Nizzana, das „headless chicken display“

Nachdem ich am 19.03. die Flughühner angeschaut hatte, bin ich mit ein paar kürzeren Stopps zu meiner nächsten Unterkunftin Dimona in der nördlichen Negev weitergefahren. Da sind zwar keine besonderen Stellen in der Nähe, aber es liegt stategisch günstig zwischen dem Toten Meer im Osten, Nizzana im Westen, dem sehr guten Berg Mount Amassa im Norden und dem Avdat Canyon im Süden. Da es mit Unterkünften schwierig war, und ich z. B. rund um Nizzana überhaupt nichts Bezahlbares gefunden hatte, habe ich diese für 5 Nächte gebucht. Da muss ich nicht dauernd umziehen aber etwas mehr Fahren.

Das Hadassa Desert Inn liegt günstig und das Zimmer mit Küchenzeile ist ruhig und bezahlbar.

Morgens bin ich am nächsten Tag früh aufgebrochen und war bei Sonnenaufgang und 2 Grad plus an der bekannten Stelle für die Steppenkragentrappen in der Wüste südlich von Nizzana. Da haben sie einen alten Eisenbahnwagon als Hide zum Trappenbeobachen hingestellt, in eins der besten Trappenreviere.

Von dem aus hat man einen tollen Blick auf die Wüste allerdings braucht man schon ein Spektiv um da etwas zu finden.

Auf dem ersten Bild ist die Trappe drauf, aber so nicht zu erkennen. Die Art mit dem irren Balztanz ist überall nahe am Aussterben, außer in Israel. Sie ist die Lieblingsbeute der superreichen arabischen Falkner, die sie überall mit den unglaublichsten Techniken aufspüren und niedermetzeln. Eine der attraktivsten Seiten der Israelis ist es ja grade dass sie überhaupt nicht jagen und praktisch sämtliche Wildtiere dadurch vollkommen geschützt sind. Das heißt hier hat man noch eine gute Chance, die zu Gesicht zu bekommen. Das hatte ich vorher nur einmal im Wüstennationalpark in Gujarat in NW-Indien, wo ein paar davon überwintern, wenn sie denn auf dem Weg dahin in Pakistan den hinterherreisenden Falkneridioten entkommen.

So, um 6:20 Uhr, eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang hatte ich einen Trappenhahn gefunden, auf ca. 600 m Entfernung. Und dann ging die Balz auch schon los. Es muss also irgendwo ein Weibchen zugeschaut haben die konnte ich aber nicht entdecken. Der Hahn steht ruhig in der Wüste und entfaltet langsam die langen weißen Schmuckfedern auf seiner Brust und spreizt die ringförmig nach außen. Dann legt er auf einmal den Kopf nach hinten und versteckt den im Rückengefieder. Der weiße Federkranz zeigt jetzt nach oben und sieht aus wie ein flauschigweißer Federring auf Beinen. Und so rennt der Hahn jetzt im Zickzack für eine Weile durch die Gegend. Keine Ahnung, warum er dabei nicht in Büsche oder Felsen reinrennt, wo er doch eigentlich nichts sehen kann ? Sieht auf jeden Fall ziemlich skurril aus, die Beschreibung der Engländer im Titel triff es ziemlich gut.

Ja, es gab natürlich auch noch ein paar andere Vögel, die näher dran waren und sich besser fotografieren ließen.

Raubwürger
Chukarhuhn

Nachdem die Trappenbalz gegen 8 Uhr zu Ende war und der Hahn spurlos verschwand, war ich doch sehr froh, dass ich so früh da war, auch wenn es schweinekalt war. Ich war dann noch an einer aussichtsreichen Stelle in der Sandwüste Wüstenrennvögel suchen. Nach einer Weile und einigen auf den Sandpisten etwas kniffligen Fahrsituationen habe ich dann tatsächlich eine Achtergruppe gefunden, leider ebenfalls zu scheu für halbwegs vernünftige Fotos. Auf dem Rückweg bin ich dann noch am eindrucksvollen En Avdat Canyon im gleichnamigen Nationalpark vorbeigefahren.

Da sprudelt eine Quelle im Canyon und der entstehende Bach hat eine grüne Oase mitten in der Wüste entstehen lassen. Leider von mehreren Busladungen sehr lauter Schulkinder besetzt so dass außer unglaublichen Echos nicht viel zu erleben war.

Abends war ich dann noch auf den Feldern des Kibbutz Sede Bokher neben dem Nationalpark spotlighten.nDie Felder sind mir als aussichtsreiche Stelle für Wölfe genannt worden. Allerdings ist es anspruchsvoll, selber gleichzeitig Auto zu fahren und mit der Lampe auf den Felder nach leuchtenden Augen zu suchen. Ich habe da mehrfach sehr schöne tiefe Löcher mit den Reifen gefunden und der Unterboden sah wahrscheinlich auch schon mal besser aus. Es war außerdem wieder extrem kalt ( mit der Lampe geht das ja nur mit offenem Fenster) und windig, so dass ich nach 1 Stunde aufgegeben habe. Und nur ein einzelner Fuchs war das ganze Ergebnis.

Von dort war es dann noch eine halbe Stunde bis zur Unterkunft insgesamt ein langer Tag.

Ein Kommentar zu „Nizzana, das „headless chicken display“

  1. Tolle Bilder! Selbst die Trappensuchbilder sind sehr eindrucksvoll. Ich muss mein Landschaftsbild von Israel revidieren, so viele Berge und Natur hätte ich nicht erwartet. Viel Erfolg noch in den nächsten Tagen. Der zugwaggon Ausguck ist klasse!

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