Die letzten Tage in Miranda

Weil die möglichen Lifer für uns beide ja ziemlich knapp wurden und die Lust auf große Fahrstrecken am Ende des Trips sich auch in Grenzen hielt, haben wir uns für die letzten 4 Nächte eine nette Ferienwohnung im Miranda Shorebird Center südlich von Auckland genommen.

Das gemütliche und von netten Rangern betreute Watvogel-Besucherzentrum steht direkt neben einem der besten Hochwasserrastplätze für Limikolen in Neuseeland.

Hier sind von den drei gut gelegenen Beobachtungshütten

aus neben den häufigeren hier rastenden Limikolen auch schon viele tolle Seltenheiten gefunden worden. Die Vögel rasten hier in flachen Teichen hinter den Küstendünen und auf Muschelschillwällen vor der Küste.

Unter anderem werden hier oder in einem weiteren Hochwasserrastplatz 20 km östlich an der Küste fast alljährlich einzelne Hudsonian Godwits (Hudsonschnepfen) gesehen, auf die wir beide noch scharf waren. Allerdings ist das nicht ganz trivial, eine einzelne Hudsonschnepfe unter 1000enden von Pfuhlschnepfen zu finden, solange sie ruhig am Rastplatz sitzt. Und wenn die Vögel in großen Trupps auffliegen, ist das auch kein Selbstläufer.

Am ersten Morgen waren wir dann auch gleich am Rastplatz an der Flußmündung des Piako River. Der Rastplatz hier liegt auf einer nach einem Dammbruch gefluteten, ehemaligen Farm, in die man von einem Deich gut reinschauen kann. Hier rasten, bevor die Fläche bei Hochwasser geflutet wird, auf den freien Schlammflächen und zwischen jungen Mangroven Tausende von Limis, aber auch viele Reiher, Enten und ein paar Australische Löffler

in einer eindrucksvollen Geräuschkulisse. Die wird dominiert von den praktisch dauernd rufenden Stelzenläufern, die hier zu Hunderten rasten.

Wenn das Wasser steigt, fliegen die Limikolen auf einen frisch gepflügten Acker auf der anderen Seite des Deiches, praktisch weil man sich mit dem Spektiv einfach nur umdrehen muss.

Hier ein paar Südinsel-Austernfischer und Knutts auf dem Acker.

Nach längerem Suchen hat Jochen dann tatsächlich die zum letzten Mal vor 1 Monat hier beobachtete Hudsonschnepfe gefunden, und dann sogar noch bevor sie auffliegen die charakteristische Unterflügelzeichnung dokumentiert.

In den Hides direkt am Shorebird Center haben wir dann noch ein paar hier normalere Seltenheiten wie Spitzschwanz- und Graubruststrandläufer, Sumpfläufer und Rotkehlstrandläufer gesehen. Insgesamt ein sehr nettes Beobachten von einer sehr gemütlichen Basis aus.

Bei Niedrigwasser sind alle Limikolen weit draußen auf den Wattflächen vor der Küste und wir sind dann jeweils auf kleinen Wegen in die Hügel hinter der Küstenstraße gefahren. Am ersten Nachmittag habe ich da bei einem Stop mal auf gut Glück die Stimme des Bronzekuckucks abgespielt, obwohl keiner gerufen hat. Umso verblüffte war ich, als einer direkt neben uns aus der Baumgruppe abflog und direkt an mir vorbei ins Tal sauste. Diesmal hat Jochen ihn verpasst, was nicht schlimm war. Denn gleich danach habe ich in den Bäumen ein 2. Exemplar gefunden, was sich sogar kurz im Sitzen ansehen ließ. Verblüffend, weil uns grade die eine Rangern im Hide erzählt hatte, dass sie schon jahrelang da wohnt, den Kuckuck dauernd hört, aber noch nie einen gesehen hat.

Das war auf jeden Fall der letzte, für mich mögliche, neue Landvogel in Neuseeland, wenn man von den beiden unmöglichen Kiwis absieht also der komplette Cleanup !

In den Hügeln sonst noch bemerkenswert ist das Vorkommen des Pfaus und des Wilden Truthähne, beide hier eingebürgert.

Besonders die Truthähne sind relativ häufig und auch in Familiengruppen zu sehen.

So, jetzt geht es langsam zum Flughafen und der Blog wieder in den Winterschlaf.

Danke fürs Lesen und für die netten Kommentare.

Nochmal Tawharanui

In unserer letzten Nacht auf Tiritiri Matangi hatten wir noch unsere beste Beobachtung des Little Spotted Kiwi, aber wieder zu kurz für vernünftige Fotos. Nach der Fähre zum Festland am nächsten Tag sind wir dann die kurze Strecke zur Tawharanui- Halbinsel nach Norden gefahren. Hier haben wir schnell in ein großes Zimmer in einem Backpackers in der Nähe von Matakana am Anfang der Halbinsel eingecheckt und waren dann im Ort Pizza essen.

In der durch einen prädatorensicheren Zaun abgesperrten Spitze der Halbinsel war ich ja ganz am Anfang meiner Tour schon Mal. Ich hatte da nachts den Nordstreifenkiwi zwar gehört, aber nicht gesehen. Da wir hier nur 2 Nächte Zeit hätten, haben wir uns entschlossen, gleich am 1. Abend eine der organisierten Kiwitouren von Vanessa Ward mitzumachen. Das ist eine Frau, die auf der Farm an der Spitze der Halbinsel aufgewachsen ist, und sich da bestens auskennt. Sie ist zwar keine Birderin, aber Kiwi finden kann sie tatsächlich. Wir haben in der Nacht in nur 3 Stunden drei sehr gute und lange Beobachtungen der Art gehabt, die wie der auf Stewart Island vom Rotlicht der Taschenlampen praktisch nichts mitbekommen hat. Wie dort waren aber auch hier die Bedingungen für Fotos nicht ideal, auch weil die Kiwis hier zusätzlich im dichten Unterholz herumgewuselt sind.

Wir waren schon um 23 Uhr zurück in unserem Zimmer im Backpackers und haben uns noch ein Bier auf die dritte Kiwiart gegönnt.

Am nächsten Morgen waren wir dann noch einmal im Park um den Maori-Regenpfeiffer an den Stränden für Jochen zu suchen. Das Paar, was ich vor 5 Wochen hier gesehen hatte, lief auch sehr fotogen mit 3 Jungvögeln am Strand herum. Ein weiteres Paar wurde Grade von ein paar netten Ornis, die wir schon auf Tiritiri getroffen hatten, gefangen und farbberingt. Außerdem haben wir den kleinen Bronzekuckuck, den wir schon im Pureora Forrest nur gehört hatten, wieder in ein paar großen Nadelbäumen rufen gehört. Leider hat nur Jochen ihn rausfliegen sehen, weil ich grade auf der falschen Seite des Baumes stand. Blöd, das ist der letzte für mich noch mögliche Lifer auf der Tour.

Nachdem wir nachmittags schön auf dem Grill unseres Gastgebers gegrillt und am Pool gegessen hatten, waren wir abends nochmal im Park. Diesmal alleine und das hat mit den Kiwis auch sehr gut funktioniert. Diesmal haben wir einen von ein paar Leuten vor uns gefundenen Kiwi länger beobachtet und danach noch zwei weitere selber gefunden, klappt also auch ohne Guide. Die Viecher sind allerdings lange nicht so laut, wie immer beschrieben wird, wir haben die meisten visuel mit den Rotlichtlampen und nicht durch ihr Geraschel und Geschnüffel gefunden.

Immerhin hatten wir jetzt wirklich ein paar sehr schöne Beobachtungen von dieser für Neuseeland typischsten Vogelgruppe.

Tiritiri Matangi

Morgens sind wir nach großer Packaktion mit einer dichten Plastikbox voller Lebensmittel und unseren Rucksäcken deutlich zu früh am Hafen gewesen. Aber besser sicher, das Boot zur Insel fährt nur einmal am Tag. Tiritiri ist auch so eins der säugerfreien Inselrefugien, auf denen man die ganzen hochgefährdeten Vogelarten wieder angesiedelt hat, nachdem man Ratten, Katzen, Wiesel und Mäuse restlos ausgemerzt hatte. Auch der ursprüngliche Küstenwald, der vollkommen verschwunden war, wurde durch Pflanzprojekte und die Abwesenheit der Samenvernichter wieder hergestellt.

Früher war das hier lange eine von Farmern und dem Leuchtturmwärter besiedelte Insel.

Heute ist der Leuchtturm natürlich automatisch und im ehemaligen Leuchtturmwärterhaus wohnt jetzt die Chefin der Naturschutzwacht. Die Insel ist eine der 3 letzten Refugien der kleinsten Kiwiart, des Little Spotted Kiwi. Aber auch die eigentlich im Gebirge der Südinsel heimische Takahe, eine extrem fette, flugunfähige Ralle, haben sie hier angesiedelt, um eine Sicherheitspopulation zu haben. Das Viech ist wirklich ein Brummer und sieht aus wie ein Purpurhuhn auf Steroiden.

Wir sind in ein Vierbettzimmer im Bunkhouse, der einzigen Unterkunft auf der Insel, eingezogen und haben erstmal unsere Vorräte verstaut und Mittag gemacht.

Tiritiri ist wie Helgoland, zwischen Ankunft und Abfahrt der Fähre recht lebhaft mit Tagestouristen und Kindergruppen, nach Abfahrt der Fähren sehr ruhig. Jochen fühlt sich also nicht nur wegen des Leuchtturm wie zuhause.Die paar tagaktiven Arten, die uns noch fehlten hatten wir alle am ersten Nachmittag, wie auf Ulva Island im Süden sind die Vögel überhaupt nicht scheu, manchmal muss man fast aufpassen, nicht aus Versehen draufzutreten.Es sah schon so aus, als ob die drei Nächte hier deutlich zuviel wären, aber als wir dann abends versucht haben, den Kiwi zu finden, relativierte sich das recht schnell. Nach 3 h erfolgloser Suche haben wir todmüde abgebrochen, und waren natürlich froh, 2 weitere Nächte zur Verfügung zu haben. Nur der Maorikauz ist hier relativ häufig, den hat Jochen hier schön gelifert.

Auch sonst hatte niemand einen Kiwi gesehen, bis wir morgens mit einem der Freiwilligen gesprochen haben, der hier die brütenden Kolonien der Lummensturmvögel betreut. Der hatte mitten in der Nacht gleich 3 Kiwis an der Nordspitze der Insel gesehen. Am zweiten Tag haben wir die Fotomöglichkeiten hier ausgeschöpft, ich hatte eine kleine Süßwasserpfütze oberhalb des Strandes gefunden, wo viele Vögel in der Nachmittagshitze zum Baden hingekommen sind. Unter anderem der Stitchbird, ein Nektarfresser, der hier auch eine der letzten Sicherungspopulationen hat und auf dem Festland schon lange ausgestorben ist.

Aber auch der Rifleman, Neuseelands kleinster Vogel mit nur 8 cm Länge.

Wie alle selteneren Vögel hier individuel farbberingt. Aber ein paar Exoten gibt es auch, wie den hübschen Eastern Rosella, einen Sittich aus Australien, der hier ebenfalls schon lange eingebürgert ist, aber wohl nicht so viel Konkurrenz für die einheimischen Arten darstellt.

Nachmittags war ich dann sogar noch an einem sehr schönen Strand im angenehm warmen Meer baden, im Gegensatz zu Blumine Island konnte man es hier durchaus 20 min im Wasser aushalten. Schade, dass die Taucherbrille zuhause liegt.Nachts waren wir diesmal an der Nordspitze der Insel, und diesmal haben wir zwei Kiwis gesehen, allerdings beide nur recht kurz und ohne Chancen auf ein Foto. Aber immerhin selber gefunden. Danach gab es noch wesentlich länger eine nachtaktive Brückenechse, ein Überlebender aus dem Erdmittelalter, wo die Viecher schon mit den Sauriern zusammen gelebt haben. Auch diese Art extrem selten und bedroht und natürlich endemisch.

Gegen 00:30 haben wir uns dann noch unser letztes Bier geteilt, um die Kiwis zu feiern, bevor wir in unsere Kojen gefallen sind.

Pureora Forest

So, unser Wetterglück hält. Als wir am 8. unser neues Auto an der Fähre in Wellington im Süden der Nordinsel abgeholt haben, goß es wie aus Eimern. Während der Fahrt nach Turangi ca. 300 km nördlich hat es nur einmal kurz zu regnen aufgehört. Da waren wir grade an einer Stelle für den Black-fronted Dotterel, der Jochen noch fehlte. Wir haben ihn leider nicht gefunden, sind aber bei wieder beginnendem Regen auf dem Rückweg ordentlich nass geworden. Dann schüttete es den ganzen Rest der Fahrt so, dass die Scheibenwischer es fast nicht schafften. Dafür war das Wetter am nächsten Morgen wieder prima, und wir konnten am Ufer des großen Lake Taupo schön den Fernbird suchen und finden, und die australische Rohrdommel haben wir zumindest gehört. Am besten Platz für die Blue Duck, die wir ja schon auf der Südinsel gesehen hatten, haben wir dann mit geringer Mühe einen Einzelvogel und ein Paar mit einem kleinen Jungvogel gefunden, obwohl es an dem Fluß von Fliegenfischern wimmelte.Dann sind wir in ein winziges Kaff mitten im Nichts am Nordrand der Reste des früher großen Pureora-Waldes gefahren. Hier hatten wir für eine Nacht ein Zimmer in einer etwas heruntergekommen Herberge reserviert. Der Wald ist zwar am Nordrand ziemlich fragmentiert durch Kieferplantagen und Weiden. Aber die Reste der ursprünglichen Urwälder aus bis zu 50 m hohen Rimu-Bäumen und vielen anderen Arten mit einem dichten Unterholz aus Baumfarnen sind wirklich eindrucksvoll.Unsere beiden Zielarten hier waren die beiden Kuckucksarten, die wir aber beide nur gehört haben. Dafür schöne Ausblicke in die Mittelschicht des Waldes von einem 12 m hohen Holzturm und eine kurze, aber sehr schöne Beobachtung eines Maorifalken beim Starejagen.Am Morgen sind wir gleich nach Sonnenaufgang wieder im Wald gewesen, und haben es diesmal besser angestellt mit den Kuckucken. Nachdem wir wieder einen Long-tailed Cuckoo gehört haben sind wir ihm sofort in den hier relativ lichten Urwald hinterhergelaufen und haben die Klangattrappe erst angemacht, als wir fast direkt unter ihm waren. Das war ihm dann doch nicht recht und er hat sehr entrüstet gerufen und sich auch kurz aber sehr schön anschauen lassen. Das war die Art, die wir hier unbedingt sehen mussten, das hat also doch gut funktioniert. Der kleine Shining Bronze Cuckoo hat sich nicht mehr hören lassen, aber bei dem haben wir auch an anderen Stellen noch Chancen.Nachmittags sind wir dann nach Gulf Harbour gefahren, wo am nächsten Morgen unsere Fähre nach Tiritiri Matangi losfährt. Abends haben wir noch einen Großeinkauf für die nächsten 4 Tage gemacht, weil es auf der Insel keinen Laden gibt.

Fähre zur Nordinsel

Nachdem wir wegen dem furchtbaren Wetter an der Westküste und in den Bergen unsere Pläne vollständig umgeworfen haben, sind wir von den Schwarzen Stelzenläufern und Schiefschnäbeln im McKenzie Basin direkt an die Ostküste gefahren. Hier haben wir in einem netten Backpacker in Kaikoura ein Zimmer für 3 Nächte genommen, und die beiden noch anstehenden Bootstouren und auch unsere Fähre zur Nordinsel vorverlegt. Das klappt hier genauso wie die Suche nach Unterkünften sehr problemlos und kurzfristig mit dem Telefon.Überhaupt sind die Neuseeländer insgesamt mit die angehmsten und unkompliziertesten Leute, die man so haben kann.Nach einer gut durchgeschlafenen Nacht sind wir Donnerstag morgen um 6 mit einem kleinen Boot in die Bucht vor Kaikoura rausgefahren. Hier liegt ein Tiefseekanal direkt vor der Küste, was den Ort zu einem Zentrum des Whalewatching, aber auch des Albatrostourismus macht.Unsere Kapitänin hatte auch ein großes Netz voller Chum, also gefrorene Dorschlebern dabei, das sie nach 10 min ins Wasser hängte. Die Nördlichen Riesensturmvögel waren auch sofort zur Stelle und kurz danach kamen die Albatrosse.Zwar nicht so viele wie auf der Schiffstour vor den Chathams, aber dafür viel näher und besser zu fotografieren.Hier vorne ein junger Wanderalbatros, hinten rechts ein adulter nördlicher Königsalbatros und hinten rechts ein Salvinalbatros.Und mit den teilweise noch schneebedeckten Bergen im Hintergrund ein sehr ungewöhnlicher Anblick.Dazwischen auch noch ein paar Sturmtaucher, Sturmvögel und Delfine, insgesamt also ein sehr netter Ausflug, bei tollem Wetter. Nachmittags haben wir dann noch eine schöne 12 km Wanderung rund um die Halbinsel vor Kaikoura gemacht. Leider ohne die hier angeblich häufige Zaunammer zu sehen. Das ist der letzte europäische Neozoon, der auf der Tour noch fehlt. Dafür wie immer massig Goldammern, Grünfinken, Stieglitze und Amseln, nicht zu reden von Hunderten von Feldlerchen.Wenn die Feldlerche bei uns mal ausstirbt, weil die Franzosen sie alle auffressen, gibt es hier zumindest ein gutes Reservoir für eventuelle Wiederbesiedlungsprojekte.Am Freitag haben wir dann die Bootstour vom Hafen von Picton ausim Picton-Sund gemacht, und uns auf Blumine Island, einer der säugerfreien Inseln im Sund aussetzen lassen.Auf dem Weg hatten wir eine Gruppe jagender Delphine an einem großen Fischschwarm mit Australtölpeln und Flattersturm-tauchern.

Da wir morgens rausgefahren sind und erst von der Nachmittagstour wieder eingesammelt wurden, hatten wir ca. 5 h Zeit auf der Insel. Wir wollten sicher gehen, dass wir den hier in einer Zweitpopulation lebenden Malherbesittich, den ich am Arthurs Pass verpasst hatte, auch wirklich sehen. Mit der Stimme auf Band hat es tatsächlich nur 10 min gedauert, die ersten beiden Sittiche zu finden. Insgesamt haben wir 3 Paare gesehen, allerdings sind die ziemlich unauffällig in der Mittelschicht der Bäume, ohne Tonkonserve könnte man den auch gut verpassen. Ansonsten war es nett, als einzige Menschen auf der Insel zu sein. Ich war sogar kurz im Meer schwimmen, sehr schön aber doch recht kalt. Zeitlich waren wir dann tatsächlich so gut versorgt, dass es sogar noch zu einem Mittagsschläfchen am Strand gereicht hat, bevor wir wieder abgeholt wurden.Danach waren wir noch auf einer weiteren Vogelschutzinsel, allerdings nur 1 h und mit massig normalen Touris, so dass ausser mehreren South Island Robins und 2 Saddlebacks (siehe unten), die wir beide schon hatten, nichts zu sehen war.Immerhin eine Eidechse gab es noch, Reptilien sind hier erstaunlich selten.Gestern haben wir dann noch ein paar Feuchtgebiete zwischen Kaikoura und Picton angeschaut und am Lake Elterwater nicht nur den vor kurzem aus Australien eingewanderten Haarschopftaucher sondern auch endlich den endemischen Maoritaucher gesehen, für mich der 82. Lifer des Trips.Jetzt sind aber nur noch maximal 10 weitere drin, die 100 sind bei dem Trip also tatsächlich unrealistisch.Heute morgen waren wir noch kurz birden und sind dann zur Fähre in Picton gefahren. Momentan sind wir bei murkeligem Wetter mitten in der Cook-Straße. Die riesige Autofähre liegt trotz heftigem Wind so ruhig im Wasser, dass man nicht glauben würde, man wäre auf See, wenn man nicht aus dem Fenster schaut.

Abschied vom Schiff und Fjordland Nationalpark

Nachdem wir schon vorgestern Abend in der Bucht von Dunedin an der Ostküste der Südinsel angekommen sind, haben wir eine letzte Nacht auf dem Schiff verbracht. Gestern morgen sind wir dann auf dem Weg in den Hafen an der einzigen Festlandskolonie des nördlichen Königsalbatrosses vorbeigefahren. Danach mussten wir wieder durch den Zoll, da wir ja zwischendurch in australischen Gewässern waren. Danach haben wir uns von Tom, der nach Hause fliegt und den restlichen Mitfahrern sowie den Guides und Judd, dem genialen Expeditionsleiter, verabschiedet und sind zum Flughafen gefahren. Da haben wir dann rasch unseren Mietwagen abgeholt und sind Richtung Fjordland Nationalpark gefahren. Wir sind gut durchgekommen, wenn Jochen sich auch zuerst wegen des Linksverkehrs sehr am Straßenrand entlanggetastet hat.Wir haben dann leider im Regen unsere Zelte im einzigen bewitschafteten Campingplatz des Nationalparks aufgeschlagen und sind dann sofort weiter zum ca. 1000 m hochgelegenen Homer-Tunnel gefahren. Auf dem Weg haben wir problemlos den Kea für Jochen

und die eigentlich schwierige Hochgebirgsente ( Blue Duck oder Saumschnabelente), die vorwiegend schnelle Gebirgsbäche besiedelt, am Monkey Creek gefunden. Das ging einfacher als erwartet. In der phantastischen Hochgebirgskulisse am Tunnel haben wir dann leider wieder im Regen nach dem South Island Rock-Wren, dem einzigen echten Hochgebirgsvogel Neuseelands gesucht. Der heißt übrigens auf deutsch Felsschlüpfer, dämlicher Name, da würde ich mir eher die Unterhose eines Trollweibchens drunter vorstellen.Der Vogel ist immer schwierig und und bei Regen ganz besonders. Er lebt in großen Blockschutthalden zwischen den Steinen und in der Zwergstrauchvegetation dazwischen. Umso verblüffter war ich, als direkt am Anfang des Weges am Tunnel auf mein erstes kurzes Anspielen der Stimme einer aus der Vegetation heraus auf einen großen Felsbrocken flog. Ich habe hektisch versucht, Jochen den Standort zu erklären statt lieber erstmal selbst mit dem Fernglas hinzuschauen. Das Resultat war vorraussehbar, der Vogel flog blitzschnell ab, Jochen hat nur eine Bewegung gesehen und ich habe ihn ohne Fernglas auch nicht tickable gesehen, sehr blöd gelaufen. Aber zumindest wissen wir wir jetzt, dass er da ist, auch wenn er bis 20 Uhr nicht mehr aufgetaucht ist. Auf dem Campingplatz haben wir dann noch eine große Portion Nudeln mit Tomatensoße gekocht und verschlungen. Die Küche war allerdings ziemlich klein und voll, so dass wir uns bald in die feuchten Zelte verzogen haben. Zumindest für mich war das eine ziemlich ungemütliche Nacht, auch wenn es irgendwann zu regnen aufhörte.Morgens ein schnelles Frühstück und dann sind wir wieder zum Tunnel hochgefahren, diemal allerdings bei schönem Sonnenschein, was für ein Glück. Das Bergpanorama mit verschneiten Gipfeln und Dutzenden von Wasserfällen an den steilen Felsflanken ist wirklich genial.

Als sich nach einer dreiviertel Stunde in dem Revier am Anfang des Weges nichts rührte, sind wir langsam den Weg etwas weiter den Berg hoch gelaufen.

Jochen war schon vorgegangen und außer Sicht, als ich plötzlich eine Bewegung zwischen zwei Felsen wahrgenommen habe. Und tatsächlich, kurz danach saß der Rock-Wren frei vor mir auf einem Felsblock und sieht mit den langen Beinen und den winzigen Schwanz wirklich aus wie eine Miniaturpitta. Jochen hat mein Rufen glücklicherweise gleich gehört, und ihn auch noch gut gesehen, bevor er bergauf in den Steinen verschwand. Kurz darauf tauchte er aber mit Nistbaumaterial wieder auf und verschwand in einem Loch an der Seite eines großen Felsens. Da kam dann auch noch ein zweiter dazu, damit haben wir wohl ein Brutpaar beim Nestbau gefunden, genial. Auch wenn wir sie mehrfach gut gesehen haben, habe ich wegen der hektischen Bewegungen kein einziges Bild hinbekommen. Anders bei Jochen, der mit mehr Können und schnellem Autofokus zumindest ein gutes Bild geschossen hat, siehe unten.

Absolut megagenial !

Damit haben wir hier alles gesehen, und haben auf dem Rückweg noch einmal am Monkey Creek haltgemacht. Hier haben wir die Ente nochmal gefunden, diesmal bei Sonnenschein. Sie ist im Wasser beim Fressen in den Bächen relativ leicht zu übersehen.Wenn sie am Ufer rastet dafür etwas einfacher.Schließlich waren wir noch in den wunderschönen, moosüberwucherten Südbuchenwäldern am Lake Gunn und sind dann in Richtung Twizel abgefahren.

Da haben wir uns im erneut strömenden Regen auf dem gleichen Campingplatz eine Hütte genommen, auf dem ich vor einem Monat schon einmal war. Morgen wollen wir für Jochen den Schiefschnabel und den Schwarzen Stelzenläufer suchen, allerdings sieht das Wetter gar nicht gut aus.

Landgang auf den Chathams

Am Mittwoch waren wir morgens vor der einzigen Ortschaft auf der Hauptinsel der Chatham Inselgruppe und sind nach dem Frühstück mit den Zodiacs an Land gebracht worden. Vom Ort aus sind dann alle außer Tom mit Bussen zum privaten Tuku-Reservat im Süden der Insel gefahren worden. Der Weg dahin geht über Schafweiden voller Feldlerchen und Trauerschwäne und an wenigen kleinen Waldrestchen vorbei auf Schotterstraßen zur Südküste. Hier schützt einer der Schaffarmer auf seiner Farm nicht nur die letzte Brutkolonie des Magentasturmvogels und des Chathamsturmvogel sondern auch ein paar hübsche Waldreste

und ein eingezäuntes Gelände an der Steilküste, auf dem der endemische Chathamalbatros wieder angesiedelt werden soll. Das soll eine zweite Population als Versicherung geben, falls in der momentan einzigen Kolonie auf dem Pyramid Rock irgendetwas passiert.

Der Farmer und seine Frau haben eine kleine Ansprache über ihr Schutzprojekt, aber auch über die ungünstigen Lebensumstände auf der etwas abgelegenen Inselgruppe 1000 km östlich von Neuseeland gehalten. Die Transportkosten von und nach den Inseln fressen wohl einen ordentlichen Teil der Gewinne auf.

Wir haben dann einen hübschen Spaziergang zur Küste durch den schönen Wald voller Baumfarne gemacht. Dabei waren die beiden endemischen Landvögel der Insel, eine Taube und ein Zweigsänger recht einfach zu kriegen. Ansonsten aber wie in Neuseeland nur Star, Amsel, Singdrossel, Buchfink und Stieglitz zu sehen und zu hören.

Während des Ausflugs hatte Tom und sich abgesetzt, um die für ihn natürlich viel wichtigere, vierte Limikolenarten Chatham-Austernfischer zu suchen. Ein vier Kilometer langer Spaziergang an einem wunderschönen Strand mit hohen Sanddünen bei der Ortschaft hat dann auch erst einen und dann sogar drei Vögel geliefert. Die flogen dann sogar in Richtung der Ortschaft, aber er hat sie dann bei einem Nickerchen in den Dünen verloren. Als wir dann gegen 12 Uhr wieder im Ort waren, waren sie nicht mehr zum sehen. Glücklicherweise hat Jochen mit dem Spektiv den Strand abgesucht, während wir uns Toms Heldengeschichten angehört haben. Und er hat dann auch zwei Vögel in 1-2 km Entfernung wiedergefunden. Einige von uns sind dann zu einem kleinen Strandspaziergang aufgebrochen und haben sie auch schön beim Muschelsuchen und -fressen beobachtet und fotografiert.

Sie sind zwar selten und hoch gefährdet, sehen unserem Austernfischer allerdings so ähnlich, dass der Wow-Faktor etwas fehlte.

Trotzdem habe ich danach im Ort mittags ein Bier getrunken, weil das nach Toms Zählung meine 200ste Limikolenart (von 223 momentan bekannten) war. Eric, der eine Guide hat sich dann einen Kleinbus von einem Insulaner ausgeliehen und hat die gehfauleren oder schlappen älteren Teilnehmer über der festen Strand auch noch zum Austernfischer gefahren, das war mal Dienst am Kunden.

Dann mussten wir nochmal mit den Bussen über die halbe Insel fahren, weil der Wind und die Wellen so stark geworden sind, dass der Kapitän das Schiff auf die andere Seite der Insel verlegen musste. Da wir morgens den Transfer bei ruhiger See und Sonnenschein gemacht hatten, hatte kaum jemand eine Regenhose dabei. Entsprechend nass waren wir nach der Schlauchbootfahrt mit einigen kleineren Wellen im Boot. Die Dünung war auch ordentlich, das heißt das Aussteigen an der schmalen Klappleiter am Schiff war auch spannend. Man muss da schon den richtigen Zeitpunkt zum Rübersteigen wählen, auch wenn 2 kräftige russische Matrosen dabei helfen. Bewunderungswürdig wie einige ältere Teilnehmer sich das noch zutrauen !

Abends waren wir dann nocheinmal vor der Sturmvogelkolonie und haben mit Fischresten gelockt, bei dem starken Wind und Wellengang aber mit mäßigem Erfolg.

Dann haben wir uns auf den 1000 km langen Rückweg zur neuseeländischen Südinsel gemacht, wo wir erst in der Nacht zum Sonntag nach 2 Tagen auf See ankommen werden.