Tiritiri Matangi

Morgens sind wir nach großer Packaktion mit einer dichten Plastikbox voller Lebensmittel und unseren Rucksäcken deutlich zu früh am Hafen gewesen. Aber besser sicher, das Boot zur Insel fährt nur einmal am Tag. Tiritiri ist auch so eins der säugerfreien Inselrefugien, auf denen man die ganzen hochgefährdeten Vogelarten wieder angesiedelt hat, nachdem man Ratten, Katzen, Wiesel und Mäuse restlos ausgemerzt hatte. Auch der ursprüngliche Küstenwald, der vollkommen verschwunden war, wurde durch Pflanzprojekte und die Abwesenheit der Samenvernichter wieder hergestellt.

Früher war das hier lange eine von Farmern und dem Leuchtturmwärter besiedelte Insel.

Heute ist der Leuchtturm natürlich automatisch und im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus wohnt jetzt die Chefin der Naturschutzwacht. Die Insel ist eine der 3 letzten Refugien der kleinsten Kiwiart, des Little Spotted Kiwi. Aber auch die eigentlich im Gebirge der Südinsel heimische Takahe, eine extrem fette, flugunfähige Ralle, haben sie hier angesiedelt, um eine Sicherheitspopulation zu haben. Das Viech ist wirklich ein Brummer und sieht aus wie ein Purpurhuhn auf Steroiden.

Wir sind in ein Vierbettzimmer im Bunkhouse, der einzigen Unterkunft auf der Insel, eingezogen und haben erstmal unsere Vorräte verstaut und Mittag gemacht.

Tiritiri ist wie Helgoland, zwischen Ankunft und Abfahrt der Fähre recht lebhaft mit Tagestouristen und Kindergruppen, nach Abfahrt der Fähren sehr ruhig. Jochen fühlt sich also nicht nur wegen des Leuchtturm wie zuhause.Die paar tagaktiven Arten, die uns noch fehlten hatten wir alle am ersten Nachmittag, wie auf Ulva Island im Süden sind die Vögel überhaupt nicht scheu, manchmal muss man fast aufpassen, nicht aus Versehen draufzutreten.Es sah schon so aus, als ob die drei Nächte hier deutlich zuviel wären, aber als wir dann abends versucht haben, den Kiwi zu finden, relativierte sich das recht schnell. Nach 3 h erfolgloser Suche haben wir todmüde abgebrochen, und waren natürlich froh, 2 weitere Nächte zur Verfügung zu haben. Nur der Maorikauz ist hier relativ häufig, den hat Jochen hier schön gelifert.

Auch sonst hatte niemand einen Kiwi gesehen, bis wir morgens mit einem der Freiwilligen gesprochen haben, der hier die brütenden Kolonien der Lummensturmvögel betreut. Der hatte mitten in der Nacht gleich 3 Kiwis an der Nordspitze der Insel gesehen. Am zweiten Tag haben wir die Fotomöglichkeiten hier ausgeschöpft, ich hatte eine kleine Süßwasserpfütze oberhalb des Strandes gefunden, wo viele Vögel in der Nachmittagshitze zum Baden hingekommen sind. Unter anderem der Stitchbird, ein Nektarfresser, der hier auch eine der letzten Sicherungspopulationen hat und auf dem Festland schon lange ausgestorben ist.

Aber auch der Rifleman, Neuseelands kleinster Vogel mit nur 8 cm Länge.

Wie alle selteneren Vögel hier individuel farbberingt. Aber ein paar Exoten gibt es auch, wie den hübschen Eastern Rosella, einen Sittich aus Australien, der hier ebenfalls schon lange eingebürgert ist, aber wohl nicht so viel Konkurrenz für die einheimischen Arten darstellt.

Nachmittags war ich dann sogar noch an einem sehr schönen Strand im angenehm warmen Meer baden, im Gegensatz zu Blumine Island konnte man es hier durchaus 20 min im Wasser aushalten. Schade, dass die Taucherbrille zuhause liegt.Nachts waren wir diesmal an der Nordspitze der Insel, und diesmal haben wir zwei Kiwis gesehen, allerdings beide nur recht kurz und ohne Chancen auf ein Foto. Aber immerhin selber gefunden. Danach gab es noch wesentlich länger eine nachtaktive Brückenechse, ein Überlebender aus dem Erdmittelalter, wo die Viecher schon mit den Sauriern zusammen gelebt haben. Auch diese Art extrem selten und bedroht und natürlich endemisch.

Gegen 00:30 haben wir uns dann noch unser letztes Bier geteilt, um die Kiwis zu feiern, bevor wir in unsere Kojen gefallen sind.

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