Birding im Freilandzoo

Nach dem sehr erfolgreichen Pelagic am 31.10. war ich am nächsten Tag im Tawranahui Regional Park an der Küste nordöstlich von Warkworth.

Das ist eine schmale Halbinsel mit Resten von einheimischen Wäldern, kleinen Bächen und Weideland, die vollständig mit einem rattensicheren Zaun vom Festland abgetrennt ist. Rein kommt man nur durch ein Tor mit Lichtschranke. Drinnen wird trotz des Zauns ordentlich mit Gift und Fallen gesrbeitet, um den raubsäugerfreien Zustand zu erhalten. D. h. ausserhalb des Zauns sind Ratten, Wiesel, Frettchen und Katzen und innerhalb die ganzen endemischen Vögel, ist also schon ein bißchen wie ein Freiluftzoo.

Die Vögel sind aber da und konsequenterweise auch recht zahm, und der Wald ist teilweise wirklich hübsch. Auch hier überwiegen die exotischen (also eingebürgerten) Arten und auf den ersten Metern hatte ich u. a. Schopfwachteln aus Kalifornien, Braunwachtel aus Australien und Jagdfasan aus China. Aber immerhin auch am Strand mehrere sehr fotogene New Zealand Dotterels, ein hübscher endemischer Regenpfeiffer.

Auch die neuseeländischen Austernfischer fütterten ihre Jungvögel nur 3 m von mir entfernt, ohne sich aufzuregen.

Innerhalb des sehr dichten Waldes hat man jetzt auch mal ein paar unbekannte Vogelstimmen neben Amsel, Buchfink und co gehört. Unter anderem ist der hübsche North Island Saddleback recht häufig, wenn auch ziemlich versteckt im Unterwuchs.

Die Hauptattraktion hier ist allerdings eine stabile Population des nördlichen Streifenkiwi, für den ich nach einer Siesta abends in den Park zurückgefahren bin. Es gibt hier auch eine organisierte Kiwitour, die heute aber ausgebucht war. Ich bin also alleine losgezogen und hatte bis 21:30 Uhr zwar vier Männchen und zwei Weibchen gehört, aber leider trotz Rotlicht an der Taschenlampe ( das die Kiwis wohl nicht stört) keinen gesehen.

Ein kleiner Trost war ein hübscher Kuckuckskauz, der aus Versehen fast auf meinem Kopf landete, als ich auf einem Baumstamm saß und nach Kiwis gelauscht habe.

Dann setzte allmählich die immer noch heftige Jetlag-Müdigkeit ein und ich bin Richtung Auto zurückgelaufen. Dabei habe ich die Kiwitour getroffen, die aber auch noch kein Glück hatten.

Am nächsten Morgen hat mir Vanessa, die Organisatorin aber gemailt, dass sie danach noch drei Kiwis gesehen haben, grrr.

Naja, hier werde ich am Ende ja mit Jochen sowieso nochmal herkommen, also kein Problem. Einen weiteren Tag zu bleiben ging in meiner Unterkunft nicht und so bin ich am Samstag weiter Richtung Norden gefahren zum hübschen Waipu River Estuary.

Hier brüten auf den Schillbänken an der Küste 2 Paare der neuseeländischen Unterart der kleinen Australseeschwalbe und damit ein Neuntel der Weltpopulation dieser höchstgefärdeten Form, die sich ausschließlich in Neuseeland aufhält. Eine Forscherin, die ich getroffen habe, konnte mir die Lenensgeschichte der hiesigen beiden Beutpaare detailliert erläutern, da ist wirklich über alle 36 Vögel der Gesamtpopulation fast alles bekannt. Trotz all des Aufwandes sind letztes Jahr nur 2 Jungvögel flügge geworden, sieht also nicht gut aus.

Ich habe aber nach einer Stunde Warten dad eine Paar schön im Soektiv gesehen und beim Jagen und Balzfüttern beobachtet.

Außerdem gab es einige Limikolen wie die allgegenwärtigen Austernfischer

und vor der Küste Hunderte von Flattersturmvögeln.

Übernachtet habe ich in einer netten und billigen Hütte auf einem Campingplatz. Die haben hier meist eine gut eingerichtete Küche, spart das Essengehen, wenn man selber kochen kann.

Gestern bin ich dann nach einer Wanderung durch einen hübschen Hügelwald mit Resten eines 250 Jahre altem Maoriforts langsam zur Westküste rübergefahren. Die Landschaft besteht aus Weiden, Hügeln und kleinen Wäldchen mit winzigen Ortschaften mit netten Cafes dazwischen.

Die Straßen sind schmal und gewunden, aber inngutem Zustand und die Neuseeländer fahren entgehen den Berichten in manchen Reports recht zivilisiert.

Ich war dann noch bei einer Australtölpelkolonie an der Küste, komplett mit Lange Anna- Kopie. Das ist eine große Touristenattraktion mit guter Besucherlenkung und krabbelte mit asiatischen Touristen.

Abends habe ich dann ohne Probleme den Mietwagen zurückgegeben und in einem günstigen aber guten Hotel in der Nähe des Flughafen eingecheckt.

Jetzt sitze ich im Flugzeug nach Christchurch auf der Südinsel, die ersten 5 Tage haben zwar erst 68 Arten gebracht, aber 21 Lifer, also hat bisher alles gut funktioniert.

Allerdings kommt morgen eine Schlechtwetterfront von Westen, mal sehen wie das wird, nachdem ich bisher Sonne und bis 25 Grad hatte.

Ein Kommentar zu „Birding im Freilandzoo

  1. Hallo Matthias, das sind ja famose Bilder vom anderen Ende der Welt. Super, dass Du uns wieder an Deinen Abenteuern teilhaben lässt. Die schwarz-roten Austernfischer sehen ja klasse aus. Meine neuseeländischen Freunde berichten mir auch immer wieder von den Anstrengungen, die in NZ zum Schutz der kläglichen Reste der einheimischen Vögel gemacht werden. Spannend.
    Dein letzter Blog endete etwas abrupt mit „Ganz hü“ …. hoffentlich bist Du nicht danach über eine Reling gefallen ;-). Oder vom Kiwi erschreckt worden…
    Viel Spaß noch und Grüße aus dem grauen und verregneten Kelkheim, wo die ersten Wachholderdrosseln in Schwärmen durch die Gärten toben, gefolgt von Schwanzmeisen.
    Barbara H.

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