Campell Island

Wir hatten vorgestern eine angenehm ruhige Nacht in einem tiefen Fjord in der Ostseite der Campbell- Insel, der vollständig windgeschützt und ruhig war. Leider regnete es morgens sehr ausdauernd, auch wenn es nicht besonders windig war. Tom ist mit ein paar ganz harten Teilnehmern zu einer 16 km Wanderung aufgebrochen um die endemische Campbellschnepfe zu suchen. Die hatte vor der Auslöschung aller eingeführten bzw. eingeschleppten Säuger auf einer vorgelagerten Miniinsel überlebt und die Hauptinsel nach der Rattenausrottung von selber wieder besiedelt.

Jochen und ich haben uns für die softe Möglichkeit entschieden, und vormittags nur eine Schlauchboottour an der Küste mitgemacht, wo wir aber sowohl die endemische, flugunfähige Ente als auch den ebenfalls nur hier vorkommenden Kormoran gut gesehen haben. Nichts für Zartbesaitete war eine Beobachtung eines großen Seelöwen, der eine diesjährige Pelzrobbe gefangen hatte, und sie im Flachwasser herumschleuderte und auffraß, während sie noch lebte.

Nachmittags waren wir dann nach einer kurzen Wanderung auf einem Höhenrücken 260 Höhenmeter über dem Fjord und haben in der moorigen Tundravegetation die da brütenden südlichen Königsalbatrosse im Regen angeschaut. Das ist ein toller Anblick, die in der braungrünen Tundra an den Hängen verstreuten, schneeweißen Riesenvögel, die teilweise wenige Meter vom Bohlenweg für die Besucher entfernt auf ihren Nestern sitzen. Hochgelaufen sind wir gruppenweise, runter konnte dann jeder sein eigenes Tempo wählen.

Auf halbem Weg kam per Funk die Nachricht, dass sie oben am Grat eine Schnepfe gefunden hatte. Wenn es bei unserer Gruppe jemand gäbe, der die unbedingt sehen wollte, sollte der sich beeilen. Das haben Jochen und ich dann auch gemacht, und die relativ flugfaule Schnepfe noch sehr schön gesehen. Die laufen eher vor dem Beobachter weg und verstecken sich in der Vegetation, und fliegen nur ein paar Meter, wenn man wirklich fast drauftritt.

Ansonsten herrschte da oben englisches Wetter, zu dem Regen kam auch noch relativ dichter Nebel dazu, und kühl wurde es auch, so dass wir dann langsam wieder abgestiegen sind. Auf dem Runterweg konnte man unterhalb der Nebelgrenze zumindest noch ein paar Fotos von der tollen Landschaft und Vegetation mit teilweise untertassengroßen Flechten an den niedrigen Bäumen machen.

Unterwegs haben wir noch Tom getroffen, der nach der großen Wanderung mit 5 Schnepfen nach der Rückkehr klatschnass grade die kleine 7 km Wanderung auf den Sattel noch hinten drangehängt hatte. Das hatte mir der extrem nette schottische Arzt der Tour schon vorher berichtet, mit dem Kommentar „Your friend Tom is mad“.

Bei den Zodiacs, die uns wieder zum Schiff zurück gebracht haben, haben wir den noch durchgefrorenen, älteren Teilnehmern den Vortritt gelassen, weil Judd, der supereffiziente Expeditionsleiter, uns von einem Seeleoparden in der Nachbarbucht berichtet hat. Uns war zwar auch eiskalt, aber den wollten wir natürlich nicht verpassen. Judd hat uns und 4 weitere Teilnehmer dann in die nächste Bucht gefahren, wo wir den Seeleoparden dann auch toll gesehen haben. Der hat da auf einem grasigen Ufer rumgelungert und hat entgegen den Erwartungen kein Interesse daran gezeigt, uns aufzufressen. Er sah aber auch nicht 100%ig fit aus, hat sich wohl an zu vielen Pinguinen den Magen verdorben.

Zumindest war die Sauna bei unserer Rückkehr schon relativ warm, so das ich mich nach einer heißen Dusche dann noch länger bis in die letzten Ecken durchwärmen konnte.

Abends hat Tom dann ein paar Bier auf seine Schnepfenbeobachtungen ausgegeben, da waren wir aber schon wieder auf der offenen See und mussten uns bei ordentlichem Seegang beim Biertrinken gut festhalten. Da es keinen Trockenraum gibt, hing unserer Kabine bei laufender Heizung voller klatschnasser Klamotten, was ein fast schon tropisches Klima verursachte.

Die Nacht war dann wieder etwas unruhiger, weil man immer wieder durch die größeren Wellen an die Wand oder fast aus dem Bett heraus geworfen wurde. Naja, heute müssen wir uns nur auf der Brücke beim Vogelkucken festhalten, weil wir den ganzen Tag und auch die nächste Nacht auf See sein werden.

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