Nyepi auf Bali und Kurztrip nach Lombok

Nachdem ich mein Visum auf Ambon endlich in der Tasche hatte, bin ich am letzten Freitag dann über Makassar in Sulawesi und Surabaya in Java nach Bali geflogen. Ein bisschen um die Ecken, aber es gibt keine Direktflüge zwischen diesen beiden großen Verkehrszentren, fragt mich nicht, warum.
In Bali hatte ich mir direkt mitten im alten Zentrum von Legian nördlich von Kuta und dem Flughafen ein extrem nettes Hotel rausgesucht. Mit den ganzen Vergleichsmöglichkeiten im Internet heute ist mir unklar, warum so viele Touris hier in den hässlichen Riesenhotels in gewerbebietsähnlichen Betonwüsten an der Autobahn wohnen, wenn es solche wunderschönen Idylle in den alten Stadtteilen gibt. Ruhig, mit Gärten, einem tollen Swimmingpool, 10 Gehminuten zum Strand, Tausende von guten Restaurants und kleinen Geschäften rundrum und ein schönes Zimmer mit Frühstück kostet weniger als 30 € pro Nacht.
Andererseits ist es natürlich gut, das die Masse sich in die hässlichen Klötze drängt. Hier in Legian sind momentan zur absoluten Nebensaison immer noch so viele Ausländer unterwegs, dass ich in einer Minute mehr von Ihnen sehe als in 60 Tagen Neuguinea und Molukken zusammen. Ist am Anfang schon ein kleiner Kulturschock. Vor allem an die Australier, hier ein Großteil der Touris, die einen auf der Straße, in der Kneipe, am Strand oder sonstwo spontan anquatschen, muss man sich erst wieder gewöhnen. Auch wenn die Unterhaltungen dann oft sehr nett sind, ist diese Spontanität erstmal etwas ungewohnt.
Bali hat viele extrem netten Seiten, nicht zuletzt die Bevölkerung, die zu 80 % hinduistisch ist. Das bedeutet, dass man zur Abwechslung mal nicht durch das Geschrei aus der nächstgelegenen Moschee um 4:30 Uhr aus dem Schlaf gerissen wird, das sich wie ein Messer durch die Ohropax direkt ins Gehirn bohrt. Zum Glück ist das bei uns nicht erlaubt, sonst wäre ich auch vehementer Gegner von Moscheen in Deutschland. Kirchenglocken können zwar auch nerven, aber zumindest zu humanen Zeiten.
Die Hindumehrheit hier heißt aber auch, dass hier das hohe Hindufest, Nyepi, der Tag der Stille, wirklich ernst genommen wird. Das ist der 1. Tag des neuen Jahres im religiöse Kalender der Hindus hier. Fällt meist in den März oder April, ich war aber bisher noch nie hier, wenn er gefeiert wurde. Da sollte man vorbereitet sein. Auf der ganzen Insel ist von heute morgen um 6 Uhr bis morgen früh um 6 absolute Stille und Dunkelheit angesagt. Das soll den bösen Geister suggerieren, Bali wäre unbewohnt und sie dazu bringen, sich im neuen Jahr möglichst anderswo anzusiedeln. Der Flughafen ist geschlossen, kein Fahrzeug fährt (bis auf Rettungswagen) und niemand darf auf die Straße. Das gilt auch für Touris und wird von Religionswächtern überwacht. Internet, Fernsehen und Radio sind abgestellt und selbst Licht sollte nicht auf die Straße fallen. Die Hotels sind also nach außen mit Planen abgeschottet, drinnen gibt es Strom und auch zu bestimmten Zeiten was zu Essen. Es empfiehlt sich aber, sich rechtzeitig mit Bier und Snacks für den Zimmerkühlschrank einzudecken.
Am Abend vorher gibt es überall Prozessionen, bei denen Hindus in traditioneller Tracht riesige Monster- und Dämonenfiguren (Ogoh-Ogohs) durch die Straßen tragen, die dann am Ende rituell verbrannt werden.

ogo ogo 1

DSC03823Jedenfalls bin ich heute (7.3.) hier im Hotel festgenagelt, zum Glück ist es nett hier. Und gut eingerichtet hat es den ganzen Tag teilweise leicht und teilweise wie aus Eimern gegossen, Beobachten wäre also sowieso schwierig geworden.

kusnadiAm letzten Samstag habe ich in den nördlichen Ausläufern der Stadt in den hübschen Reisfeldern, die hier zwischen den Wohngebieten liegen, mal wieder nach dem Reisfink gesucht.

ReisfelderWie bei den letzten Trips wieder vergeblich. Das ist zwar eine Stelle, wo die Art vor 10 Jahren noch vorgekommen ist, aber wahrscheinlich ist sie hier inzwischen auch ausgestorben. Es gab zwar viele Vögel in den Feldern, aber in den Schwärmen von Munias und Feldsperlingen war zwar einmal ein seltener Streifenweber, aber kein Reisfink. Nett waren aber die vielen Limikolen in den frisch bewässerten Reisfeldern. Hier konnte man schön die Spießbekassinen mit der ähnlichen, aber wesentlich selteneren Swinhoe‘ Snipe vergleichen. Das Highlight war aber eine weibliche Goldschnepfe, die von einem Säuger im Feld aufgescheucht wurde, und flach auf 20 m an mir vorbeiflog. Bei dieser Art sind die Geschlechterrollen vertauscht und die Weibchen sind die Hübscheren. Auf jeden Fall meine bisher beste Beobachtung dieser schwierigen Art.
Sonntag bin ich dann mit dem Shuttlebus zum Hafen in Padangbai und dann mit dem Schnellboot an die Nordwestküste von Lombok gefahren. Bei der kurzen Bootsfahrt nach Osten überquert man die Wallace-Linie, eine der wichtigsten zoogeographischen Grenzen auf der Welt. Eine halbe Stunde mit dem Mororradtaxi hat mich dann zu meinem netten Hotel in den Hügeln oberhalb von Senggigi an der Westküste der Insel gebracht. Von hier war es abends ein kurzer Weg bergauf zu einigen Waldresten, in denen der einzige Endemit Lomboks, die Rinjani-Zwergohreule, vorkommt. Und das hat mal wirklich reibungslos funktioniert. Kaum war ich in der Dämmerung am Waldrand angekommen und hatte die Klangattrappe kurz angespielt riefen gleichzeitig drei Vögel in der näheren Umgebung. Dann habe ich in einem toten Ast in der Nähe eine Bewegung gesehen und im Schein der Taschenlampe saß ein vierter Vogel stumm 30 m von mir entfernt, während die anderen drei Vögel weiter zu hören waren. Der Lifer, wegen dem ich den Abstecher nach Lombok unternommen habe, hat also tatsächlich nur eine halbe Stunde gedauert. Damit war der Druck vorbei und ich konnte am Montag völlig entspannt beobachten gehen. Das habe ich mit dem Mietroller (4 €/Tag) in einem kleinen Nationalpark in 6 km Entfernung getan. Ich war bei Tagesanbruch im Wald, weil ich mir eine Minimalchance auf die Sundaerddrossel, den einzigen weiteren potenziellen Lifer für mich auf Lombok, ausgerechnet habe. Das hat nicht geklappt, wie ich es eigentlich auch erwartet hatte. Ein netter Ranger, der sich auskannte und nebenbei Vögel fotografiert, hat mir später tolle Bilder der Art gezeigt, meinte aber, dass dir nur zwischen Juni und Oktober hier wären.
Insgesamt gab es wenige Vögel, allerdings war die hübsche Elegant Pitta hier häufig und von den mindestens 10 Exemplaren, die ich gehört habe, habe ich nach langem Anschleichen durch das Geröll eines Bachbettes schließlich eine auch toll gesehen. Natürlich ist sie abgeflogen, als die Kamera grade scharf gestellt hatte. Aber immerhin war das für mich die vierte Unterart dieser auf den kleinen Sundainseln weit verbreiteten Art.
Über den Hängen an den Seiten des Tales schraubten sich ab 9 Uhr mehrere Trupps von Schopfwespenbussarden in die Höhe um dann nach Norden abzuziehen. Dazwischen immer wieder kleinere Sperber, die zu weit entfernt für eine sichere Bestimmung waren. Und dann auf einmal ein deutlich größerer Greifvogel, der sich als der megaseltene Flores Hawk-Eagle entpuppte. Da haben sogar ein paar schlechte Belegfotos geklappt, war mir gar nicht klar, dass die Art hier vorkommt.

flores hawk 2Das war jedenfalls eine angenehme Überraschung. Nachdem die Vogelaktivität gegen Mittag auf Null gefallen war, habe ich an der Küste einen Schnorchelversuch gestartet. Allerdings kann man die ziemlich kaputten Riffreste hier nicht mit den tollen Riffen an den Gili-Inseln ein paar km nördlich von hier vergleichen. Außerdem war die Strömung hier so stark, dass ich kaum dagegen anschwimmen konnte. Ich habe also lieber einen faulen Nachmittag im Cafe eingelegt und bin dann gegen 18 Uhr nochmal zum Nationalpark gefahren. Der nette Ranger hatte mit gesagt, dass es am Office am Eingang des Parks einfach sei, die Zwergohreule zu fotografieren. Und da hatte er recht, auch hier riefen gleich nach Dunkelwerden bis zu vier Vögel Auf das Pfeiffen des Rangers kamen sie mehrfach sehr nahe heran und runter bis auf Augenhöhe.

Rinjani Scops 2

Rinjani 3Die sind das hier offenbar gewöhnt.
Dienstag vormittag bin ich dann zurück nach Bali gefahren, um nicht am Mittwoch in das Verkehrschaos am Tag vor Nyepi zu geraten. Da bin ich lieber am Mittwoch noch mit dem Mopedtaxi an einige hübsche Stellen gefahren, habe mir nachmittags noch ein leckeres Seafood-Essen gegönnt und mir abends die Prozessionen angeschaut. Wegen der ganzen Straßensperrungen von einer strategischen Stelle aus, von der ich über die typischen Gangs (kleine Gässchen, an denen die Wohnhäuser liege) zurück zum Hotel laufen konnte.

So, dieser Beitrag ist etwas länger geworden, wird aber wohl der vorerst letzte dieses Trips sein, wenn ich mich nicht am Sonntag oder Montag in Bangkok vor dem Flug nach Deutschland nochmal aufraffe.
Aber den Blog werde ich sicher auf den nächsten Trips fortsetzen. Das hat Spaß gemacht, danke an alle Leser und besonders an meine Schwester Gudrun, die mich auf die Idee gebracht hat.

4 Kommentare zu „Nyepi auf Bali und Kurztrip nach Lombok

  1. Hallo Matthias,
    vielen Dank auch noch für diesen (voraussichtlich) letzten Blog. Es hat eine große Freude gemacht, Deinen Beschreibungen zu folgen, die Bilder zu sehen und ein wenig von der Inselwelt im Pazifik mit zu erleben. Ganz toll, welche Vögel Du beobachten konntest. Und die Kultur ist ja auch nicht zu kurz gekommen.
    Wir freuen uns darauf, wenn Du wieder zurück in Hessen bist – und vielleicht können wir dann das ein- oder andere exotische Gericht mal nachkochen und jede Menge Vogelbilder gucken!
    Gute Heimreise und genieße die letzten Tage.
    Liebe Grüße von Barbara und Mathias

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    1. Moin Ihr beide. Danke für die treue Leserschaft und Eure Kommentare, dann macht das Schreiben noch wesentlich mehr Spaß. Bin in der coolsten Stadt der Welt (Bangkok), werde aber nicht viel zum Sightseeing kommen. Mein Freund und Reisegefährte aus alten Tagen, Andy Pierce, hat das kurze Wochenende birdingmäßig voll durchgeplant. Morgen um 5 Uhr fahren wir Richtung Löffelstrandläufer, wäre cool, den auf die Jahresliste zu bekommen !

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  2. Hallo Matthias,

    hat wirklich viel Spaß gemacht, deinen Blog zu lesen! Bin dann schon ganz gespannt auf deinen Vortrag im Herbst :-).

    Bis bald und beste Grüße,
    Stefan

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  3. Hi Matthias,
    viel Spaß in Bangkok und Grüße an die Löffelstrandläufer. War wirklich eine gute Idee mit dem Blog, auch und vor allem mit den Fotos. Guten Heimweg, ich schätze ich bin am Diestag auch da zu einer kleine Arbeitsbesprechung. Viele Grüße, Volker

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