Schnee im Golan und endlich Massenzug

Ich bin vorgestern morgens in Dimona aufgebrochen und habe ohne Birdingstops fast 8 Stunden für die Fahrt in den Norden Israels gebraucht. Obwohl das nur 350 km sind. Aber ab Ber Sheva gab es katastrophale Staus auf der Autobahn wegen häufiger Unfälle. Es hat ab dort teilweise heftig geregnet, mit manchmal flach überflutetet Fahrbahn. Eine Situation mit der manche Israelis offenbar überfordert waren. Ich bin zwar heil durchgekommen auch wenn man mich wegen meiner im Vergleich ziemlich defensiven Fahrweise häufiger mit bösen Blicken bedenkt. Im Großraum Tel Aviv/Jerusalem habe ich mich dann trotz doppeltem Navi mit Google Maps und Mapsme mehrfach krass verfahren. Da ist es ungünstig, alleine im Auto zu sein und sich gleichzeitig auf den chaotischen Verkehr konzentrieren zu müssen. Bei drei gleichzeitig möglichen Abfahrten trifft man dann schnell die falsche. Und der Fehler muss dann erst wieder korrigiert werden, blöd nur, wenn man sich dabei dann nochmal vertut.

Am Ende bin ich dann einfach nur nach Norden aus dem Ballungraum rausgefahren und habe mich dann neu orientiert. Da war ich aber schon auf der westlichen Seite der Carmel-Berge, über die ich dann noch rübermusste, um ins Jordantal und Richtung des Sees Genezareth zu kommen. Bei einer Pause, an der es mal nicht geschützet hat zogen dann mehrere Hundert Weißstörche über mir nach Norden. Wenig später hat ein neuer Starkregen die alle runtergedrückt und die Hänge beidseitig der Straße waren wie weiß überzuckert von rastenden Störchen. Die hatten auch keinen so tollen Reisetag erwischt.

Zumindest war der Verkeht jetzt deutlich leichter dafür wurde das Wetter immer schlimmer, als ich mich ab Kiryat Shemona nach Osten in Richtung Golan und Mt Hermon bewegte. Ab ca. 600 Höhenmeter schneite es und kurz darauf blieb der Schnee auch liegen. In meinem Ziel, der Drusenortschaft Majdal Shams 14 km vom Mt Hermon entfernt lag dann überall außer auf der Hauptstraße 20 – 30 cm Schnee oder Schneematsch und die steilen Nebenstraßen zu meiner Unterkunft mit dem kleinen Nissan hochzukommen, war absolut unmöglich. Glücklicherweise hatte mein sehr netter Vermieter, Majdi, ein weit gereister und sehr sympatischer junger Druse, mir seine Telefonnummer geschickt. Er kam sofort mit seinem großen Auto zu meinem Standort hat mir einen sicheren Parkplatz organisiert und mich und mein Gepäck in die superhübsche und mollig warme Ferienwohnung in seinem Haus verfrachtet.

Da konnte ich dann etwas darüber nachdenken, ob es wirklich schlau gewesen ist, die Unterkunft im Norden nicht im Hula Tal auf 100 Meter Höhe sondern hier am Berg auf 1100 m zu wählen. Aber sowohl Majdi als auch der Wetterbericht sagen, dass es morgen besser werden soll, die Straße zum Mt Hermon wird aber erst übermorgen wieder geöffnet. Majdi hat mir geholfen, für Sonntag morgen ein Ticket für den Skilift zu besorgen, das geht auf der Webseite irgendwie nur mit einer israelischen Kreditkarte.

Nach einer sehr angenehmen Nacht und einem schnellen Frühstück bin ich dann Freitag morgen im Schneetreiben aufgebrochen und wieder ins Tal Richtung Hula Nature Reserve (bzw. Agamon Hula) aufgebrochen. Hier haben die Israelis sehr perfekt einen Teil des ursprünglichen, riesiegen Sumpfgebietes im Jordantal wieder hergestellt, um den Grundwasserspiegel in diesem extrem wichtigen Ackerbaugebiet zu stabilisieren, und den Millionen hier rastenden Wasservögeln wieder einen wichtigen Trittstein zum Auftanken anzubieten.

Ein Teil des Sees und das Wetter war immer noch bedrohlich
Das futuristische Besucherzentrum in Agamon Hula von Osten aus gesehen

Im Besucherzentrum war ich offenbar der erste Besucher des Tages kein Wunder bei dem Regen. Ich habe mir erstmal die Ausstellung angeschaut und einen großen Cafe Latte getrunken, dann hörte es wie durch ein Wunder auf zu schütten. Es gibt hier drei Optionen, man kann den See auf einem ca. 11 km langen Rundweg zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einem elektrischen Golfkarren umrunden, meist auf getrennten Wegen. Es gibt mehrere gute Aussichtspunkte mit Beobachtungshütten. Die waren bei den immer wieder auftretenden starken Schauern zum Teil mit Gewitter und Hagel ( siehe Bild oben) sehr hilfreich. Die Temperaturen ließen selbst hier im Tiefland immer noch zu wünschen übrig, und ich war doch sehr froh über lange Thermounterwäsche und dicke Handschuhe.

Und Vögel gab es natürlich auch. Die hier zu Tausenden rastenden Kraniche überwintern jetzt auch hier und mästen sich in den Erdnussfeldern. Ansonsten ist das Gebiet nicht nur für Wasservögel, sondern auch für rastende Greifvögel extrem wichtig. Es ist wieder nett Kaiser-, Schell-und Schreiadler direkt nebeneinander zu sehen, dazu immer mal wieder einen Fischadler, aber natürlich auch massig Bussarde, Weihen, Gleitaare etc.

Rosapelikan
Brauliest einer von drei Eisvogelarten im Gebiet
Spornkiebitz, der absolute Krachmacher hier
Und ein Brauner Sichler (extra für Kerstin)

Gegen Mittag waren die garstigen Gewitter und Schauer abgezogen, die Sonne kam heraus und dann ging der Zug los. So etwas hatte ich bisher noch nie gesehen ! Überall im Süden stiegen große bis riesige Schwärme von Weißstörchen auf und zogen dann langsam über die Ebene nach Norden. Teilweise waren da keine Pausen dazwischen, am Anfang habe ich noch versucht zu zählen aber dann bin ich irgendwann zum groben Schätzen übergegangen.

Ein paar Störche vor den Schneebergen des Golan
Zwischendurch zogen auch ein paar Kraniche

Grob geschätzt sind zwischen 12 und 16 Uhr mindestens 20.000 Weißstörche über mich gezogen wahrscheinlich waren es aber viel mehr. Ich habe natürlich auch die anderen Arten angeschaut und dabei sicher viele Weißstörche verpasst. Und da sind die Tausenden von Störchen, die gleichzeitig über den Golanhöhen östlich des Jordantales entlangzogen noch nicht mitgerechnet.

Es gab außerdem einige andere ziehende Arten dazwischen, einzelne Adler, Bussarde und immer wieder kleine Kranichtrupps. Aber besonders spannend war eine Thermik mit ca. 300 Schwarzmilanen und 25 Schwarzstörchen dazwischen, die wollten offenbar nicht mit ihren weißen Kollegen mitziehen. Insgesamt auf jeden Fall der tollste Zugtag den ich bisher erlebt habe.

Und auf dem Rückweg habe ich dann sogar den Mt Hermon zum ersten Mal zumindest zum Teil gesehen. Und ich habe es geschafft, durch die engen, megaultrasteilen Gassen tatsächlich bis zu meiner Unterlagen hochzufahren, auch wenn mich das einige Schweißtropfen gekostet hat. Von dem gestrigen Schnee ist eine Menge weggeschmolzen, teilweise fühlte es sich so an, als ob man in einem Fluss stromaufwärts fuhr.

4 Kommentare zu „Schnee im Golan und endlich Massenzug

  1. Das liest sich unglaublich spannend, abenteuerlich und zudem nach allerfeinstem Birding! Ganz toll – und gut, dass Du anscheinend mit der richtigen Kleidung ausgestattet bist! T-Shirt und kurze Hose wären wohl nicht ausreichend gewesen.
    Den Verkehr, das Wetter und das alles mit Sommerreifchen stelle ich mir echt gruselig vor. Dir noch ein letztes, erfolgreiches und
    schönes Wochenende!

    Gefällt mir

  2. Mega super tolle Zugvogelbeobachtungen und Fotos. Danke für den extra Braunen Sichler für Kerstin. Habe ihn ihr weitergeleitet 🤣
    Danke auch, dass du die „Daheimgebliebenen“ an deinen wenn auch nicht immer so schönen Erfahrungen teilhaben lässt. 😅🥰

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s