In den Udzungwa Bergen

So, ich bin nach 5 h angenehmer Busfahrt in Iringa, der größeren Stadt westlich der Uzungwa Berge im Süden Tansanias angekommen, und es gießt schon seit zwei Stunden wie aus Eimern. Ich sitze auf der überdachten Terrasse meiner netten Backpacker-Unterkunft und habe endlich mal etwas Zeit zum Schreiben. Die letzten 3 Tage waren ziemlich vollgepackt.

Ich bin am Samstag von Mikumi problemlos nach Hondo Hondo, die Uzungwa Forest Lodge direkt am Rand der steil aufsteigenden Berge im Udzungwa Nationalpark gefahren. Da habe ich ein komfortables Safarizelt bezogen und habe vom Restaurant aus erstmal die toll bewaldeten Berge auf mich wirken lassen, während ich mit einem leckeren Lunch aus überbackenen Nudeln mit Gemüse und Käse verwöhnt wurde.

der Blick vom Restaurant in den Nationalpark

Der Nationalpark ist für seinen Reichtum an Primaten, mindestens 10 Arten, bekannt. Die ersten waren auch gleich da, erst ein großer Trupp gelbe Paviane auf dem Rasen vor dem Restaurant und dann in den Bäumen dahinter ein gemischter Trupp Stummelaffen. Nenen den weit verbreiteten Black-and-White Colobus auch mindestens 20 der hier endemischen Udzungwa Red Colobus. Die sind nicht rot, sondern haben nur eine rote Kappe.

Udzungwa Red Colobus

Nachdem ich im Zelt prima geschlafen hatte, habe ich morgens über eine Stunde auf den Guide gewartet, der mir von Richard empfohlen wurde. Der arbeitet seit Corona allerdings angestellt als Fahrer und hatte Einiges an Grip verloren. Wir waren zusammen im Kilombero Swamp, einem großen Sumpfgebiet südöstlich der Berge. Die Besonderheit hier sind drei endemische Vögel, die wirklich nur hier vorkommen. Allerdings 2 Cistensänger und ein Maskenweber, Nichts was einen vor Begeisterung in Ohnmacht fallen läßt. Die 3 Arten waren einfach, wenn wir für den 2. Cistensänger auch eine kleine Kanutour gebraucht haben.

Kanutour Kilombero River
Kilombero Cisticola
der endemische Kilombero-Weber
und die ebenfalls endemische White-tailed Cisticola

Bei der haben wir dann auch noch ein paar hübsche andere Arten gesehen wie den folgenden Kiebitz.

White-fronted Lapwing

Nach einer kurzen Mittagspause sind wir wieder aufgebrochen um den Magombera Forest, ein kleines Waldschutzgebiet das als Trittstein zwischen den Waldbergen im Flusstal liegt. Hier muss man wie überall in Tansania Eintritt für den Wald zahlen, auch wenn man ihn nur von außen anschaut. Das Geld kommt allerdings teilweise dem Dorf daneben zugute, das den Wald stehen läßt.

Ein paar nette Arten gab es schon von außen wie diesen hauptsächlich vegetarischen Palmengeier, der sich wirklich von Palmfrüchten ernährt.

Palmgeier

Die Hauptzielart hier ist aber die seltene Pel’s Fishing Owl, der riesige afrikanische Fischuhu. Den hatte ich zwar mit Tobi im Krügerpark in Südafrika gesehen, das war aber nur eine superkurze und unbefriedigende Flugbeoachtung zwischen zwei Inseln im Olifants River.

Hier stand vor der Chance, das residente Paar zu sehen ( klappt nicht immer, Richard und Anne haben 2022 gedippt) ein ca. 2 km langer Fußmarsch die Bahngleise entlang. Wenigstens kamen keine Züge.

der Weg zum Fischuhu

Ich habe am Ende dann ziemlich gedrängelt, weil Emanuel, der unfähige Guide, da langsam rumtrödelte und meinte es müsste erst dunkel werden. Die örtliche Waldbeauftragte hatte vorher aber gesagt, dass die Fischuhus von ihren unbekannten Schlafplätzen im Wald in der Dämmerung zum einsehbaren Flussabschnitt neben den Bahngleisen einfliegen.

Ich war dann mit der Waldhüterin grade an der 1. ersten Stelle angekommen, an der man das Flüsschen sehen konnte, als der unglaublich riesige, rotbraune und wunderschöne Fischuhu tatsächlich über das Wasser schwebte. Emanuel hat ihn natürlich verpasst. Ich habe ihn dann im letzten Licht noch einmal kurz fliegen sehen, leider ist er aber nie in Sichtweite sitzen geblieben.

Wir haben dann noch 1,5 h gewartet und mit den Taschenlampen immer mal wieder die möglichen Sitzwarten abgeleuchtet, ohne Ergebnis. Als wir grade abbrechen wollte, weil ein Gewitter aufzog, rief der örtliche Elefantenwächter, der auf dem Bahndamm patroulierte, das er den Uhu hätte. Es stellte sich raus, dass der direkt über seinen Kopf in die Felder geflogen und in einem einzelnen Baum gelandet war (warum auch immer). Wir sind dann hinter dem Wächter  auf einem megasteilen Elefantenpfad (über den gehen die nachts in die Zuckerrohrfelder, deshalb auch der Wächter) den steilen Bahndamm runtergeschlittert.  Dann so vorsichtig wie möglich in die Nähe des Baums geschlichen, Licht an und wow, da saß er !

Pel‘s Fishing Owl, der Hauptgewinn !

Das hatte sich mal richtig gelohnt und war ein Wahnsinnsabschluss für einen sonst bisher eher mittelprächtigen Tag.

Der Wächter hat natürlich ein ordentliches Trinkgeld bekommen und nachn10 min Anschauen und Fotosession haben wir den Uhu sitzen lassen und sind quer durch die Felder zur nächsten Erdstraße gelaufen, wo uns der Fahrer kurz nach Einsetzen des Gewitterregens feucht aber noch nicht klatschnass wieder einsammelte.

Wir waren zwar erst um 21:30 Uhr wieder am Camp, aber sie haben mir trotzdem noch ein leckeres Abendessen mit Suppe, gebratenem Wels mit Bratkartoffeln und Spinat und Schokokuchen aufgehoben. Zusammen mit einem Bier ein guter Ausklang eines jetzt doch hervorragenden Tages.

Nochmal Mikumi Nationalpark

Da heute ab mittags starker Regen und Gewitter angesagt waren habe ich von einem 3. Trip in den Miombo-Wald abgesehen. Stattdessen bin ich lieber nochmal für einen halben Tag mit dem selben Fahrer wie am Dienstag in den Mikumi Nationalpark gefahren. Da kamen zwar nur noch wenig neue Sachen dazu, aber die großen Herden kann man sich ja durchaus mehrmals anschauen. Und es war immerhin ein „big three day“.

Es gab zwar nicht so viele Elefanten wie Dienstag, aber ein alter Bulle, den sie wegen seiner löchrigen Ohren „Massai“ nennen, kam sehr schön nahe.

Genauso wie der Leitbulle einer kleinen Büffelherde, der uns ausgesprochen interessant fand.

alter Bulle des Kaffeenbüffels

Aufmerksam geworden durch ein paar Bäume voller Geier, bei denen auch der 1. Wollkopfgeier des Trips war, sind wir an einer Gebüschreihe entlang gefahren, bis wir die Überreste ihrer Mahlzeit gefunden haben.

Weißrückengeier
Die Reste eines Gnus

Und dann hat der Fahrer mit extremscharfen Augen tatsächlich den Verursacher des Risses gefunden. Leider ziemlich weit weg, aber mit dem Fernglas gut zu sehen. Ein junges Löwenmännchen.

junges Löwenmännchen

Das lief dann allerdings bald wieder in Deckung und ließ sich auch von mehreren illegal offroad fahrenden Toyotas nicht mehr herausscheuchen.

Ansonsten gab es ähnliche Vögel wie beim letzten Mal, große Schwärme pälearktischer Zugvögel wie Weißstorch, Rotflügelbrachschwalbe und Rauchschwalbe, viele Blauracken und genausoviele der hübschen Gabelracken.

Gabelracke

Zwischen den Weißstörchen spazierte immer mal wieder ein Wollhalsstorch und auch sonst gab es genug anzuschauen.

Wollhalsstorch

Ein spätes Highlight war dann noch ein Paar des Gauklers in der Nähe des Parkausgangs.

Gaukler

Und bevor die Gewitter mit sintflutartigen Regengüssen losgingen, waren wir wieder in der Lodge im Trocken. Schön, wenn ein Plan aufgeht und so hatte ich genügend Zeit, meine weiteren Schritte zu planen. Das sieht allmählich auch günstiger aus, ich werde berichten.

Birding im Miombo

Nördlich vom Ort Mikumi führt eine Straße am Westrand des Mikumi Nationalpark nach Norden durch den Miombo-Wald.Das ist eine spezielle Waldgesellschaft mit einer ebenfalls speziellen Avifauna, an der ich bisher nur im Nordosten Südafrikas und im Osten Namibias etwas gekratzt hatte Es ist allerdings nicht ganz trivial, da hinzukommen, wenn man nicht einen ganzen Tag ein sündhaft teures Auto mieten möchte. Es geht zwar auch mit dem Motorradtaxi, 8 € anstelle von ca. 100, aber dafür bei der 20 km langen, meist holperigen Erdstraße auch deutlich unbequemer.

Gestern haben die Leute vom Hotel darauf bestanden, dass ich einen lokalen Guide mitnehme, weil entlang von der Straße auch ein militärisches Sperrgebiet liegt, in das man sich möglichst nicht verirren sollte. Zu dritt auf dem Motorrad hat es auch nicht grade bequemer gemacht. Timothy, der Guide, war nett, aber als Birdguide klar ganz mal Anfang seiner Karriere.

mit Guide unterwegs

Immerhin hatte er ein Fernglas und ein Vogelbuch, da hörte es aber ziemlich auf. Naja, er hat an dem Tag sicher etwas dazu gelernt.

Heute war ich dann alleine unterwegs, dafür gleich erstmal mit einem gerissenen Kupplungszug am Motorrad. Zum Glück ammOrtsausgang, wo das sofort in 10 min für kleines Geld repariert wird.

Schnellreparatur am Sttaßenrand

Der Wald sieht erstmal aus wie eine dichte Baumsavanne mit einer allerdings sehr hohen Baumartenvielfalt und im ungestörten Zustand auch einigen großen, alten Bäumen.

Miombowald innerhalb des Parks

Auf der Ostseite der Straße innerhalb des Nationalparks ist der Wald auch tatsächlich ungestört, während  im Westen der Straße nach einem schmalen Waldgürtel Rodungen und Felder liegen. Auch in dem Waldstreifen sind viele Baumstümpfe und alte Holzkohlemeiler, die zeigen, dass der Wald da wahrscheinlich nicht mehr lange stehen wird.

und außerhalb der Parkgrenze
Der Blick nach Norden die Sttraße entlang

Zum Birden war es tatsächlich am Besten, auf der Straße zu bleiben, bis man in der Nähe einen Vogelschwarm gehört hat. Die schwärme sind hiermit sowohl in der Mittelschicht als auch in den Baumkronen relativ langsam unterwegs, so dass man tatsächlich die Chance hat, aus jedem Schwarm ein paar Arten zu bestimmen. Westlich der Straße konnte man auch etwas in den Wald hinterher laufen, das habe ich innerhalb des Parks meist lieber gelassen.

Die Vögel sind allerdings meist weit oben, gegen den Himmel oder im dichten Blattwerk und wenig fotogen. Eine angenehme Ausnahme war da die Spatelracke, die für mich 13. und letzte de Racke der Welt, hinter der ich schon länger her war.

Spatelracke

Leider waren jetzt nach der Brutzeit die charakteristischen verlängerten äußeren Schwanzfedern mit den Verbreiterungen am Ende offenbar gemausert oder abgebrochen.

nochmal von vorne

Das war die Hauptzielart des Trips und ein schöner Erfolg. Auch das Arnaut‘s Chat, ein Schmätzer der ebenfalls ausschließlich im Miombowald vorkommt und hier wie ein Kleiber an den Baumstämmen rumklettert, at zumindest ein paar Belegbilder zugelassen.

Arnaud‘s Chat

Insgesamt kam hier einiges an Arten dazu, neun Lifer und viele weitere Arten, die ich hier erst zum 2. Mal gesehen habe.

Ansonsten gab es entlang der Straße Massen von Schmetterlingen, die manchmal sogar posierten.

Citrus-Schwalbenschwanz ( von Elias bestimmt)

Trotz der etwas anstrengenden An- und Abfahrt also eine ausgesprochen lohnende Stelle.

Mikumi NP und Umgebung

Ich bin Montag morgen mit einem Uber-ähnlichen Taxi in den Süden von Daressalam gefahren und von da mit einem ziemlich bequemen Luxusbus 7 h nach Südwesten nach Mikumi gefahren. Das sind zwar nur 420 km, aber es geht über die Hauptverkehrsstraße in die Bergbaugebiete von Sambia, und die ist nur 2-spurig und notorisch voller langsamer LKW. Der Busfahrer hat aber nicht allzu risikoreich überholt.

Das war die Pause in Morogoro, der größten Stadt auf dem Weg. Auf den Bergen im Hintergrund sind einige seltene Endemiten, das heißt, da werde ich in ein paar Wochen raufkraxeln müssen.

In Mikumi habe ich in einer sehr schönen Lodge mit Pool und gutem Restaurant ein Zimmer genommen, das sogar bezahlbar ist.

Gestern morgen bin ich dann mit einer gebuchten Safari den ganzen Tag im Mikumi Nationalpark gewesen. Einen schönen Landrover mit nettem Fahrer ganz für mich alleine, und das für 11 h. Das war mit 240 US $ incl. Parkeintritt und Lunchpaket eigentlich sehr erschwinglich.

Der Parkeingang Mikumi NP

Der ziemlich große Nationalpark liegt in einer breiten Ebene zwischen zwei Gebirgszügen und besteht aus Baumsavanne mit großen Grasflächen dazwischen. Birden vom Auto aus ist zwar nie so toll, wenn man Kleinvögel sucht und nicht aussteigen darf. Aber das Safari-Feeling kam sofort wegen dem Großwild auf.

Gnus mit jungen Kälbern
Steppenzebra

Und ein paar Dickhäuter gab es auch.

der hier war sogar richtig nah !

Es war zwar nicht die Serengeti und die Großkatzen haben sich auch nicht gezeigt, aber knapp 50 Elefanten, ca. 800 Kaffernbüffel, 100 Giraffen und 80 Elenantilopen waren trotzdem sehr eindrucksvoll.

Vögel gab es natürlich auch, insgesamt 62 Arten, wenn auch nur 1 neue für mich dabei war.

die hier häufige Schwarzbauchtrappe

Es waren zwar hauptsächlich weit verbreitete Savannenarten, die aber trotzdem hübsch anzuschauen waren.

Long-tailed Fiscal, ein Würger

Viel weniger häufig, aber spektakulär waren die Reptilen.

mögliche Schwarze Mamba ?

Zum Beispiel diese Schlange, die absolut furchtlos mitten auf der Straße lag. Der Fahrer war fest davon überzeugt, dass es eine Schwarze Mamba ist, und ist einen Riesenbogen drumherum gefahren, weil die angeblich sogar Autos angreifen.

ca. 2 m langer Steppenwaran

Auch dieser sehr große Waran, der in der Steppe nach Beute suchte, läßt sich sicher bestimmen.

Bei der Mittagspause begann es über den Bergen im Westen zu donnern, und kurz darauf ging der Regen los.

kurz vor dem Gewitterregen

Da das Auto selbst mit anknöpfbaren Seitenplanen nach vorne offen ist, haben wir die Mittagspause um 1 h Siesta im Regen erweitert. Danach waren die Lehmstraßen allerdings extrem tückisch zu befahren, wir haben einen Landcruiser gesehen, der sich bis zu den Bodenblechen eingegraben hatte. Da haben grade die Parkranger mit 2 Fahrzeugen versucht, den wieder rauszubekommen.

schau mir in die Augen

Nach dem Regen war die Savanne voller Vögel, aber außer ein pasr Amurfalken und einem hübschen Grey Kestrel, einem weiteren Falken, von dem mir grade der deutsche Name nicht einfällt, gab es nicht mehr viel Neues. Auf jeden Fall ein äußerst gelungener erster Safaritag.

Ein Tag im Küstenwald

Nachdem ich den Samstag mit Richard mit Planen und Organisieren zugebracht habe waren wir gestern den ganzen Tag mit Anne und dem Landcruiser in verschiedenen kleinen Resten des Küstenwaldes nördlich von Daressalaam unterwegs. Zuerst in Waldstückchen auf dem Gelände der Universität, wo Richard 2 Arten, die mir noch fehlten, schon gesehen hatte. Leider hat das nicht geklappt, aber zumindest ein Paar des Milchuhus mit Jungvogel haben wir toll gesehen.

Milchuhu beim Rufen

Die sind zwar in Afrika weit verbreitet, aber immer wieder hübsch mit den rosa Augenliedern.

Danach waren wir in einem kleinen Waldschutzgebiet etwas weiter nördlich.

Küstenwald

Leider war es 10 Uhr, bis wir im Wald waren und kochendheiß, an größere Vogelaktivität war also nicht mehr zu denken. Immerhin habe ich nach ausdauerndem Einsatz der Klangattrappe den Green Tinkerbird gefunden, eine Charakterart dieses Waldtyps und neu für mich. Die Kamera hat leider immer auf den Ast davor scharf gestellt, deswegen gibt es nur schlechte Belegbilder.

Green Tinkerbird

Ansonsten gab es im Wald kaum Vögel, nur ein paar Eisvögel an einem Tümpel wie diesen Graufischer.

Auch die erhofften Chamäleons haben sich nicht gezeigt, einzige Vertreter der Herpetofauna waren eine Baumnatter, die Anne am Wegrand aufgescheucht hat, als sie grade einen Frosch anpirschte.

Dem hat sie damit wohl das Leben gerettet.

Gegen 15 Uhr haben wir aufgegeben und lieber auf dem Rückweg noch ein paar Feuchtgebiete an der Küste angeschaut. Highlights hier waren Allen‘s Gallinule, Glockenreiher und Palmgeier.

sAbends waren wir wieder am Meer lecker Essen und sind früh ins Bett gefallen.

Wieder in Afrika

So, es geht mal wieder los. Nach einem sehr angenehmen Flug mit Ethiopian Airlines bin ich grade in Addis Abeba zwischengelandet. Der Flughafen von Addis hat sich seit meinem letzten Besuch um 1000 % zum besseren gewandelt und ist modern und angenehm geworden. Gleich geht mein Anschlussflug nach Daressalaam in Tansania.

So, ich bin gestern angenehmerweise von einem Fahrer vom Flughafen abgeholt worden, den meine Freunde mir geschickt hatten. Der Verkehr in Daressalam ist fürchterlich, da wäre ich nur ungerne selber gefahren oder hätte mich auf öffentliche Verkehrsmittel verlassen.

Bei Richard und Anne zuhause war es nett, ich hatte Richard 6 Jahre nicht mehr gesehen, und Anne 10 Jahre. Ihr Appartement liegt schön in der Nähe des Strandes, leider wird die Umgebung grade zugebaut.

Blick aus dem Fenster

Wir sind abends noch zu einem kleinen Feuchtgebiet in der Nähe gefahren und haben nach dem endemischen Ruvu Weber gesucht. Das hat auch gut geklappt, nachdem wir erst massig andere goldgelbe Weber im Schilf an den Grabenrändern gesehen hatten.

Ruvu Weaver

Hübsch waren auch mindesten 160 Bienenfresser aus zwei Arten, Nördlicher Karminspint und Blauwangenspint, die da zum Übernachten gelandet sind.

Leider war es schon etwas zu dunkel für vernünftige Fotos, aber mehr als 40 Blauwangenspinte auf einer Leitung nebeneinander hatte ich auch noch nie gesehen.

Wir haben den Abend dann mit einem leckeren Fischcurry in einem Restaurant am Strand ausklingen lassen. Bei 31 Grad und leichter Meeresbrise ein ziemlicher Kontrast zu Kelkheim.

Im Texas Hill-Country

Für die letzten vier Tage habe ich nochmal eine ordentliche Fahrt nach Westen unternommen, in die Hügellandschaft westlich von San Antonio. Dies ist der südliche Teil des Edwards-Plateaus, einer Landschaft aus Kalkhügeln und Canyons, eher untypisch für das eigentlich flache Texas. Diese Gegend ist das Brutgebiet des extrem hübschen Goldwangen-Waldsängers, eines echten Texas-Endemiten, der ausschließlich hier brütet. Die lokalen Brutvögel überwintern zwar in Mittelamerika, da werden sie aber nur sehr selten gesehen. Und mir ist er da jedenfalls noch nicht begegnet.

Als kurze Erklärung für die Nichtornis, die amerikanischen Waldsänger besetzten hier als Insektenfresser die Nische, die in der Alten Welt von den Laubsängern genutzt wird. Im Gegensatz zu den häufig recht schlicht gefärbten Laubsängern sind die meisten der ca. 120 Waldsängerarten teilweise unglaublich bunt. Von den in den USA und Kanada brütenden, nördlichen Arten habe ich den größten Teil in Süd- und Mittelamerika und der Karibik in den Winterquartieren gesehen, den Goldwangen-Waldsänger aber, wie oben erwähnt, nicht.

Ich hatte mir die Art als letztes Ziel übrig gelassen, obwohl ich ja schon mal hier in der Nähe war, weil sie erst ab der 2. Märzwoche wieder in ihren Brutgebieten eintreffen. Als ich in Austin war, waren sie also noch nicht hier.

Die Gegend westlich von San Antonio, der  zweitgrößten Stadt in Texas, ist absolut leer und landschaftlich erfreulich. Kleine Sträßchen schlängeln sich durch die bewaldeten Hügel und man muss sich ml wieder ans Kurvenfahren gewöhnen.

Die Ortschaften hier sind winzig und bestehen häufig nur aus ein paar Ranches und einem Postamt.

Stadtzentrum von Utopia

Das erklärte auch, warum es bei Booking.com unmöglich und bei AirBnB schwierig war, in der Nähe des Lost Maples State Natural Area, des Schutzgebiets wo ich hin wollte, eine Unterkunft zu finden. Schließlich hatte ich doch Glück, wieder mit einem Wohnwagen. Diesmal allerdings mit einem absoluten Luxusmodell. Der Wagen steht im Wacholderwald auf einer großen Ranch auf der Tomahawk-Ridge südwestlich des Kaffs Utopia.

Meine Unterkunft für die letzten 4 Nächte

Ben, der nette Vermieter,wohnt auch auf dem Grundstück, aber so weit weg, dass er mit dem Quad herfahren muss. Von hier ist es noch 30 min Fahrt nach Lost Maples, näher ging nicht.

Lost Maples ist wie alle Schutzgebiete in Texas, in denen ich bisher war, gut organisiert mit schönen Trails und guten Informationen am Headquarter, wo man die 6 Dollar Eintritt bezahlt.

Wacholderwald in Lost Maples

Der aussichtsreichste Trail laut den Rangern läuft durch einen schmalen Canyon mit einem Bach durch den Mischwald aus Eichen, Ahorn und Wacholder (die sie hier Cedar nennen), mit einem Unterwuchs aus teilweise sehr schön blühenden Büschen.

Blühender Mountain-Laurel
hübsch, aber giftig
Sabinal River im Canyon
sieht fast aus wie Kirschblüte in Japan

Vögel gab es jede Menge, und nach einer Stunde habe ich auch den ersten Goldwangen-Waldsänger gehört. Soweit, so gut. Am Ende waren es tatsächlich mindestens 7 singende Männchen, die über eine Strecke von 500 m im dichten Wacholderwald an der Steilwand östlich des Canyons verteilt waren. Ich habe es dann für 5 Stunden versucht, einen davon zu sehen, was sich als absolut unmöglich herausstellte. Gegen 14 Uhr wurde es zu heiß und die Gesangsaktivität hat so stark nachgelassen, dass ich frustriert aufgegeben habe.

Bei einer kurzen Mittagspause am Parkplatz habe ich einen örtlichen Birder interviewt, der meinte, solange die Eichen noch unbelaubt sind und die Vögel grade erst angekommen ist es schwierig, sie zu sehen. Ach wirklich ? Ich sollte den westlichen Trail mal versuchen, da sind die Bäume teilweise niedriger und näher am Weg. Es war zwar immer noch heiß, ich bin aber nochmal los gezogen, und habe nach knapp einer Viertelstunde tatsächlich einen weiteren singenden Vogel gefunden. Nach kurzem Abspielen der Klangattrappe ( hier eigentlich nicht erlaubt) saß er dann auf einmal für 3 Sekunden vollkommen frei oben in einem großen Wacholder. Wow, was für eine Erleichterung, wenn es auch nicht für ein Foto gereicht hat. Aber nach den ewigen Versuchen heute morgen war der Erfolg jetzt doppelt schön !

Am Mittwoch habe ich dann auf dem selben Trail insgesamt mindestens 10 Männchen gehört und eins auch mal niedrig und leider teilweise verdeckt in einem Wacholderbusch  fotografiert. Zumindest sieht man die goldenen Wangen.

Leider etwas verdeckt und unscharf

Es hilft auch nicht, dass die Vögel unglaublich hektisch sind, und kaum mal eine Sekunde still sitzen. Heute am 3. Tag in der Gegend habe ich von 12 singenden Männchen immerhin vier gesehen, entweder ich habe es jetzt besser raus, oder es wird einfacher.

Goldwangen-Waldsänger

Auch wenn es immer noch nicht zu schönen Bilder gereicht hat, hatte ich zumindest auch mal einen kurz frei in einer Baumkrone sitzen.

Ansonsten gab es auch noch ein paar hübsche Vögel, aber fotographisch  in dem Wald nicht viel zu holen.

Weißaugen-Vireo

Dafür gab es bei der Mittagshitze an den Bächen manchmal die Möglichkeit, einen der sonst extrem scheuen, großen Schwalbenschwänze bei der Mineralienaufnahme zu erwischen.

Sieht fast aus wie unser Schwalbenschwanz

In den Bächen habe ich auch mehrfach den hübschen und endemische Guadaloupe-Barsch gesehen, den Nationalfisch von Texas. An den Canyonwänden gab es ein paar sehr schnelle Strumpfbandnattern und etwas entspantere Eidechsen.

Insgesamt war es eine gute Idee, die letzten Tage des Trips hier im Westen zu verbringen, auch wenn das morgen eine fünfstündige Fahrt zum Flughafen bedeutet.

Damit war dies der letzte Beitrag für diese Reise, ich bedanke mich fürs Lesen und tschüss bis zum nächsten Trip.

Auf der Bolivar Halbinsel

Die schmale Bolivar-Halbinsel zieht sich über 43 km paralell zur Golfküste vom Birding-Mekka High Island bis fast zur häßlichen Hafenstadt Galveston südlich von Houston. Da gibt es eine Fährverbindung und von der Spitze der Halbinsel sieht man die Öltanker, die auf dem Weg zu den Raffinerien Galvestons sind.

Tanker auf dem Weg von oder nach Galveston

Die teilweise weniger als 1 km breite Landzunge ist teilweise als Urlaubsort bebaut, aber wesentlich dezenter als South Padre Island weiter südlich.

Das mag aber auch daran liegen, dass die Bolivar Halbinsel 2008 von Hurrikan Ike in 10 Stunden praktisch vollkommen abgeräumt und zwei Drittel aller Gebäude vollständig zerstört wurden.

Möglicherweise hat man danach einfach vorsichtiger wieder aufgebaut. Die Häuser stehen jedenfalls praktisch alle auf Stelzen.

Ob das gegen die 6 m Wellen von Ike geholfen hätte, wo der Wasserspiegel sowieso schon 4 m über dem Boden stand, wage ich zu bezweifeln.

An der Spitze der Halbinsel im Westen liegt am Ende eines endlosen Sandstrandes das Bolivar Flats Shorebird Sanctuary.

Hier endet der mit Autos befahrbare Strand, was bedeutet, das man hier als Orni fast alleine ist. Die vielen fetten Amis und vor allem die noch viel fetteren Hispanos, die den Strand ansonsten nutzen, entfernen sich nur ungern weiter als ein paar Meter von ihren Monsterpickups.

Auch wenn ich bei meinen drei Besuchen hier nie den perfekten Zeitpunkt des späten auflaufenden Wassers getroffen habe, ist der Reichtum an Limikolen und sonstigen Wasservögeln extrem beeindruckend.

Besonders nett ist die sehr hohe Dichte von Fischadlern, über die man praktisch überall auf der Halbinsel stolpert.

Aber eigentlich geht es ja um Limis. An den Stränden wuseln zwischen Hunderten von Sanderlingen und Alpenstrandläufern auch immer wieder kleine Gruppen von Flötenregenpfeiffern herum. Den hatte ich zwar in South Padre gesehen, hier aber wesentlich mehr Exemplare und deutlich bessere Beobachtungen.

Flötenregenpfeiffer

Außerdem auch immer wieder Kiebitzregenpfeiffer, Schlammtreter und einzelne Rostbrachvögel.

Long- billed Curlew mit Sanderling

Aber das richtige Spektakel ging erst in den Lagunen am Ende der Halbinsel los. Als ich zum 1. Mal an der Stelle war, fischten da 630 Nashornpelikane in einem Trupp im flachen Wasser und um sie herum fingen über 6000 Braunkopf-Säbelschnäbler die aufgescheuchten Kleintiere. Leider etwas zu weit weg für vernünftige Fotos.

Die Säbelschnäbler waren gestern etwas näher, wenn auch nur ca. 2500.

Braunkopf-Säbelschnäbler, Schmuckreiher und Bergstrandläufer im Vordergrund.
Da sind noch ein paar Schlammtreter und Große Gelbschenkel dabei
Wimmelbild nach Attacke durch eine Hudsonweihe

Auch sehr cool sind die großen Trupps von Amerikanische Scherenschnäbeln. Das sind die Seeschwalbenverwandten mit den asymetrischen Schnäbeln, die flach über die Wasseroberfläche fliegen und diese mit dem langen Unterschnabel durchpflügen. Wenn sie dabei gegen ein Fischchen stoßen, klappt der Oberschnabelmherunter und die Mahlzeit ist gefangen.

Aztekenmöwe und Marmorschnepfe vor den Scherenschnäbel
Trupp von insgesamt 700
Landeanflug von vorne

Insgesamt eine extrem nette Stelle zum Beobachten und wegen des Seewindes außerdem praktisch mückenfrei.

Das konnte man von High Island nicht behaupten. Dieses kleine Dörfchen auf einer etwas höher gelegenen Insel im Marschland ist der vielleicht berühmteste Zugvogel-Hotspot in Texas, wenn nicht in den gesamten USA. Hier finden die, nach dem Flug über den Golf von Mexico erschöpften, Singvögel die ersten Bäume in kleinen Wäldchen, in denen sie Nahrung und Schutz finden.

Canopy Walkway, Smith Wood, High Island

In vier Wochen drängeln sich hier die Waldsänger, Ammern, Kuckucke und sonstigen Zugvögel, bestaunt von teilweise Hunderten von Ornis und Fotografen. Jetzt, vier Wochen zu früh, waren die Wäldchen praktisch vogelleer, dafür voll von Millionen von Moskitos. Nachdem ich nach kurzer Suche die hier für mich neuen und damit wichtigen Rote Spottdrosseln gefunden hatte, habe ich die ungastlichen Wälder schnell wieder verlassen.

Im Marschland der Golfküste

Ich bin seit Dienstag in den großen Marsch- und Sumpfgebieten an der Küste des Golfs von Mexico. Das ist nur eine halbe Stunde südöstlich von Houston, aber eine vollkommen andere Welt. Kleine Ortschaften mit viel Platz dazwischen, kleine Sträßchen und ein gemächlicher Lebensstil. Man hat den Eindruck, die Hauptbeschäftigung der Leute hier ist das Mähen der riesigen Rasenflächen rund um ihre kleinen Häuschen. Das geht nur mit kleinen Mähtraktoren, mit dem Rasenmäher könnte man das nie bewältigen.

Ich habe, weil hier einige gute Gebiete in der Nähe liegen, im kleinen Ort  Anahuac eine Unterkunft für 6 Nächte gefunden.

Chambers Inn, Anahuac

Das Chambers Inn war wohl mal eine Pension, wird jetzt aber von einer netten, älteren Dame als AirBnB bewirtschaftet. Ich bin der einzige Gast und habe die ganze obere Etage für mich alleine, 5 Zimmer, 2 Bäder, Küche, Waschmaschine und Gartennutzung. Und für 60 € pro Nacht auch noch billiger als die blöden Motels. Meine nette Gastgeberin kommt ursprünglich von den Philippinen und war begeistert, als ich von meiner dreimonatigen Tour dort berichtete. Seitdem versorgt sie mich mit leckeren Gerichten aus ihrer Heimat, deutlich besser als Alles, was ich dort gegessen habe. Bisher bin ich trotz der gut eingerichteten Küche nicht zum Kochen gekommen, weil ich so gut versorgt werde.

Ein paar Meilen südlich des Ortes ist das Anahuac National Wildlife Refuge, ein großes Schutzgebiet aus Sümpfen, Lagunen, Salzwiesen und Weiden, was sich bis zur Trinity Bay, einer großen Bucht an der Golfküste erstreckt. Hier kann man sowohl gut wandern als auch mehrere gute Beobachtungstouren mit dem Auto entlangfahren.

Eine dieser Touren führt ca. 4 km um den Shoveller Pond ( Löffelenten-Teich) der seinen Namen durchaus zu recht trägt.

Shoveller Pond im Abendlicht

Es gibt aber auch jede Menge andere Vögel zu sehen.

Black-belled Whistling-Duck
Schneesichler
Rosalöffler im letzten Licht
Schmuckreiher bei der Jagd
Davor möchte man kein Frosch sein !
Gürtelfischer auf durchlöcherter Sitzwarte

Aber bei den momentan doch sehr warmen Temperaturen sind auch die Reptilien ziemlich aktiv. Überall schwimmen und rasten Missisipi-Aligatoren.

Und manche sind ordentliche Brummer

Angeblich kann man aus dem Abstand zwischen Auge uns Schnauzenspitze in Inch die Gesamtlänge des Tieres in Fuß ausrechnen, aber wie will man das messen ? Der Bursche oben war auf jeden Fall deutlich über 3 m lang.

Aber bei meiner ersten Rundfahrt habe ich auf dem Weg auch drei giftige Wassermokkasin-Vipern gefunden.

Wassermokassin, auf englisch „Cottonmouth“

Die erste wollte mich nicht vorbei lassen und drohte ausgiebig mit weit aufgerissenem Maul. Am Ende bin ich vorsichtig drübergefahren, danach war sie zusammen gerollt und ganz verblüfft, was da grade passiert ist.

Eine deutlich längere haben mir leider zwei Ranger verscheucht, die da in ihrem Monsterpickup zu schnell vorbeigebraust sind.

Das Marschland bleibt wohl auch nur so offen, weil es häufiger mal abgebrannt wird.

Grasfeuer in der Ferne

In den dann offenen Bereichen kommen dann neue Gräser, aber auch ein paar hübsche Blumen.

Das Highlight kam dann gestern Abend, als ich an einem See auf den Ausflug der Nachtreiher aus den Schilfgebieten gewartet habe. Da stand auf einmal ein Rotluchs in der Wiese direkt vor mir, wie hingebeamt. Blöderweise war meine Kamera grade vollkommen verstellt und die Beobachtung war nur 2 min lang Deswegen ist das Bildmaterial leider nicht so gut, wie es in der Situation hätte sein müssen.

Rotluchs

Da werde ich mich heute Abend sicher nochmal ansetzen und es nochmal versuchen, trotz der Massen von Riesenmoskitos.

Spechtsuche in den Kiefernwäldern

Vom Präriehuhnschutzgebiet bin ich am 3. März am späten Vormittag in Richtung Houston abgefahren, nachdem ich morgens nochmal versucht habe, einen weiteren Präriepieper für ein Foto zu finden. Das hat leider nicht geklappt.

Der Moloch Houston ist wirklich fürchterlich, dagegen sind die schlimmsten Ecken des Rhein-Main- oder Ruhrgebiets noch Paradiese. Von den 8- oder 10-spurigen Highways aus sieht man nur eine unendliche Betonwüste aus grottenhäßlichen Gewerbegebieten, wo mit Millionen Tonnen Beton großräumig die Landschaft versiegelt wurde.

Meine Unterkunft war am Nordrand dieser Megacity und lag schon in den Kiefernwäldern auf Sandboden, die hier der typische Vegetationstyp sind. Wie lange das noch Wald sein wird, ist aber unklar, jedenfalls ist die Gegend schon parzelliert und mit größeren Straßen erschlossen, die nichts Gutes ahnen lassen.

Für die Suche nach dem seltenen Kokardenspecht, der ausschließlich in diesen sandigen Kiefernwäldern entlang der Küste zwischen hier und Florida vorkommt, musste ich dann am frühen Nachmittag wieder ein Stück Richtung City fahren.

Der W. G. Jones State Forest ist ein geschütztes Waldgebiet am Stadtrand, das zumindest teilweise nach den Habitatansprüchen des Spechtes gemanagt wird. Das heißt durch Mulchen und kontrolliertes Abbrennen des Buschwerks zwischen den großen, ziemlich feuerresistenten Kiefern entsteht eine Art lichte Baumsavanne.

Lebensraum des Kokardenspechtes
Mit Aufklärungsschild

Wenn man das nicht macht und der Boden unter den Bäumen zuwächst, verschwindet der Specht.

Das sieht dann so aus

In den geeigneten Waldbereichen gibt es Kluster von künstlichen Nisthöhlen mit Prädatorenschutz an manchen Bäumen. Die Kokardenspechte hacken dann rund um die Höhle noch Löcher in die Rinde, aus denen Harz ausläuft. Das hindert angeblich die Rattenschlangen daran, zur Nisthöhle zu klettern und die Jungen zu fressen.

Künstliche Nisthöhle für den Kokardenspecht

Leider liegt der Waldbereich mit den meisten halbwegs zeitnahen Nachweisen in der Nähe einer viel befahrenen, fünfspurigen “ Landstraße“, so das es nicht ganz einfach ist, hier überhaupt Vögel zu hören. Und die allerschönsten Beobachhtungsbedingungen sind das natürlich auch nicht. Aber diese lichten Kiefernwälder sind wirklich schön.

Ich hatte für den Nachmittag meines Ankunftstages eigentlich nur eine Erkundungstour geplant, damit ich am nächsten Morgen nicht lange Suchen muss. Umso erstaunter war ich, als ich praktisch sofort auf zwei toten Kiefern ein Paar des extrem hübschen Rotkopfspechtes gefunden habe. Der war auch eine Zielart, nur wusste ich nicht, dass der hier so einfach ist.

Rotkopfspecht

Die Art ist ein Spezialist für abgestorben Bäume innerhalb des Waldes, an denen sie zwar auch hackt und trommelt, aber die sie auch als Ansitzwarten für eine sehr geschickte Flugjagd auf fliegende Insekten nutzt. Das habe ich auch mehrfach gesehen, sieht merkwürdig aus, den Specht wie einen großen Fliegenschnäpper hinter einem Schmetterling her sausen zu sehen.

Und als nächstes habe ich tatsächlich in einem kleinen gemischten Vogeltrupp nicht nur 9 der winzigen Braunkopfkleiber sondern auch mindestens 3 Kokardenspechte gefunden. Leider in den Kronen der allerhöchsten Kiefern. An ein Foto von den Kleibern war nicht zu denken, und auch vom Kokardenspecht ist nur ein schlechtes Belegbild rausgekommen.

Kokardenspecht

Naja, Hauptsache gut gesehen. Damit haben die drei hier möglichen, neuen Arten auf Anhieb geklappt. Das war allerdings auch Glück, weil ich am nächsten Tag zwar problemlos die beiden Rotkopfspechte wiedergefunden habe, dazu zwei weitere Spechtarten und mit viel Mühe auch nochmal die Kleiber. Vom Kokardenspecht aber keine Spur. Ich habe es dann nachmittags noch im sehr großen Sam Houston State Forest nordöstlich meiner Unterkunft versucht. Hier führen kleine Sträßchen durch riesige Kiefernwälder und das Beobachten ist wesentlich angenehmer. Nur die Spechte habe ich nicht gefunden.

Also gut, das ich am Sonntag schon Glück hatte.