Exkursion zu den Großfußhühnern

Nachdem ich das Wochenende ja im vogelarmen Ambon zubringe und das angenehme Leben mit nettem Hotel und leckerstem Essen genieße, kam gestern endlich die Gelegenheit, in Ruhe den Ausflug nach Haruku Island anzugehen. Diese östliche Nachbarinsel von Ambon ist das genaue Gegenteil dieser Verwaltungsinsel mit Großstadt. Hier gibt es nur kleine Dörfer an der Küste,

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DSC03516dafür aber eine der letzten halbwegs stabilen Populationen des hübschen Wallace-Großfußhuhns. Die zugänglichste Stelle ist der Ort Kailolo an der Westküste, wo die Vögel nachts ihre Eier in sandigen Lichtungen in der Nähe des Strandes vergraben, und sie da von der Sonne ausbrüten lassen. Die Stellen sind natürlich bekannt, und die sehr großen Eier werden am morgen von den Locals ausgebuddelt und gegessen oder verkauft. Die Rechte, das machen zu dürfen, werden jährlich versteigert. Hört sich eher weniger nachhaltig an, übersehene Eier können sich aber entwickeln, und wenn die Leute beim Buddeln Kücken finden, lassen sie sie frei. Die Küken schlüpfen übrigens voll befiedert und flugfähig.

Ich bin schon mittags mit Henry, einem netten jungen Englishlehrer, den ich mir als Organisator bestellt hatte, mit dem Motorrad zum Hafen von Tulehu gefahren. Da wir nicht ewig auf ein planmäßiges Speedboot warten wollten, hat Henry einem Bootsfahrer 200.000 Rp geboten, wenn er uns rüberfährt, wartet und nachts zurückbringt. Kam mir sehr billig vor (12 €), aber er hat sofort eingewilligt. Der Bursche ist geheizt wie Don Johnson in Miami Vice und hat für die 10 km zwischen Ambon und Haruku nur knapp eine halbe Stunde gebraucht. Dazwischen sind wir noch durch ein ordentliches Gewitter gefahren, was man hier mit Ambon im Hintergrund über dem Meer noch sieht.

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Am Hafen zeigt ein großes Wandgemälde das Wallace-Großfußhuhn, man weiss also gleich, das man an der richtigen Stelle ist.

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Wir sind dann zum muslimischen Friedhof nördlich des Dorfes gelaufen, nachdem Henry die meisten potentiellen „Guides“ gekonnt abgeschüttelt hatte. Irgenwann tauchte dann allerdings der Heini auf, der dieses Jahr die Eisammelrechte hat. Den konnten man natürlich nicht wegschicken, weil er ja seinen Zusatzbackschisch vom Orni haben wollte. Wir haben uns die Lichtungen im Küstenwald angeschaut, wo die Vögel ihre Eier ablegen und dabei ein Forstengroßfußhuhn, das hier ebenfalls vorkommt, super gesehen. Das hatte ich in Seram schon ein paarmal schlecht gesehen, diesmal die bisher beste Beobachtung. Auch wenn die Art vollkommen anders aussieht, und im Gegensatz zum Wallace-GFH Nesthügel für die Eier anlegt, wollten mir die örtlichen Spezialisten den Vogel als das Männchen der anderen Art verkaufen. Soviel zur local knowlege über zwei hier doch wirtschaftlich bedeutende Arten.

Ich wusste ja, das die weiblichen Moluccan Scrubfowls ja erst bei beginnender Dunkelheit zur Eiablage einfliegen. Deshalb habe ich noch 2 h nett mit Henry am Meer geplaudert bis es dunkel wurde. Dann forderte uns der Eiersammler, zu dem sich inzwischen ein Kumpel gesellt hatte, auf, mit auf die erste Livhtung zu kommen. Hier stellte er sich mitten drauf und erklärte lauthals, die Vögel wären noch nicht da und würden auch erst um 22 Uhr kommen, wenn der Mond aufgeht. Was für ein Vollidiot, klar fliegt kein Vogel ein, wenn der mitten auf der Freifläche steht und lauthals labert. Ich habe dann Henry gebeten mit den beiden Trotteln in den Wald zu gehen und sie in mindestens 50 m Entfernung leise zu halten. Alleine dafür war er sein Gehalt mehr als wert, das hätte ich alleine nicht hingekriegt.

Inzwischen war es 19 Uhr und fast dunkel. Ich habe mich durch einen Busch gedeckt an den Rand der Lichtung gesetzt und musste auch nicht lange warten. Um 19:05 Uhr kam der erste Vogel eingeflogen und landete ca. 10 m vor mir auf der freien Sandfläche. Im Licht der starken Taschenlampe eine Superbeobachtung ! Nur blöd, das Henry nicht da war, um die Lampe zu halten, wäre sonst ein super Foto geworden. Als ich es alleine versucht habe, wackelte die Lampe und der Vogel flog ab. Ich habe dann Henry gerufen und bald darauf kamen zwei weitere Vögel eingeflogen, die er auch schön gesehen hat. Die waren aber weiter weg und flogen schneller ab. Inzwischen frischte der Wind immer mehr auf, und nachdem wir dann mit dem Eierheini an einer anderen Stelle noch ein Huhn (noch kürzer und schlechter) gesehen hatten, rief der Bootsführer an und drängelte zur Abfahrt. Da ich den 1. Vogel ja dermaßen genial gesehen hatte, habe ich auf Fotos verzichtet. Dem Local habe ich 3 € gegeben, die er hochzufrieden einsteckte. Das ist soviel, wie er 25 Eier bekommt, hoffentlich Anreiz, ein paar mehr Küken fliegen zu lassen. Eigentlich hätte man den Blödmann ja selber im Sand vergraben sollen, damit er von der Sonne ausgebrütet werden kann. Ein bisschen nachhaltiger Ökotourismus würde der Stelle gut tun. Das haben wir bzw. Henry als Dolmetscher, den Einheimischen, die am Hafen rumhingen, auch nochmal erklärt.

Die Rückfahrt über das stockdunkle Meer ohne Licht bei starkem Wind und hohen Wellen war nichts für schwache Nerven. Der Bootsmann ist wieder geheizt wie der Teufel und ich habe jeden Moment auf das Krachen gewartet, wenn wir auf einen treibenden Baum- oder Palmenstamm auflaufen. Von denen hatten wir auf der Hinfahrt einige gesehen und umfahren, aber jetzt waren sie natürlich nicht zu erkennen. Aber mit Gottes oder Allahs Hilfe sind wir heil wieder rüber gekommen, uff !

Dann noch 1 Stunde Motorradfahrt zurück zum Hotel, aber ganz langsam, da unser Glück für heute wirklich ziemlich aufgebraucht war. Insgesamt auch ein gelungener Ausflug und ein toller und selten gesehener Lifer für ein bischen Organisationsarbeit und insgesamt 54 €. Um 21:30 habe ich den Abend dann mit einer Hühnersuppe und einem kalten Bier auf der Dachterrasse ausklingen lassen.

 

2 Kommentare zu „Exkursion zu den Großfußhühnern

  1. Wao, zwei lange Blogposts gleichzeitig – vielen Dank wieder für die tollen Berichte und Bilder. Super!!!!
    Spannend und interessant bis in die äußerste Federspitze 🙂
    Toll, die ganzen Lifer. Aber auch beeindruckend die kleinen Dörfer direkt am Meer.
    Liebe Grüße wieder aus Kelkheim

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