Jetzt ist tatsächlich mal etwas schief gegangen mit der Planung, wo bisher Alles so perfekt funktioniert hatte. Ich wollte mein Visum, das heute abläuft, hier in Ambon verlängern lassen, weil es hier einfacher, schneller und günstiger sein sollte, als fast überall in Indonesien. Laut Internet war es das jedenfalls bis letztes Jahr, wo Leute das hier in einem Tag erledigt hatten. Das hat sich leider geändert, es dauert jetzt 3 Tage, ist kompliziert und außerdem dreimal so teuer. der Monat Verlängerung war mit 65 € jetzt deutlich teurer als das 60 Tage Visum in Deutschland. Also beim nächsten mal wieder nur 60 Tage im Land.
So bin ich zu 3 zusätzlichen Tagen in Ambon gekommen. Ich dachte zuerst, dass das in der wohl vogelleersten Insel der Region ja nicht unbedingt erfreulich ist, aber ich habe mich zum Glück geirrt. Bisher war ich nur zweimal kurz in den Bergen 5 km außerhalb der Stadt, und habe beide Male den endemischen Brillenvogel, aber sonst praktisch nichts gesehen. Tageslisten von 4-6 Arten führen ja nicht grade zu Begeisterungsausbrüchen.
Am Dienstag bin ich dann mit dem Taxi zu einer Bucht an der Nordküste gefahren. Hier ist das im Gegensatz zur Großstadt alles extrem ländlich und verschlafen, und die Bucht war wirklich klasse. Kleine Restaurants auf Stelzen direkt über dem Riff, d.h. über eine Leiter kann man vom Kaffeetisch direkt ins Meer steigen, und die Besitzer passen derweilen auf die Klamotten und den Rucksack auf.

Und farbenfroh mögen sie es hier ganz besonders.

Der Blick vom Restaurant sah so aus.

Oder so:

Ich habe mich schon geärgert, dass ich nicht doch vorher noch eine kleine Unterwasserkamera gekauft habe. Neben den Korallenfischen am Riff und besonders an den tollen Steilabhängen rund um die Bucht, wo Millionen von Fischen die aufsteigenden Strömungen bevölkerten waren vor allem die vielen Schwärme pelagischer Arten toll. Die kleinen Thunfische waren eher scheu, aber in den großen Makrelenschwärmen konnte man manchmal in der Mitte mitschwimmen.

Besondere Highlights waren außerdem drei Schwarzspitzen-Riffhaie, eine sehr nahe Karettschildkröte und ein Trupp von mindestens 20 kleinen Walen (mit stumpfer Schnauze, mglw. Grindwale) vor der Bucht beim Kaffeetrinken.
Weil an der Nordküste durchaus noch ganz netter Wald war, habe ich mir dann am Dienstag für 3 Tage einen Motorroller gemietet. Eigentlich dachte ich ja, dass ich mir das Fahren in der Großstadt Ambon City nicht zutrauen würde, aber mit etwas Übung geht das dann doch sehr gut. Und man ist unabhängig für 9 € am Tag. Die Dinger sind meist Automatikroller, mit 125 ccm schnell wie verrückt, wendig und verbrauchen fast nichts. Meiner hier hat sogar neue Reifen und eine Start-Stop Automatik, hatte ich beim Moped auch noch nicht.
Im Ort muss man wie in Vietnam einfach im Verkehr mitschwimmen, sich nach vorne orientieren und auf die Vorderleute reagieren. Das machen die hinter einem genauso, um die kümmert man sich also nicht. Nur hektische, unvorhersehbare Aktionen sollte man vermeiden. Rechtsabbiegen durch den fließenden Verkehr (bei Linksverkehr) ist ohne Ampeln allerdings nervenaufreibend.
Außerhalb der Stadt sind es, wie überall, plötzlich ohne Blinker anhaltende Sammeltaxis, Ziegen, Hühner, Küken, Kleinkinder und tiefe Schlaglöcher auf den Straßen, die das Fahren interessant machen. Mal keine dämlichen, auf der Straße schlafenden oder das Bike jagende Köter wie auf Kei oder Seram. Das liegt daran, dass die hier wie in Nordsulawesi gerne Hunde essen und es deshalb weder Straßenköter noch überhaupt frei rumlaufende Hunde gibt. Sehr angenehme Abwechslung.
Mit dem Moped bin ich dann auch zu weiter entfernten Waldresten gekommen, und habe dann doch ein paar Vögel gesehen. Wie beispielweise das schon erwähnte endemische Ambon White-eye.

Oder die hier endemische Unterart des hübsch singenden Seram Golden Bulbul.

Unerwartet war allerdings besonders ein Lifer, mit dem ich nicht mehr gerechnet hatte. Den kleinen Moluccan Brush-Cuckoo hatte ich in Seram zwar zweimal gehört, aber nie gesehen. Auf Klangattrappe haben die da überhaupt nicht reagiert. Ich hatte zwar auf den Kai-Inseln einen gesehen und auch gehört, den darf es da aber eigentlich gar nicht geben. Deswegen hatte ich ihn noch nicht gezählt und wollte zuhause erstmal recherchieren.
In einem Waldreste an der Ostküste habe ich dann gestern mal das Band gespielt und war doch sehr überrascht, als rund um mich rum auf einmal drei Vögel antworteten. Nach viel Mühe habe ich dann auch einen gesehen und fast vernünftig fotografiert. Leider kamen grade da drei Teenager auf einem Moped vorbei, die mich dermaßen laut begrüßen mussten (natürlich auch mit der Hupe und vielstimmigem „Hello Mister“), das der Vogel danach verschwunden war.
Deswegen war ich heute nochmal da, und diesmal hat es besser funktioniert.
Der hat sich grade etwas breit gemacht, weil er in dem Moment von zwei Nektarvögeln gehasst wurde.
Und gegen mittag habe ich dann mein Visum bekommen, insgesamt war die Zwangspause hier also doch gar nicht so schlimm.
Und morgen geht es nach Bali.

dafür aber eine der letzten halbwegs stabilen Populationen des hübschen Wallace-Großfußhuhns. Die zugänglichste Stelle ist der Ort Kailolo an der Westküste, wo die Vögel nachts ihre Eier in sandigen Lichtungen in der Nähe des Strandes vergraben, und sie da von der Sonne ausbrüten lassen. Die Stellen sind natürlich bekannt, und die sehr großen Eier werden am morgen von den Locals ausgebuddelt und gegessen oder verkauft. Die Rechte, das machen zu dürfen, werden jährlich versteigert. Hört sich eher weniger nachhaltig an, übersehene Eier können sich aber entwickeln, und wenn die Leute beim Buddeln Kücken finden, lassen sie sie frei. Die Küken schlüpfen übrigens voll befiedert und flugfähig.



















Diese hier häufige Rose-crowned Fruitdove war eine der wenigen Ausnahmen. Insgesamt sind hier ca. 30 bis 31 Endemiten bzw. lokale Spezialitäten zu sehen, plus wieder massig sehr eigenständige Unterarten, die mglw. bald Artstatus erhalten werden. Dabei so tolle Papageien wie der wunderschöne, knallrote Blue-streaked Lory oder die Slaty-backed Thrush, eine der coolsten asiatischen Dschungeldrosseln. Auch die lokale Unterart der Elegant Pitta, hier häufig aber wie die meisten Pittas nicht leicht zu sehen, habe ich nach etwas Planung mit dem Recorder kurz, aber supergenial gesehen.
Oben der Blick am Abend über die Stadt. Alle Angestellten sprechen englisch und überschlagen sich fast, einem zu helfen.







Der soll abgeblich von alleine angefangen haben, sich den Menschen zu nähern. Keine Ahnung, ob man das glauben kann, im Gegensatz zu den teilweise handzahmen Helmkasuaren in Australien, die seit Generationen geschützt sind, gehört der nördliche Kasuar zu den mit Abstand scheuesten Vögeln der Welt.
Er kann die Stimmen der hier wichtigen Arten und weiss wie man sie findet. Man sieht in ihm die Seele des Jägers. Er läuft tiefenentspannt barfuss vor einem durch den Wald, schneidet beiläufig runterhängende Rattanranken und quer verlaufende Lianen ab (damit auch der tollpatschige Weiße leise durch den Wald kommt). Ab und zu pflückt er mit der Machete einen Landblutegel zwischen seinen Zehen raus und zerquetscht ihn am nächsten Baum. Und auf einmal bemerkt es eine Bewegung oder ein Geräusch, das ich gar nicht mitbekomme. Aber ich sehe an seiner vollkommen veränderten Körperspannung, das er irgendetwas Gutes gefunden hat. Da er ausser ein paar Vogelnamen kaum englisch kann, ist das beschreiben manchmal nicht ganz einfach, aber am Ende habe ich die meisten Sachen dann gefunden. Es hat jedenfalls echt Spaß gemacht, mit ihm unterwegs zusein. Bei den kleineren Singvögeln in den gemischten Schwärmen ist er noch nicht so firm, aber die kann ich ja auch selber bestimmen. Nachmittags war ich dann meist mit dem GPS alleine unterwegs, und habe tatsächlich 7 der 11 hier für mich neuen Arten selber gefunden. Aber den Red-billed Brushturkey (das Thermometerhuhn) und den superschwierigen Red-breasted Paradise-Kingfisher
hätte ich ohne Daniel sicher verpasst.
Auch den letzten, für mich möglichen neuen Paradiesvogel auf dieser Tour, den Manificent Riflebird, hat Daniel mir gefunden. Der ist hier allerdings so häufig, dass er auch problemlos alleine findbar ist, wenn man die Stimme erstmal drauf hat.
Ja weitere Highlights u.a. 9 Papageienarten, 5 Eisvögel, der seltene Hooded Monarch und täglich mehrere Brown Forest Wallabies. Es ist merkwürdig, auch mal außerhalb von Australien Kängurus zu sehen.
Nach einem Nachmittag und Abend mit Strom zum Akkuladen und Internet und den ersten beiden Bieren seit 10 Tagen (Jerry wusste, wo man Bier kaufen kann) sitze ich jetztauf der Schnellfähre nach Waigeo. Auf dieser großen Insel vor der Westküste Neuguineas werde ich jetzt mal 4 Tage am Meer wohnen, morgens im Wald Birden und nachmittags Schnorcheln in den angeblich artenreichsten Riffen der Welt. Da werde ich auch mal ein paar Bilder zusammensuchen, um diesen Beitrag nachträglich etwas zu illustrieren.