8 Tage auf Seram

So, die Tour nach Seram war sehr erfreulich, und von Ambon aus mal nicht mit einem Flug verbunden. Es fährt eine komfortable und billige Schnellfähre die 2 h von einem Hafen im Osten von Ambon nach Masohi an der Südküste von Seram. Seram ist nach dem Glauben der ursprünglichen Bewohner der Molukken die Mutterinsel, von der sich alles Leben auf den Inseln ausgebreitet hat. Hier gibt es den Manusela Nationalpark, den ältesten NP der Molukken, und immer noch einer der Größten. Und der ist anscheinend auch relativ gut geschützt, im Gebirge im Zentrum der Insel sind die Primärbergregenwälder jedenfalls vollkommen intakt.

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Von Masohi aus gibt es nur eine Straße an die Nordküste der Insel nach Sawai, die mitten durch den Nationalpark führt. Für die 130 km braucht man mit dem Taxi ca. 2,5 h, wenn man denn ein bezahlbares findet. Am Hafen wollten sie den dummen Weißen unbedingt ausnehmen und haben 60 € für die Fahrt verlangt. Also bin ich für 60 cent mit dem Sammeltaxi in die Stadt gefahren und habe es da nochmal versucht. Nachdem ich den Taxifahrern da klar gemacht hatte, das ich den gängigen Preis, 36 €, kenne, hat sich dann endlich einer bereit erklärt, mich zu fahren. Ich war dann bald sehr froh, dass ich meinen Plan B nicht umgesetzt hatte und mit  dem Mietmotorrad oder Ojek die ganze Strecke gefahren bin. Es fing nämlich an, sintflutartig zu gießen, wäre mit dem Gepäck auf dem Motorrad kein Vergnügen gewesen.

In Sawai am Meer angekommen hat sich das Taxi durch die extrem engen Gassen des Ortes gequetscht und mich an der Lisar Bahari Homestay am Ortsende abgesetzt. Auch hier sind die Unterkünfte auf Stelzen im Meer gebaut, weil am Land der Hang so steil ansteigt, dass da kein Platz zum Bauen ist.

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Ein Vorteil ist, dass man direkt von der Terrasse losschnorcheln kann. Das eigentliche Korallenriffe ist zwar durch die Anker und früheres Dynamitfischen ziemlich kaputt, aber darauf wachsen überall tolle Anemonen und Weichkorallen und massig bunte Fische gibt es auch. Einmal sogar eine große Meeresschildkröte direkt vor der Haustür. Nachts mit der Taschenlampe konnte man außerdem große bunte Sepias und allerlei andere interessante Viecher spotten.

Seram hat 35 für mich neue Vogelarten, entweder Endemiten dieser Insel oder welche, die hier und in Buru vorkommen. Da werde ich es auf diesem Trip aber nicht mehr hin schaffen. Wäre wegen der Kosten für den 4×4, um in die Berge zu kommen, auch alleine sehr teuer. Die Arten verteilen sich allerdings auf die unterschiedlichen Höhenzonen zwischen dem Tieflandregenwald und den Bergregenwäldern zwischen 300 m und 1260 m am höheren der beiden Pässe an der Hauptstraße. Einige Arten kommen auch nur deutlich darüber vor, sind also von der Straße aus praktisch nicht zu kriegen. Ist also alles etwas schwieriger als in Tanimbar, wo die 30 neuen Arten für mich nur im Tieflandwald rund um die Homestay vorkamen.

Ich habe mir erstmal einen Motorroller für die nächsten Tage gemietet, zwar ein bißchen teurer als ein Ojek für den ganzen Tag (12 statt 9 €). Aber so bin ich unabhängig, und muss bei Regen oder Kälte keinen unwilligen Fahrer bei Laune halten, falls es grade beim Birden gut ist. Der Hauptpreis im Tiefland hier ist der große, endemische Salmon-crested Cockatoo, der lleider stark vom Jagddruvk durch die Vogelfänger bedroht ist. Ich habe aber zumindest an 3 Tagen welche fliegen sehen und einmal bei Regen an den steilen Hängen oberhalb der Homestay ein Paar im Spektiv gehabt. Und einmal abends dann auch Glück mit 2 sitzenden Vögeln am Schlafbaum. Zwar bei schlechtem Licht, aber vergleichsweise nah.

Salmon-crested Cockatoo

Ansonsten sind auch sonst in den niedrigen Wäldern ein paar nette Arten wie der ebenfalls endemische Lazuli Kingfisher, der ungewöhnlicherweise in den Baumkronen Laubheuschrecken, Zikaden und Eidechsen jagt.

Lazuli Kingfisher

Oder der hier überall noch relativ häufige Blyth Hornbill, den ich schon die ganze Tour entlang sehe.

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Und hier hatte ich nachts auch endlich mal wieder Glück mit einer Eule dem Seramkauz.  In den Bergwäldern gab es gute Schwärme kleinerer Singvögel, die aber meist zu hektisch für Fotos waren und ein paar neue Tauben und Papageien für mich. Aber auch jede Menge Regen, der die supersteile Abfahrt vom Pass auf 1260 m bis runter zum Meer mit einem total blank gefahrenen Vorderreifen zu einer echten Mutprobe machte. Mehrmals bin ich schon mittags klatschnaß und vom Fahrtwind durchgefroren wieder in der Unterkunft angekommen. Dann taten das Schnorcheln im warmen Meer und die superleckeren Fisch- und Gemüsegerichte zum Lunch doppelt gut.

Am 4. Tag habe ich einen sehr netten deutschen Naturschützer, der Chef und Projektmanager für Asien bei einer der größten Naturschutz-NGOs der Welt, Flora and Fauna International, ist. Er macht mit seinem indonesischen Freund hier grade Urlaub und ist ebenfalls Vogelkucker.

Mit den beiden habe ich am nächsten Tag die Bootstour zu zwei kleinen Inseln vor der Küste geteilt. Das wurde dadurch für mich deutlich günstiger und war natürlich auch sehr nett, sich nach 8 Wochen alleine mal etwas austauschen zu können. Auf einer Sandbank vor den Inseln überwintert seit 10 Jahren regelmäßig die einzige Bernsteinseeschwalbe, deren Winterquartier bekannt ist. Diese meist mit Eilseeschwalben vergesellschaftete Art galt vor ein paar Jahren noch als ausgestorben, bis ein paar kleine Brutvorkommen auf Inseln vor der koreanischen und chinesischen Küste wiederentdeckt wurden. Immer noch wird die Weltpopulation aber auf weniger als 100 Exemplare geschätzt. In den letzten Tagen hatte ein Team der Unis in Hongkong und Oregon da Seeschwalben zum Besendern gefangen und den Rastplatz ziemlich beunruhigt. Sie hatten in 4 Tagen die Bernsteinseeschwalbe zweimal gesehen, aber zum Glück (für uns, nicht für die Wissenschaft) nicht gekriegt. Angeblich hatte der Trupp aber außer der BSS ca. 120 Eilseeschwalben und 1 Rüppelseeschwalbe.

Ich hatte die Sandbank in meinem GPS gespeichert und wunderte mich deshalb etwas, dass der Bootsmann zuerst eine nur bei Ebbe sichtbare, nur ca. 10 m lange Sandbank 500 m westlich der Stelle ansteuerte. Aber da saßen tatsächlich 22 Seeschwalben drauf, die ich nach der UliU-Eidam-Methode (erst fotografieren, dann bestimmen) erstmal alle fotografiert habe. Dann durchschauen und Bingo, der 4. Vogel war der Hauptgewinn. Verblüffend auffällig durch im Vergleich zu den 20 Eilseeschwalben und der einzelnen Rüppelseeschwalbe dort nicht nur den schlanken Schnabel mit schwarzer Spitze sondern besonders durch die insgesamt viel helleren Flügel.

Chinese Crested Tern

Ich hatte es bis dahin ja eigentlich nicht zu hoffen gewagt, dass das wirklich klappen könnte, und jetzt hatte ich den sicher seltensten Vogel des Trips tatsächlich problemlos selber gefunden.

Der Bootsmann hat natürlich für sein gutes Mitdenken ein ordentliches Trinkgeld bekommen, denn die Sandbank, wo die Seeschwalben normalerweise rasten, war völlig leer. Die Fangaktion hat die Vögel hier wohl erstmal vergrämt. Danach haben wir uns noch den Olive Honeyeater auf der winzigen Insel Pulau Loesolate angeschaut, was mit ca. 20 Vögeln auch prima geklappt hat.

Olive Honeyeater

Diese Art ist eine sogenannte Supertramp-Species, die nicht unbedingt vorhersehbar auf solchen winzigen und damit sehr konkurenzarmen Inselchen auftaucht und hier auch brütet. Zu anderen Zeiten sind sie aber definitiv nicht anwesend und keiner weiß, was sie dann machen und wo sie sich aufhalten. Wäre was für Martin’s Icarus-Projekt. Aus ebird wusste ich, dass es hier aus dem Juli und August einige Beobachtungen gab, aber z.B. mehrere Beobachter im Oktober keinen einzigen Vogel gesehen hatten. Aber heute war unser Glückstag. Auf dem Rückweg haben wir noch in zwei wesentlich besseren Riffen geschnorchelt, mit Korallenschlangen und einem Stachelrochen als Highlights. Abends hat Frank dann eine Flasche Rotwein aus seinem Rucksack gezaubert und dann haben wir unter den etwas mißbilligenden Blicken der (muslimischen) Kellnerinnen diesen Supertag gebührend gefeiert.

Die letzten beiden Tage war ich im Bergwald unterwegs, einmal mit Frank, Immul und ihrem recht guten Guide Boce aus dem christlichen Nachbardorf von Sawai. Das endete aber im Regen. Am letzten Tag war ich mit Boce alleine am Paß, und wir sind über einen winzigen, megasteilen Pfad zu einem Höhenrücken auf 1600 m aufgestiegen. Die 500 Höhenmeter vom Startpunkt des Pfades auf 1100 m waren der Killer, wir haben hoch fast ohne Pause fast 3 h gebraucht, für 1,6 km !

Und oben gab es zwar einige nette Arten, die ich weiter unten nur jeweils einmal schlecht gesehen hatte, in größeren Anzahlen und mit besseren Beobachtungen. Aber nicht die erhoffte Seram Red-bellied Pitta, die sich nicht einmal hören ließ. Und auch nicht die mystische Seramdrossel oder der hübsche Hochlandsittich (Blue-eared Lorikeet). Da keimte zwar mal Hoffnung auf, die Rufe kamen aber nur von dem auch im Tiefland häufigen Red Lory.

Red Lory

Aber es kann halt nicht immer alles klappen. Allerdings hätte die Anstrengung, da hoch zu kommen, eine Belohnung verdient gehabt. Der Abstieg war auch etwas kritisch und gefährlich, ging aber trotz einiger Stürze mit ein paar harmlosen Schrammen und blauen Flecken noch gut aus. Trotzdem habe ich mich auf der Straße wie nach ein paar Runden Boxkampf mit Muhamad Ali gefühlt.

Insgesamt war Seram für mich super, 22 Lifer, und von den praktisch möglichen alle für mich wichtigen Arten gesehen. Dazu der unglaubliche Superbonus mit der Seeschwalbe, ein voller Erfolg.

Jetzt bin ich wieder mal in Ambon, wo ich hoffentlich morgen mein Visum, das am Freitag abläuft, ohne große Probleme verlängern kann. Vom Ausgang dieser Aktion hängen die weiteren Pläne ab.

 

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