Auf dem Schiff

Gestern sind wir mit 48 anderen zahlenden Gästen erst noch auf eine Morgenexkursion in die Curio Bay gefahren. Da gab es zwar keine besonderen Vögel aber immerhin eine Gruppe der kleinen Hectordelphine in der Bucht. Nachmittags haben wir dann unsere kleine Dreierkabine auf der Spirit of Enderby bezogen. Das ist ein ehemaliges russisches Arktis-Forschungsschiff, was inzwischen von der Organisation Heritage Expeditions für die Naturkreuzfahrten der etwas extremeren Art in die Arktis und Antarktis benutzt wird.

Auf dem Schiff gibt es zwar Internet, dass ist aber teuer, langsam und mengenbegrenzt. D.h. es gibt zwar einige Beiträge, wenn ich mal dazu komme, aber die Bilder muss ich leider später nachliefern. Nicht dass ich bisher so viele gemacht hätte, das erfordert doch etwas mehr Können, als ich bisher habe, bei dem Gewackel auch noch vernünftige Bilder zu machen.

Die ersten paar Stunden an Bord hatten wir in der sehr windigen Fauveaux-Straße zwischen Stewart Island und der Südinsel schon ordentlichen Wellengang und konnten uns an das Laufen an Bord gewöhnen, bei dem man sich immer irgendwo festhalten muss. Das Beobachten wird auch nicht einfacher, wenn man sich immer mit mindestens einer Hand festhalten muss. Das köstliche erste Abendessen an Bord war auch interessant bei teilweise ordentlicher Schräglage. Die Stühle im Essraum sind zwar am Boden festgeschraubt, aber alles was auf den Anti-Rutsch-Matten auf dem Tisch steht kommt einem bei größeren Wellen dann doch entgegen. Der Seegang wurde dann zur Nachht hin noch einmal stärker, Tom und ich hatten glücklicherweise keine Probleme mit Seekrankheit, und Jochen hatte rechtzeitig eine Pille genommen.

An Schlaf war in unseren Kojen trotzdem nicht zu denken, es war ungefähr so, als ob man versuchen würde, in einer außer Kontrolle geratenen Achterbahn zu schlafen versuchen. Entsprechend übernächtigt waren wir beim Frühstück im kaum zu merkenden Windschatten der kleinen Snares-Inseln.

Hier eröffnete uns der Expeditionsleiter, das wegen der Wetterbedingungen die Zodiacfahrten in der Nähe der Inseln (die aus Naturschutzgründen nicht betreten werden dürfen) leider nicht stattfinden können. Immerhin sind wir mehrfach so nah wie möglich mit dem Schiff vor den Inseln hin und her gefahren und haben den nur hier vorkommenden Snaresinsel-Pinguin mehrfach sehr gut gesehen. Die Kolonien auf den wenigen flacheren Küstenabschnitten waren zwar nur als Pinguinpünktchen zu erkennen. Aber glücklicherweise schwammen mehrfach einzelne Vögel oder kleine Gruppen in der Nähe des Schiffs, die man gut gesehen hat. Ganz am Ende gab es sogar nochmal einen 20er Trupp, der nah am Schiff an der Oberfläche jagte, so dass alle Leute an Deck sie gut gesehen haben.

Danach ging es aus dem Windschatten heraus und Richtung Süden zu den Aucklandinseln. Wir dürfen von der Brücke aus beobachten, wenn es zu wackelig oder regnerisch ist, um vom Bug aus zu gucken. Da schaut man zwar durch die Scheiben, steht aber dafür im Warmen. Und die Seevogelmengen sind wirklich beieindruckend. 5 verschiedene Albatrosse (incl. den riesigen südlichen Königsalbatrosse), Sturmvögel, Sturmtaucher, Sturmschwalben und Prions und man sieht praktisch dauernd Vögel. Die beiden sehr guten Seevogelguides sind da auch meistens und sagen viele der Vögel an, wenn man also nicht grade Mittagsschlaf macht, hat man gute Chancen, die meisten besseren Vögel zu sehen.

Es war auf jeden Fall ein absoluter Supertag mit 6 Lifern für mich, und der beste Abschluss war, dass wir abends um 20 Uhr in eine ruhige Bucht im Norden der Aucklandinseln eingefahren sind, und deshalb ohne Achterbahn wie die Toten geschlafen haben.

Ein Kommentar zu „Auf dem Schiff

  1. Hi Matthe, jetzt hast du doch einen langen, interessanten und eindrucksvollen Bericht von euren ersten Tagen auf dem Sturm- und Wellengepeitschten Schiff hinterlassen. Klingt erfolgreich für dich, aber mein Magen dreht sich schon beim Lesen. Hoffe, dass das russische Schiff euch weiterhin gut um die Inseln schifft. Good luck
    Barbara

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