bakterin haben offenbar den Geist aufgegeben. Das Zeug habe ich mir hier in Ambon natürlich sofort gekauft.

Emus (abgekürzt für Wilhelmus, nach einem holländischen König) ist zwar kein Birdguide, möchte es aber werden und hat mich gebeten, doch mitkommen zu dürfen, nachdem er mir die Wege in der Nähe gezeigt hat. Er wollte kein Geld dafür, und war leise und sehr lernwillig, so dass ich ihn natürlich gerne mitgenommen habe.

Die Vögel hier waren teilweise leicht zu sehen, aber Fotos waren im häufig sehr dunklen Wald und bei extrem kurzen Beobachtungszeiten mit meiner Kamera leider schwierig.

dsc02822.jpgDiese hier häufige Rose-crowned Fruitdove war eine der wenigen Ausnahmen. Insgesamt sind hier ca. 30 bis 31 Endemiten bzw. lokale Spezialitäten zu sehen, plus wieder massig sehr eigenständige Unterarten, die mglw. bald Artstatus erhalten werden. Dabei so tolle Papageien wie der wunderschöne, knallrote Blue-streaked Lory oder die Slaty-backed Thrush, eine der coolsten asiatischen Dschungeldrosseln. Auch die lokale Unterart der Elegant Pitta, hier häufig aber wie die meisten Pittas nicht leicht zu sehen, habe ich nach etwas Planung mit dem Recorder kurz, aber supergenial gesehen.

Insgesamt habe ich tatsächlich tagsüber alle für mich potenziell neuen Arten gesehen, nur die beiden endemischen Eulenarten haben trotz viel Mühe in den Nächten nicht geklappt. Aber 29 von 31 möglichen Lifern in 5 Tagen sind ja kein Grund zu übertriebenen Klagen.

Insgesamt trotz der sintflutartigen Regenfälle am 2. Tag (durch die das gesamte Mobilfunknetz der Insel für 2 Tage lahm gelegt war) ein sehr netter Abstecher. Bin inzwischen wieder auf Ambon und fliege gleich weiter auf die Kei-Inseln. Es hätte zwar heute auch eine billige Fähre gegeben (19 h Deckklasse, 10 €), aber bei dem momentan sehr stürmischen Wetter, war die Ankunftszeit gestern noch unklar, und so bin ich doch lieber auf den sicheren Flieger umgestiegen.

Ich freue mich neben ein paar weiteren neuen Vögeln schon auf einen der angeblich schönsten (und leersten) Strände Indonesiens und das Schnorcheln direkt davor.

Auch da ist wohl kaum Internet, aber ich werde berichten, wenn ich wieder hier in Ambon bin, dh bevor ich nach Seram aufbreche.

Ein Kommentar zu „Tanimbar

  1. Hallo Matthias, toll, wieder von Dir zu lesen – und bewundernswert, wie Du Dich da in der Inselwelt am westlichen Pazifikrand bewegst, als wäre es Deine Westentasche :-). Und natürlich echt spitze, dass Du die Lifer sammelst wie nix …. weiterhin viel Spaß – wir haben hier jetzt auch viel Regen, aber leider 30 Grad kälteren als auf den Molukken. Viele Grüße!

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