Arthur’s Pass

Der Flug von Auckland nach Christchurch auf der Südinsel war nur 1,5 h lang, leider etwas verspätet. Nach den ständigen Durchsagen im Flughafen, dass man nur 1 Handgepäck mit max. 7 kg mitnehmen dürfte und sonst nicht mitfliegen darf, war ich etwas genervt, bis ich die ersten Japaner mit dem Schrankkoffer als Bordgepäck gesehen habe. Dann war mir klar, dass sie es da wohl doch nicht so genau nehmen werden.

In Christchurch bei Hertz hatte ich mal Glück mit einem kostenlosen Upgrade. Bestellt hatte ich einen Toyota Corolla oder Ähnliches, bekommen habe ich einen nagelneuen Toyota Camry Hybrid. Ein unglaubliches Geschoß, und dabei flüsterleise. Ich bin ihn natürlich vorsichtig gefahren, und hier ist sowieso vernünftigerweise 100 km/h Höchstgeschwindigkeit. Aber die Karre fährt sich unglaublich komfortabel, und nach den ersten 1000 km meist über steile, gewundene Bergstraßen habe ich grade mal 45 l Normalsprit getankt. Da könnte ich mich dran gewöhnen, auch wenn der Wagen schon recht protzig (bzw. prollig) aussieht. Jochen hat gleich gefragt, ob da denn auch ein Fuchsschwanz am Schlüssel dranhängen würde.

Ich bin durch die Berge zur Westküste nach Punakaiki gefahren, mein Navi hat mich den längeren Weg über den Lewis-Paß im Norden geleitet, und als ich das gemerkt hatte, war es zu spät zum Umkehren. Das hat sich aber als nicht so schlimm herausgestellt, weil die meist leere Straße führte durch wunderschöne Gebirgslandschaften.

An der Küste angekommen habe ich eine kleine Hütte auf einem Campingplatz bezogen und bin nach dem Abendessen gleich wieder los in den angrenzenden Paparoa Nationalpark.

Hier gibt es laut den Kiwiexperten die beste Stelle überhaupt für den superschwierigen Haastkiwi (Great Spotted Kiwi). Laut Ian Cooper, dem Kiwiprofi der Westküste hat man hier in einer idealen Nacht mglw. eine 5 %ige Chance, ihn tatsächlich zu sehen. Tja, die Nacht war extrem günstig, aber ich habe noch nicht mal einen gehört. Ein paarmal hat es zwar ziemlich in den Büschen geknackt, so dass das Adrenalin schon in die Höhe schoß. War aber jeweils nur eine Weka. Das sind große, flugunfähige Rallen, die hier an der Westküste noch recht häufig sind. Naja, versucht habe ich es zumindest.

Am nächsten morgen hat Ian dann wie befürchtet auch die für den Abend geplante Tour zum Okarito Kiwi 200 km die Küste runter abgesagt. Es soll da die nächsten beiden Tage durchregnen. Also musste Plan B her und ich bin wieder Richtung Osten ins Gebirge gefahren. Wieder über spektakuläre Straßen nach Arthur’s Pass, einem kleinen Bergdorf unterhalb des gleichnamigen Passes. Auf dem Weg am Paß habe ich meine ersten Keas gesehen, die sind wirklich Klasse. Meinen Schlitten fanden sie uninteressant (zu niedrig ?) aber an ein paar Wohnmobilen haben sie ordentlich gearbeitet.

Im Dorf habe ich mir in einem netten Backpackers Hostel, dem Mountain House, ein Zimmer genommen.

Dann sofort wieder los, mit kurzem Stop am Visitor Center des Department of Conservation. Hier haben sie einen ausgestopfen Great Spotted Kiwi, das ist wirklich ein Riesentrum. Das Weibchen wiegt 3,3 kg und ist kniehoch. Von den sehr gut informierten Mitarbeitern dort hat allerdings auch noch nie jemand einen in freier Wildbahn gesehen, auch wenn man sie nachts rund um den Ort gut hört.

Ich bin dann auf einer Stichstraße ins ca. 20 km entfernte Hawdon Valley gefahren, wo mir die Rangerin die Stelle für die letzte im Originalhabitat (also nicht auf irgendwelchen Hola-Inseln) lebende Population des Malherbesittichs in den Südbuchenwäldern beschrieben hatte. Die Wälder hier sind wirklich toll, und aufgrund von extremem Fallen- und Gifteinsatz aucg relativ arm an Raubsäugern. Unglaublich, was die hier für einen Aufwand betreiben, um diese letzten Restpopulationen zu sichern.

Trotzdem sind in den sehr schönen Wäldern nicht viele endemische Vögel unterwegs.

Aber immerhin das hübsche South Island Robin hat sich mehrmals gezeigt. Das ist so wenig scheu, dass es mich nicht wundert, wenn jede Ratte und jedes Wiesel damit sofort kurzen Prozess macht.

Der Weg zur Sittichstelle ging unmarkiert vom Parkplatz am Taleingang den Fluß hoch, dummerweise am falschen Flußufer. Das heißt, man muss erstmal durch den eiskalten Schmelzwasserfluß waten, der knietief und durch die Regenfälle der letzten Tage ziemlich reißend war.

Als ich dann mitten im Fluß auch noch einen Krampf im Fuß kriegte, wurde es tatsächlich etwas unangenehm.

Die Wanderung danach war zwar nett, leider an den beschriebenen Stellen weit und breit kein Sittich zu hören, noch nicht einmal die angeblich relativ häufigen Red-fronted Parakeets. Der Rückweg durch den Fluß war diesmal genauso unangenem, aber dank eines dicken Astes als Stütze zumindest etwas sicherer.

Danach war ich zwar ziemlich matt, aber da auch hier spätestens für die kommende Nacht der große Regen angekündigt war, wollte ich in den letzten Stunden Tageslicht doch noch die Stelle für den endemischen Rock Wren, einen winzigen, auf alpine Blockschutthalden spezialisierten Endemiten, probieren.

Das ist von der Straße oberhalb des Dorfes eine einfache 30 Minuten-Wanderung in ein Hochtal, diesmal sogar mit gut zu findendem Pfad. Die Stelle war auch gut beschrieben, nur fing kurz bevor ich da war zuerst ein starker Wind und dann auch noch leichter Regen an. Alles andere als ideale Bedingungen. Konsequenterweise habe ich dann auch nichts gesehen, auch wenn hier nach mehreren Leuten, die sich auskennen, zwei Paare brüten.

Naja, und wie könnte es anders sein, als es nachts dunkel genug war, um die Kiwis zu hören, hat es dermaßen geschüttet, das ich den Versuch leider abblasen musste.

Insgesamt hatte ich also schon erfolgreichere Tage in meiner Birderkarriere.

Glücklicherweise änderte sich das an den Folgetagen wieder deutlich zum Besseren.

Ein Kommentar zu „Arthur’s Pass

  1. Das Flusswasser sieht in der Tat ganz schön kalt aus … da werden die Füße wenigstens rubbeltief sauber 🙂 und noch Schnee auf den Bergen… Merkt man, dass da jetzt langsam Frühling wird?
    Die Fotos sind wirklich toll. Klare Luft und wirklich tolle Vogelbilder. Die Keas sehen sehr gut aus – einer ist beringt. Wahrscheinlich wird jedes Individuum genau beobachtet und ist Objekt von Forschung.
    LG Barbara H.

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