Nachdem wir schon vorgestern Abend in der Bucht von Dunedin an der Ostküste der Südinsel angekommen sind, haben wir eine letzte Nacht auf dem Schiff verbracht. Gestern morgen sind wir dann auf dem Weg in den Hafen an der einzigen Festlandskolonie des nördlichen Königsalbatrosses vorbeigefahren. Danach mussten wir wieder durch den Zoll, da wir ja zwischendurch in australischen Gewässern waren. Danach haben wir uns von Tom, der nach Hause fliegt und den restlichen Mitfahrern sowie den Guides und Judd, dem genialen Expeditionsleiter, verabschiedet und sind zum Flughafen gefahren. Da haben wir dann rasch unseren Mietwagen abgeholt und sind Richtung Fjordland Nationalpark gefahren. Wir sind gut durchgekommen, wenn Jochen sich auch zuerst wegen des Linksverkehrs sehr am Straßenrand entlanggetastet hat.Wir haben dann leider im Regen unsere Zelte im einzigen bewitschafteten Campingplatz des Nationalparks aufgeschlagen und sind dann sofort weiter zum ca. 1000 m hochgelegenen Homer-Tunnel gefahren. Auf dem Weg haben wir problemlos den Kea für Jochen


und die eigentlich schwierige Hochgebirgsente ( Blue Duck oder Saumschnabelente), die vorwiegend schnelle Gebirgsbäche besiedelt, am Monkey Creek gefunden. Das ging einfacher als erwartet. In der phantastischen Hochgebirgskulisse am Tunnel haben wir dann leider wieder im Regen nach dem South Island Rock-Wren, dem einzigen echten Hochgebirgsvogel Neuseelands gesucht. Der heißt übrigens auf deutsch Felsschlüpfer, dämlicher Name, da würde ich mir eher die Unterhose eines Trollweibchens drunter vorstellen.Der Vogel ist immer schwierig und und bei Regen ganz besonders. Er lebt in großen Blockschutthalden zwischen den Steinen und in der Zwergstrauchvegetation dazwischen. Umso verblüffter war ich, als direkt am Anfang des Weges am Tunnel auf mein erstes kurzes Anspielen der Stimme einer aus der Vegetation heraus auf einen großen Felsbrocken flog. Ich habe hektisch versucht, Jochen den Standort zu erklären statt lieber erstmal selbst mit dem Fernglas hinzuschauen. Das Resultat war vorraussehbar, der Vogel flog blitzschnell ab, Jochen hat nur eine Bewegung gesehen und ich habe ihn ohne Fernglas auch nicht tickable gesehen, sehr blöd gelaufen. Aber zumindest wissen wir wir jetzt, dass er da ist, auch wenn er bis 20 Uhr nicht mehr aufgetaucht ist. Auf dem Campingplatz haben wir dann noch eine große Portion Nudeln mit Tomatensoße gekocht und verschlungen. Die Küche war allerdings ziemlich klein und voll, so dass wir uns bald in die feuchten Zelte verzogen haben. Zumindest für mich war das eine ziemlich ungemütliche Nacht, auch wenn es irgendwann zu regnen aufhörte.Morgens ein schnelles Frühstück und dann sind wir wieder zum Tunnel hochgefahren, diemal allerdings bei schönem Sonnenschein, was für ein Glück. Das Bergpanorama mit verschneiten Gipfeln und Dutzenden von Wasserfällen an den steilen Felsflanken ist wirklich genial.


Als sich nach einer dreiviertel Stunde in dem Revier am Anfang des Weges nichts rührte, sind wir langsam den Weg etwas weiter den Berg hoch gelaufen.

Jochen war schon vorgegangen und außer Sicht, als ich plötzlich eine Bewegung zwischen zwei Felsen wahrgenommen habe. Und tatsächlich, kurz danach saß der Rock-Wren frei vor mir auf einem Felsblock und sieht mit den langen Beinen und den winzigen Schwanz wirklich aus wie eine Miniaturpitta. Jochen hat mein Rufen glücklicherweise gleich gehört, und ihn auch noch gut gesehen, bevor er bergauf in den Steinen verschwand. Kurz darauf tauchte er aber mit Nistbaumaterial wieder auf und verschwand in einem Loch an der Seite eines großen Felsens. Da kam dann auch noch ein zweiter dazu, damit haben wir wohl ein Brutpaar beim Nestbau gefunden, genial. Auch wenn wir sie mehrfach gut gesehen haben, habe ich wegen der hektischen Bewegungen kein einziges Bild hinbekommen. Anders bei Jochen, der mit mehr Können und schnellem Autofokus zumindest ein gutes Bild geschossen hat, siehe unten.

Absolut megagenial !
Damit haben wir hier alles gesehen, und haben auf dem Rückweg noch einmal am Monkey Creek haltgemacht. Hier haben wir die Ente nochmal gefunden, diesmal bei Sonnenschein. Sie ist im Wasser beim Fressen in den Bächen relativ leicht zu übersehen.
Wenn sie am Ufer rastet dafür etwas einfacher.
Schließlich waren wir noch in den wunderschönen, moosüberwucherten Südbuchenwäldern am Lake Gunn und sind dann in Richtung Twizel abgefahren.
Da haben wir uns im erneut strömenden Regen auf dem gleichen Campingplatz eine Hütte genommen, auf dem ich vor einem Monat schon einmal war. Morgen wollen wir für Jochen den Schiefschnabel und den Schwarzen Stelzenläufer suchen, allerdings sieht das Wetter gar nicht gut aus.



Die kreisen nicht nur über der Insel sondern schwimmen auch in großen Flößen davor.
Danach waren wir auf Zodiactour vor der Küste von Southeast-Island, wo wir den hübschen Chathamregenpfeiffer gut gesehen haben. Derweil hatte die russische Besatzung vom Schiff aus sehr erfolgreich dicke Blaudorsche geangelt. Bevor sie die Anweisung bekommen haben, die Köpfe, Eingeweide und Karkassen zum späteren Locken aufzuheben haben sie sie immer über Bord geworfen. Da schwammen dann schon 20 Albatrosse direkt neben dem Schiff, die da auf Leckerbissen gewartet haben.
Am Nachmittag und Abend sind wir dann langsam vor der Südwestecke der größten Insel der Chathams hin und her gekreuzt und haben dabei mit den Fischresten gelockt. Dabei ging es hauptsächlich um den ultraseltenen Magentasturmvogel, der hier noch in ca. 50 Brutpaaren in einem Schutzgebiet und den umliegenden Wäldern brütet. Diese extrem geringe Weltpopulation ist zwar wohl dank starker Schutzbemühungen stabil oder sogar leicht ansteigend. Trotzdem wird die Art nur selten gesehen und ist für alle Seevogelspezialisten an Bord der heilige Gral. Für John Ryan, den netten Expeditionsarzt und Seevogelfanatiker war die Art beispielsweise der einzige mögliche Lifer des Trips.Zwar reagieren die Sturmvögel nicht so toll wie die Albatrosse auf den Chum, aber die Theorie war, dass die abends vom Meer aus zurück zu ihren Bruthöhlen kommen und dann kurz bei dem Trubel hinter dem Schiff vorbeischauen.Die meisten Fotografen und Nicht-Hardcore-Birder haben sich unten im Heck oder von den darüber liegenden Decks das Albatrosspektakel hinter dem Schiff angeschaut. Das war auch nett mit bis zu 10 Königsalbatrossen und massig kleineren, die sich hinter dem Schiff um die Fischreste gestritten haben.Wir haben uns aber wegen der besseren Rundumsicht mit den Engländern und den beiden besten Guides auf dem Dach der Brücke postiert. Das hat sich als die bessere Strategie erwiesen, als kurz vor der Dämmerung Dough, der mit Abstand beste Guide an Bord auf einmal in voller Lautstärke brüllte „possible Magenta Petrel“ und direkt danach genauso laut „Magenta Petrel going right towards the bow“. Die 2 Sekunden, die ich gebraucht habe, um den Vogel zu finden, waren etwas nervenaufreibend, aber als ich ihn hatte, war auf einmal Alles wunderbar. Der Sturmvogel ist tatsächlich sehr charakteristisch, mit dunklem Kopf und Unterflügeln und weißer Brust und Bauch, aber dafür muss man ihn halt von unten sehen. Besonders bei dem grenzwertigen Licht war auf der Oberseite nicht mehr viel zu erkennen, und von der Form her gibt es da eine Menge Verwechslungsarten.Auf den unteren Decks haben sie das zwar per Funk mitbekommen, und viele haben den Vogel auch noch gefunden, als er vor dem Bug gewendet hat und dann nochmal links am Schiff vorbei geflogen ist. Einige sind auch die Leitern raufgesaust und haben ihn oben noch kurz gefunden. Der ganze Spaß hat aber nur knapp 3 Minuten gedauert, so dass auch viele von den Leuten unten den Vogel komplett verpasst haben. Umso erstaunlicher, dass einige Leute, incl. Jochen, dabei auch noch sehr vernünftige Bilder hinbekommen haben.Abends war die Tagesbesprechung in der Bar dann auch wesentlich länger und feuchtfröhlicher, nachdem der Druck wegen der Starart der Tour raus war. Von den Leuten, denen die Art richtig wichtig war, hat zum Glück kaum einer gedippt. Immer wieder verblüffend, das auf so eine teure und ja eigentlich extrem auf Vogelkucker ausgelegte Tour Leute mitfahren, denen so etwas dann nicht so wichtig ist.Auf jeden Fall ein genialer Tag !



Das ist für mich der eleganteste und schönste Albatros und war nach dem Königspinguin die 2. Art auf meiner Wunschliste für den Trip. Nachmittags sind wir dann östlich der Inselgruppe nach Süden gefahren und hatten in einem geschützen Hafen dort noch eine ruhige Nacht ohne zuviel Geschaukel.Am Morgen danach sind wir noch kurz mit den Zodiacs zu einer kleinen Kolonie des Südfelsenpinguins gefahren die da in den Blockschutthalden unter einer steilen Basaltklippe brüten.
Sehr lustig, die Burschen über die Felsen hüpfen zu sehen. In englisch heißen sie deshalb auch passender Rockhopper Penguin.Danach sind wir dann zu einer 36-stündigen Seereise nach Südwesten in Richtung der australischen Macquarie-Insel aufgebrochen. Tagsüber sehr nett mit den unglaublichen Mengen von Seevögeln und trotz einiger riesiger Wanderalbatrosse waren 9 Pottwale direkt neben dem Schiff das ultimative Highlight.Dafür war die Nacht wegen der Achterbahn wieder weitgehend ungemütlich.Wow, grade sind wir vor Macquarie vom Frühstück weggerufen worden, weil drei Orcas hinter dem Schiff kreuzten. Ein großes Männchen habe ich mehrfach gesehen, bevor es mir in Sandalen und Hemd bei Schneeregen doch zu ungemütlich wurde. Was für ein toller Beginn des 3 Pinguinlifer-Tages.


Der Kapitän war ganz nett und kannte sich recht gut aus. Er hatte zwei große Eimer Dorschkarkassen als Lockfutter mit und es kamen auch recht bald die ersten Albatrosse.Sowohl wieder alte und junge White-capped Albatros


als auch ein einzelner Salvin’s Albatros.
Außerdem gab es noch ein paar Braune Skuas,
die erhoffen Fjordland Crested Penguins (Dickschnabelpinguin) und die ersten New Zealand Fur Seals auf den recht hübschen Inseln.
Auch wenn wir uns nur in den Küstengewässern aufgehalten haben, gab es schon ein paar nette Fotomöglichkeiten.
Als wir nachmittags wieder im Backpackers waren, war der dritte Mitfahrer für die Schiffsfahrt, Tom Noah aus dem Spreewald, inzwischen eingetroffen.Tom hat grade eine 6-tägige Wanderung in den Süden der Insel gemacht, wo er die südliche, extrem seltene Unterart des New Zealand Dotterel gesucht und gefunden hat. War wohl recht anstrengen, aber er hat es überlebt.Nach einem Willkommensbier waren wir nachts noch auf eigene Faust Kiwis suchen, mit deutlich geringerem Erfolg als am Vortag, nämlich genau 0.Heute morgennwaren wir dann bei tollem Wetter nochmal auf Ulva Island, und haben schon bei der Überfahrt auf dem kleinen Fährboot
wieder ein paar Zwergpinguine gesehen.
Auf der Insel war bei deutlich besserem Wetter heute deutlich weniger Vogelaktivität, so dass wir schonnum 15 Uhr zurück wsren, und den Nachmittag mit Siesta, Kaffeetrinken, Schwätzen und Kochen verbracht haben.