Attwater’s Prairie Chicken National Wildlife Refuge

Nach einer zur Abwechslung mal sehr kurzen Autofahrt bin ich gestern schon vormittags im kleinen Ort Eagle Lake westlich von Houston angekommen.

Eagle Lake

Da ich noch 1 h Zeit hatte, bis ich mein Gepäck im Motel abladen konnte, habe ich mir in einem original 60er Jahre Barbierladen die Haare scheren lassen. Es gab allerdings vom steinalten Barbier vielfältige Begründungen zum Haarschnitt dazu, warum Biden unwählbar und Trump der einzig wahre Präsident ist.

Danach bin ich zum 13 km nordöstlich des Ortes gelegenen Attwater‘s Präriehuhn Schutzgebiet gefahren, um mir das Gebiet schon mal anzuschauen.

Das ca 40 qkm große Schutzgebiet ist ein winziger Teil der ehemals riesigen Kurzgrasprärien, die sich früher von Südtexas bis weit nach Louisiana die Küstenebenen entlangzogen.

Von diesem Lebensraum sind heute nur noch weniger als 1 % erhalten geblieben. Die Bisons, die diese Prärien kurzgrasig hielten, sind natürlich schon seit 200 Jahren verschwunden, aber eine andere Flagschiffart dieses Lebensraumtyps hat bisher ( noch) überlebt.

Das Attwater‘s Präriehuhn hat aber im Vergleich zur Situation in den 1950er Jahren, als der Bestand auf 1 Million Exemplare geschätzt wurde, auch um über 99,99 % abgenommen. Im letzten November wurde die Gesamtpopulation in den beiden letzten Restvorkommen mit 182 Exemplaren angegeben. Und auch die halten sich nur durch intensivstes Habitat- und Prädatorenmanagement und dauernde Auswilderungen von in Gefangenschaft nachgezüchteten Vögeln.

Im südlichen Teil des Gebietes ist das Besucherzentrum und in der Nähe eine öffentlich frei zugängliche Fläche mit einem befahrbaren Rundweg und einigen Trails. In der Fläche gibt es allerdings keine Präriehühner, die sind alle im normalerweise unzugänglichen Norden des Gebietes. Einmal im Monat bieten sie da deswegen eine öffentliche (und kostenlose) Tour an, für die man sich vorher anmelden muss. Das hatte ich schon Anfang Januar gemacht, deswegen hatte ich meinen Platz sicher.

Blöderweise hatten sie überbucht, und es waren deutlich mehr Teilnehmer da, als in den Kleinbus reingingen. Sie haben die Tour deshalb zweigeteilt, d.h. jede Gruppe hatte nur 1 Stunde Zeit, ungünstig.

Ich war bei der ersten Gruppe und hatte als Einziger ein Spektiv mit. Blöderweise war es noch ziemlich neblig, als wir an der Balzarena der Präriehühner ankamen. Man hat das Kullern der Hähne zwar super gehört und sie im Spektiv auch gut gesehen, für Fotos war da aber nichts zu wollen. Aber zumindest hat die ganze Gruppe die balzenden Hähne einer der seltensten Vogelarten Nordamerikas mal durch das Spektiv beobachtet.

Als wir zurück waren habe ich die nette Chefin des Reservats, die uns gefahren hat, gefragt, ob ich nicht wegen meiner langen Anreise die 2. Tour auch noch mitmachen dürfte. Da die Restgruppe kleiner war, hat sie sofort zugesagt und wir sind gleich wieder abgefahren. Inzwischen hatte sich der Nebel verzogen, am Lek, wo wir vorher waren, war von den 6 Hähnen aber nur noch einer anwesend, und der balzte nicht mehr.

Wir sind deshalb ein paar km weiter zu einem weiteren Lek gefahren, und da war die Balz noch in vollem Gange.

Die Balzarena der Präriehühner

Wir waren zwar nicht besonders nahe an der Action, aber wieder war der Tanz von drei Hähnen gleichzeitig auf einer Fläche von ca. 20 qm im Spektiv toll zu sehen. Wenn die Hähne ihre langen Federohren aufstellen, sich vorbeugen, die gelben Kehlsäcke aufpumpen und trampelnd anfangen zu Kullern ist das wirklich spektakulär.

Auf der Rückfahrt habe ich dann noch direkt neben der Straße ein weiteres Männchen gefunden. Ohne Balzverhalten sind die Vögel zwar nicht ganz so eindrucksvoll.

Attwaters Prairie Chicken

Netterweise fing der dann aber auch nochmal zu balzen an, und hat uns wirklich eine tolle Show abgeliefert.

Mit Federohren und aufgeblasenen Kehlsäcken..
… im Balzmodus

Das war selbst für die Reservatsmanagerin eine neue Erfahrung, die sie so auf den Touren auch noch nicht hatte.

Also insgesamt ein absolut gelungener Morgen für mich.

Den Rest des Tages habe ich dann den öffentlich zugänglichen Teil des Schutzgebietes nach der anderen hier für mich neuen Art, dem Präriepieper (Sprague’s Pipit) abgesucht.  Die Prärie hier ist momentan noch winterbraun, aber es zeigen sich schon die ersten Blumen.

Und teilweise fliegen auch schon eine Menge Schmetterlinge, wenn mal kurz die Sonne herauskommt. Besonders eine Charakterart dieser Kurzgrasprärie, der Schwarze Schwalbenschwanz, ist hier häufig.

Black Swallowtail
bei der Paarung

Ansonsten wimmelt es hier von Weißwedelhirschen, die hier schon ewig nicht bejagt werden und den Rindern im Gebiet helfen, das Gras kurz zu halten.

Und in den kleinen Teichen in der Prärie schwimmen erstaunlich große Alligatoren.

Leider darf man nur bis Sonnenuntergang im Gebiet bleiben, so dass in genauere Suche nach nachtaktiven Säugetieren schwierig ist. Trotzdem habe ich durch Glück auf dem Weg einen für mich neuen Säuger gefunden, die endemische Attwater Taschenratte.

Attwater Pocket Gopher

Bei den vielen Hudsonweihen und Bussarden im Gebiet eine ziemlich gefährliche Aktion für die Ratte, tagsüber so frei auf dem Weg rumzulaufen.

Die Suche nach dem Pieper war nicht einfach, da überall verschiedene Neuweltammern wie Vesper und Savanna Sparrows durch das niedrige Gras kriechen und sich auch etwas pieperähnlich verhalten. Allerdings hüpfen sie mehr, als dass sie laufen, daran kann man schon viele aussortieren. Kurz vor Sonnenuntergang hat es dann aber endlich auch mit dem Pieper noch geklappt, nachdem ich gefühlt den Hundertsten kleinen Singvogel im Gras genauer angeschaut hatte. Als ich den dann aber gesehen habe, war kein Zweifel möglich, dass das ganz klar der Richtige war.

Sonnenuntergang über der Prärie

Damit ist mein Glück nach den 3 mauen Tagen in Austin ganz klar zurückgekommen, was ich abends mit einem hervorragenden Essen bei einem sehr guten Mexikaner gebührend gefeiert habe.

Austin

Von der hintersten Provinz bin ich gestern nochmal eine weite Strecke wieder in dichter besiedelte Gefilde gefahren. Genauer gesagt von Fort Davis mit 1067 Einwohnern in die Hauptstadt von Texas, Austin, mit ca. 1,5 Millionen Leuten.

Abgefahrene Architektur in Austin
Colorado River

Nach den leeren Highways im Westen war das Ankommen hier nervenaufreibend. Ich weiß nicht, wie ich das ohne die hervorragenden Ansagen der freundlichen Dame von Google Maps über Carplay gemacht hätte. Das ist wirklich eine tolle Erfindung !

So habe ich trotz des unübersichtlichen Autobahngewirrs (teilweise sich kreuzende Abbiegespuren sechsstöckig übereinander) meine nette Unterkunft gut gefunden. Der Verkeht hat mich aber manchmal sehr an den Film Blade Runner erinnert, nur ohne fliegende Autos.

Ja, und was will ich eigentlich in der Großstadt ? Natürlich gar nichts, aber hier ganz in der Nähe gibt es zwei kleine Naturschutzgebiete am Colorado, wo ein paar für mich wichtige Arten möglich sind. Und meine nette AirBnB Unterkunft war einfach m nächsten an den Gebieten dran. Trotzdem muss ich mich da jeweils 30-40 Minuten durch den dichten Verkehr wühlen.

Gestern Abend war ich dann auch gleich noch im Commons Ford Ranch Metropolitan Park, einer ehemaligen Ranch am Südufer des Colorado, die sie zum Naturschutzgebiet gemacht haben. Hier haben sie unter anderem eine mehrere Hektar große Präriefläche wieder renaturiert.

Renaturierte Prärie im Wintermodus

In dieser Fläche wurden seit Anfang Februar nachts  immer wieder balzende Kanadaschnepfen, die amerikanische Verwandte unserer Waldschnepfe, gehört und aufgenommen. Und da wollte ich probieren, die nicht nur zu hören, sondern sie mit der Wärmebildkamera auch zu sehen.

Ich war deutlich vor Sonnenuntergang da und habe gleich ein paar hübsche Vögel gesehen. Natürlich wird auch hier angefüttert, was beispielsweise den sehr häufigen Roten Cardinalen gut gefällt.

Roter Kardinal

Mit der Dämmerung fingen dann zwei Virginiauhus an zu balzen, den einen habe ich sogar noch im Hellen gefunden.

Virginiauhu

Als es dann dunkel wurde, haben die Kojoten angefangen zu heulen, einen habe ich mit der Wärmebildkamera auch schön gesehen. Nur die Schnepfen haben sich leider nicht gerührt.

Gegen 20:00 Uhr habe ich abgebrochen und noch etwas mit meinem netten afroamerikanischen Gastgeber geredet, bis der zu seiner Nachtschicht musste.

29.2. Lider haben die Kanadaschnepfen auch gestern nicht mitgespielt, es war allerdings abends auch deutlich kälter und windiger. Ein ortskundiger Orni vermutete, dass die Schnepfen vielleicht wegen des warmen Wetters der letzten Tage schon in Richtung ihrer nördlichen Brutgebiete abgezogen sein könnte. Er meinte auch, dass die letzten Beobachtungen vom 19.02. wären, was ich ja bei Ebird auch gesehen hatte.

Das Gebiet genau wie die anderen Naturschutzgebiete außerhalb von Austin sind zwar sehr schön, aber von meinen Zielarten hat leider nichts geklappt.

Heute war ich fast den ganzen Tag in einem schönen Galeriewald am Rio Colorado.

Der Wald war voller Vögel, auch wenn die teilweise nicht so spektakuläre aussehen.

Carolina-Zaunkönig

Allerdings teilweise extrem laut wie die Roten Kardinale oder der Carolina-Zaunkönig oben. Außerdem krabbelt es im Unterholz teilweise von Neuweltammern, die sich zum Teil verblüffend ähnlich sehen und durchaus ein paar knifflige Bestimmungsprobleme bieten.

Singammer

Wie diese Singammer, die teilweise in mehreren Unterarten und Farbmorphen mit einer Handvoll ähnlicher Arten zusammen im Unterholz rumwuselt.

Neben dm Galeriewald liegen die großen Rieselfelder einer Kläranlage, auf der Birder herzlich willkommen sind. Der Geruch ist natürlich etwas streng, aber die Beobachtungsbedingungen dafür hervorragend. Auf einem Teich schwammen alleine 14 Entenarten mit über 2000 Löffelenten und 110 Schwarzkopfruderenten.

Löffelente im Landeanflug

Aber dazwischen immer wieder auch andere Arten wie diese Riesentafelente mit einer weiblichen Kanadapfeiente rechts daneben.

Riesentafelente

Irgendwie erinnerte das Wetter heute an die hervorragenden Bücher von Larry McMurty, der das Leben hier Mitte des 19. Jahrhunderts beschreibt. Seine Helden beklagen sich immer, dass sie in einem Moment fast von der Sonne gebraten werden und kurz danach fast erfrieren. Nachdem es Dienstag Nachmittag 26 Grad hatte, habe ich Handschuhe, lange Unterhosen und dicke Socken mal wieder unten in den Rucksack verstaut. Heute Morgen habe ich dann beim Losfahren nicht aufgepasst, und als ich  am Colorado ankam waren es 6 Grad und es wehte ein eisiger Wind. Da hätte ich die Handschuhe gut gebrauchen können.

Insgesamt hat sich der Stopp in Austin also nicht so gelohnt, denn als es nachmittags auch noch anfing zu regnen, habe ich es aufgegeben, abends noch einen 3. Versuch auf die Schnepfe zu machen.

Hoffentlich kommt mein Glück übermorgen im Prärieschutzgebiet zurück, wo ich einen Platz bei der einmal im Monat stattfindenden Tour in die sonst geschlossenen Teile des Präriehuhnreservates gebucht habe.

Der letzte Tag in den Davis Mountains

Ich bin heute nochmal ordentlich Kurven gefahren in den Bergen. Der Weg zum schönen Trail im Madera Canyon geht durch enge Täler, wo an den Stellen, wo ein bißchen Wasser in den sonst trockenen Flussbetten steht, die Cottonwood-Bäume die ersten hellgrünen Blätter bekommen.

Cottonwoods in einem Bachtal

Den Trail im Madera Canyon hatte ich gestern schon nachmittags ausgekundschaftet. Hier waren die letzten Beobachtungen des Williamssons-Saftlecker, eines extrem hübschen Spechtes. Das war allerdings schon einen Monat her. Da ich gestern kein Glück hatte, habe ich den Trail heute nochmal versucht. Der Wald aus Kiefern, Eichen und Wacholder ist sehr licht und offenbar stark vom Feuer beeinflusst. Je8denfalls gibt es überall verkohlte Stümpfe, die meisten der Bäume hier haben wohl eine gewisse Resistenz gegen schnell durchgehende Gestrüpp- und Grasfeuer und überleben die normalerweise.

Lichte Wälder im Madera Canyon
Alter Wacholder

Das mit dem Specht hat heute leider wieder nicht geklappt, mit den seltenen Spechten tue ich mich etwas schwer auf dieser Tour, wenn ich bei den restlichen Zielarten sonst ja fast nur Glück gehabt habe.

Auf dem Rückweg war ich nochmal in den Wäldern am höchsten Berg des Massivs. Hier steht auf über 2000 m Höhe eine Sternwarte, weil hier offenbar ideale Bedingungen für die Astronomie bestehen. Da habe ich allerdings wegen des Vollmondes in den letzten Nächten kaum etwas von mitbekommen.

McDonald- Observatorium auf dem Mt. Locke

Abends im State Park habe ich leider auch nichts mehr Neues gesehen, nur die Maultierhirsche fressen einem hier praktisch aus der Hand.

Neugieriges Maultierhirschkalb

Insgesamt hat sich der weite Abstecher wegen der schönen Landschaft, den Wanderungen und natürlich den beiden Wachteln wirklich gelohnt.

Davis Mountains

Die ersten beiden Tage in den Bergen waren sehr schön und außerdem noch erfolgreich. Gestern morgen war ich zuerst im Davis Mountains State Park nur 6 km nordwestlich von der kleinen Ortschaft Fort Davis, in der ich wohne.

Wie bei allen bisherigen State Parks ist auch dieser perfekt organisiert und günstig. Ein netter Mitarbeiter vom Umweltbildungszentrum im Park meinte, die hübsche Montezuma-Wachtel, der Hauptgrund für meine lange Fahrt hierher, wäre tatsächlich relativ häufig, wenn auch schwierig zu finden. Er hat mir empfohlen, erstmal 2 h in einem Hide an einer kleinen Wasserstelle mit Fütterung daneben zu warten. Die Wachteln wären da in den letzten Wochen morgens immer mal wieder kurz zum Trinken aufgetaucht.

Der Tipp war Gold wert, ich war gerade mal 20 min in den bequemen Hide, da saßen auf einmal 5 Montezuma Quails auf der gemauerten Fassung der Quelle. Nach kurzem Bewundern habe ich schnell mit der Kamera draufgehalten. Das war auch gut so, denn nach 2 Minuten verschwanden sie genauso plötzlich, wie sie gekommen waren.

Montezuma Quail

Das lief ja hervorragend, die Hauptzielart gleich am Anfang perfekt gesehen. Die hatte ich mit Jochen in Arizona mehrere Tage intensiv gesucht und nicht gefunden.

Die benachbarte Futterstelle, für die sich die Wachteln wirklich nicht interessierten, war auch gut besucht.

Chipping Sparrow

Am häufigsten waren verschiedene Ammern wie der Chipping Sparrow oben.

Aber auch Insektenfresser wie einzelne Waldsänger oder die Einsiedlerdrossel wurden von der als Futterpaste zum Festkleben der Körner genutzten Erdnussbutter angelockt.

Einsiedlerdrossel

Zwischendurch kamen auch immer wieder einzelne Hörnchen und einmal zwei Halsbandpeccaris.

Halsbandpeccari, ein einheimisches Wildschweinchen

Ich habe dann noch verschiedene Trails im Park versucht, bis es mittags zu heiß wurde. Die Trails entlang der locker mit Wacholdern, immergrünen Eichen und Kiefern bewachsenen Hänge sind hübsch, aber die Vogelaktivität war relativ gering.

An der Straße hatte eine Gruppe Eichelspechte zwei Telegrafenmaste vollkommen mit kleinen Löchern als Vorratslager für die Eichelaufbewahrung umfunktioniert. In jedes Loch kommt eine Eichel, und wenn die durchs Trocknen lockerer sitzen, werden sie in kleinere Löcher umgelagert. Eine tagesfüllende Beschäftigung.

Eichelspecht
Eicheln im Vorratslager

Mittags wurde es dann zu heiß und ich war einkaufen und habe gekocht und mir eine längere Siesta gegönnt. Abends war ich dann nochmal mit der Wärmebildkamera im Park unterwegs und habe Maultierhirsche, Einen Hasen, Wüstenkaninchen und ein sehr nahes Stinktier gesehen. Als das bis auf 3 m rangelaufen kam wurde es mir doch zu gefährlich und ich habe es lieber mit der Taschenlampe angeleuchtet. Da ist es dann abgedreht, glücklicherweise ohne zu spritzen.

Gestern war ich dann vormittags am Lake Balmorhea,  einem Stausee nördlich der Davis Mountains und dem einzigen größeren und permanenten Gewässer der Gegend.

Lake Balmorhea

Das ist die sichere Stelle für die zweite seltene Wachtel, die ich hier in der Gegend sehen wollte. Das hat  auch sehr gut funktioniert, die sind hier wirklich häufig und die ersten 4 sind mir schon auf der Eingansstraße über den Weg gelaufen. Habe dann noch mehrere Trupps gesehen, am Besten war eine Gruppe von 32 Vögeln, die am Seeufer getrunken haben.

Schuppenwachtel

Leider haben sie mich für Fotos nicht besonders nah heran gelassen. Es war gut, dass ich relativ früh hier war, ab 10 Uhr wurde es warm und danach war keine Wachtel mehr zu sehen.

Ansonsten gab es jede Menge Wasservögel zu sehen, auch wenn die großen Trupps der Schnee-, Zwergschnee- und Blässgänse, die hier noch vor 1 Woche waren, größtenteils abgezogen sind.

Schneegänse

Aber ein 200er Trupp war noch da und bot ein tolles Schauspiel, als er mehrmals von Wanderfalken oder Hudsonweihen aufgescheucht wurde.

Nachdem ich hier jetzt beide Wachteln gut gesehen habe, werde ich die letzten 1,5 Tage in den Bergwäldern wandern, um einen seltenen Specht zu suchen.

Der weite Weg nach Westen

Gestern war ein Fahrtag, mein nächstes Ziel sind die Davis Mountains im Westen von Texas. Und Texas ist, wie schon gesagt, riesig ! Aber als ich mir die Strecke bei Google angeschaut habe, ist mir doch etwas mulmig geworden. Es sind nämlich knapp 940 km. Ich bin deswegen früh aufgestanden und schon um 4 Uhr losgefahren. Vorher musste ich allerdings noch ein paar Polizisten erklären, dass ich kein Einbrecher bin sondern nur ein früh startender AirBnB-Nutzer.

Ich wollte möglichst schnell aus dem dicht besiedelten Streifen zwischen Brownsville und McAllen rauskommen, bevor die 8-spurigen Autobahnen total verstopft sind. Das hat auch gut geklappt und bald sahen die Highways dann so aus.

typisch texanische Landschaft

Da ist die höhere Geschwindigkeitsbeschränkung dann ganz gut, jeder hält sich dran, wenn doch jemand etwas schneller unterwegs ist, weicht der Langsamere kurz auf den Standstreifen aus und läßt ihn vorbei. Das Fahren ist total entspannt und im Back-Country weg von den Städten sowieso kaum jemand unterwegs. Habe zwischendurch immer mal wieder kurze Pausen gemacht und sogar ein paar nette Vögel gesehen.

Wüstenbussard neben der Straße

Nur die Landschaft ist an Langweiligkeit kaum zu überbieten, flach, staubig und mit grauem, niedrigen Gestrüpp bewachsen.

Ich war zwar froh, aus dem dicht bebauten Gebiet am Rio Grande, wo die Highways von endlosen, versiegelten Gewerbegebieten gesäumt sind, rauszukommen. Aber ob das jetzt so viel besser ist, war schwer zu entscheiden.

Vegetation im Back-Country

Aber Hörbücher und Podcasts haben die Fahrtzeit gut rumgebracht.

Erst ziemlich am Ende gab es dann mal ein paar Hügel, im Pecos County dann sogar welche, die Winnetou als Auskuck gereicht hätten.

Pecos County

Nach knapp 12 h Fahrt bin ich dann, wegen der vielen Pausen, immer noch halbwegs ausgeruht in Fort Davis angekommen. Der Ort ist rund um ein altes Fort aus den Indianernkriegen entstanden. Hier waren nach dem Bürgerkrieg die Buffalo Soldiers, afroamerikanische Kavalleristen eingesetzt, um die Postkutschenroute nach El Paso vor den dauernden Angriffen der Apachen und Comanchen zunschützen.

Ich wohne in einem alten Wohneagen in einem kleinen Trailerpark mit Gärtchen, Feuerstelle, Bad und, wichtig, einer sehr gut eingerichteten Küche. Zwar einfach, aber gemütlich und günstig.

Meine Wohnung für die nächsten Tage

Man wird morgens nicht von Autos sondern von krähenden Hähnen und meckernden Ziegen geweckt.

Und gleich geht es in die richtigen Berge im Hintergrund.

Nachtrag Frontera Audubon Center

Ok, ich wollte ja noch zu gestern nachtragen, dass ich nochmal ins Frontera Audubon Center gefahren bin, um einen weiteren Versuch zu starten, die Nadel im Heuhaufen zu finden. Bzw. den einzigen Crimson-collared Grosbeak, der momentan auf amerikanischem Gebiet bekannt ist. Und das in dem megadichten Gestrüpp, wo ich schon Dienstag 8 Stunden vergeblich gesucht hatte.

Diesmal hat das überraschenderweise prima geklappt, ich habe den Vogel nach 1,5 h an einer kleinen künstlichen Wasserstelle gefunden, wo er ein schnelles Bad genommen hat. Wieder ein kurzes Vergnügen, nur das diesmal ich es hatte. Leider ist nur ein grottenschlechtes Belegbild dabei herausgekommen.

Weiblicher Crimson-collared Grosbeak

Damit habe ich hier in den Schutzgebieten am Rio Grande alle neun für mich möglichen neuen Vogelarten gefunden und kann beruhigt die lange Fahrt in die Davis Mountains antreten. Den Rest des Tages habe ich im hübschen Bentsen Rio Grande State Park verbracht, ohne allerdings viel zu sehen. Es wurde nachmittags aber auch bis 30 Grad heiß, was die Aktivität der Vögel doch ziemlich gedrosselt hatAbends habe ich gepackt und mit der netten Vermieterin noch mehrere Whiskies getrunken und eine lustige Unterhaltung geführt. Ihr Englisch ist genauso schlecht wie mein Spanisch, aber wir haben uns irgendwie verstanden.

Am Rio Grande

Nach gut vierstündiger Fahrt bin ich am Sonntag Mittag auf South Padre Island angekommen. Das ist ein unglaublich lange, schmale Nehrung, die der gesamten südlichen Golfküste vorgelagert ist. An ihrer Südseite kann man mit einer Brücke rüberfahren und kommt in einen der schlimmsten Badeorte, die ich je gesehen habe. Komplett dicht zugebaut mit der fürchterlichsten Architektur, die man sich nur vorstellen kann. Ich habe nach ein paar km mein Ziel erreicht, das Birding und Nature Zentrum an der Küste.

Auch hier kostet es nur 5 $ Eintritt und man kann da ein paar schöne Holzstege durch die Mangroven, an kleinen Lagunen vorbei und bis zur Bucht nutzen. Da sich hier in der Saison die Tourimassen rüberschieben sind die Vögel alle tiefenentspannt.

Tricoloured Heron

Allerdings war grade Hochwasser und vor den Mangroven kein Schlamm zu sehen. Deswegen gab es hier keine Chance, meine Zielart des Tages, den Flötenregenpfeiffer zu sehen. Ich bin deswegen etwas nach Norden gelaufen, wo die eigentlich bessere Stele nördlich eines Kongresszentrums liegt.

Congress Center Bay

Diese große sandige Bucht hatte massig Limis und nur soviel Wasserarme, dass man noch gut laufen konnte. Leider am Anfang auch ein paar hirnamputierte Texaner, die es lustig fanden, da mit ihren Riesenpickups rumzurasen und die Vogelschwärme aufzuscheuchen. Zum Glück ist ihnen das schnell langweilig geworden, ich hoffe, das Salzwasser ist tief in das Innenleben der Karren eingezogen.

Als Ruhe eingekehrt ist bin ich mit Spektiv vorsichtig zwischen den Schwärmen durchgelaufen, das hat die überhaupt nicht gestört. Sehr nett mit sehr vielen Sanderlingen und Alpis, gemischt mit Kleinen Schlammläufern, beiden Gelbschenkeln, Kiebitz- und Amerikanische Sandregenpfeiffer. Außerdem 110 Scherenschnäbel und 80 Königsseeschwalben und massig andere nette Wasservögel. Nur eben kein Flötenregenpfeiffer. Als ich dann auf dem Rückweg, auf dem es kaum noch Vögel gab, fast schon wieder an der Küste war, liefen da noch einmal 3 Vögel rum, ein Steinwälzer und, na bitte, zwei Flötenregenpfeiffer !

Piping Plover

Das war ein schöner Abschuss, und ich bin nochmal knapp eine Stunde nach Westen gefahren, nach Harlingen. Hier hatte ich mir für die nächsten 4 Nächte eine nette Privatwohnung über AirBnB besorgt, und das war ein Volltreffer, supersauber, mit kleiner Küche, und einem netten Garten dahinter, den ich mit benutzen darf.

Eine Steigerung von 1000 % gegenüber dem häßlichen Motel 6 in Rockport und wirklich gemütlich. Von hier werde ich in den nächsten Tagen die Schutzgebiete am Rio Grande erkunden. Hier sind neben den üblichen südtexanischen Spezialitäten momentan auch ein paar mexikanische Seltenheiten zu sehen, die sich diesen Winter nach Norden verirrt haben.

Deswegen wimmelt es von Birdern auf Raritätenjagd, ein bißchen wie Helgoland in heiß, staubig und unübersichtlich.

Die State Parks zwischen Brownsville und dem Alamo entlang des Rio Grande sind alle sehr schön, günstig und mit hervorragender Infrastruktur ausgestattet. Leider wegen einer langen Dürre auch komplett ausgetrocknet, dass heißt in keinem der vielen kleinen Tümpel, Seen oder Altarme ist ein Tropfen Wasser drin. Zum Glück bin ich nicht hierher gekommen, um Wasservögel zu sehen.

wasserloser Teich im Frontera Audubon Center

Ansonsten besteht die Vegetation aus Trockenwald mit extrem dichter Vegetation.

Estero Llano Grande

Nicht so einfach, da die kleineren Singvögel rauszuarbeiten. Aber es gibt zumindest überall gute Wege in die Waldgebiete rein.

Zum Glück gibt es überall gut bestückte Futterstellen, so dass man teilweise auch recht einfach zu guten Beobachtungen kommt.

Im Estero Llano Grande State Park gab es sogar einen sehr kompetenten und netten Birding Host, der mit seinem riesigen Wohnmobil zweimal im Jahr die Strecke von der Küste Maines hier her und wieder zurück fährt, um hier zu überwintern. Wie ein Zugvogel eben, deswegen nennt man die Nordländer hier auch „Snowbirds“.

Wohnmobil mit Futterstelle dahinter

Sreve Norris macht hier Führungen und ist genereller Ansprechpartner für die Birder und bekannt wie ein bunter Hund.

Als ich ihn nach Tageseinständen der Östlichen Kreischeule fragte, hat er sich sein Spektiv geschnappt und mir gleich zwei davon in Baumhöhlen auf einem benachbarten Privatgrundstück gezeigt. Leider waren die zu weit weg für ein Foto. Dann hat er mich noch auf die beste Stelle für den Pauraque hingewiesen, den einzigen residenten Ziegenmelker, der nicht nach Südamerika abzieht.

Er meinte noch, ich solle mal schön suchen, wenn es nicht klappen sollte, würde er mir später einen zeigen.

Hat aber nur 5 min gedauert, dann habe ich gleich zwei gefunden.

Common Pauraque

Ansonsten sieht man die meisten Arten am Einfachsten an den Futterstellen.

Green Jay
Altamira Oriole
mein einfachster Lifer hier, Black-crested Titmouse
eine große Seltenheit für die USA, Black-headed Grosbeak
Olive Sparrow nach dem Bad

Dazwischen gibt es auch mal ein paar Peccaris oder ein Eichhörnchen.

Fox Squirrel

Ab und zu habe ich natürlich auch im Wald mal einen Lifer gefunden, wie den hübschen Long-billed Thrasher, eine Spottdrossel. Den habe ich singend gefunden, hat dann 15 min gedauert, bis ich ihn in dem Gestrüpp zum 1. Mal frei gesehen habe.

Long-billed Theasher
am Ende sang er frei sitzend

Ja, nach drei Tagen habe ich jetzt acht der hier für mich möglichen neuen Arten gesehen. Ich habe noch um einen Tag verlängert, um es morgen nochmal bei einem weiteren mexikanischen Ausnahmegast zu probieren. Der Crimson-collared Grosbeak brütet nur in einem kleinen Gebiet in Ostmexiko, wo ich damals nicht war. Das einzelne Weibchen, was sich schon seit über 6 Wochen im Frontera Audubon Center aufhält, ist leider extrem heimlich. Ich war gestern die gesamten 8 h, die das Gebiet geöffnet hat da, zusammen mit mindestens 20 anderen Ornis. Gesehen wurde der Vogel dreimal für 1-2 min von jeweils 2 Leuten, einmal habe ich ihn um 2 min verpasst.

Da das Gebiet auch sonst hübsch ist und ich wahrscheinlich sonst nie wieder an die Art rankomme, ist das den Extratag sicher wert.

Ich werde berichten.

Angekommen in Texas

Nach einem erneut seht angenehmen Flug mit Air Canada bin ich am Mittwoch gegen 22 Uhr in Houston in Texas gelandet. Die Einreiseformalitäten waren schon in Toronto erledigt worden, so dass ich mit meinem Gepäck ohne Kontrolle aus dem Flughafen rausspazieren konnte. Das hatte ich so auch noch nie.

Mein Mietwagen ist ein kleinerer, aber vollkommen ausreichender, neuer Ford Espace, fährt super und auch die Verbindung mit meinem Iphone hat wegen der Navigation sofort funktioniert. Das ist wirklich praktisch.

Inzwischen war es nach 23 Uhr, ich war ziemlich müde und froh, mich in einen netten Hotel 5 km vom Flughafen eingemietet zu haben.

Nach einem typisch amerikanischen, vollkommen kulturfreien Hotelfrühstück auf Styroporteller mit Plastikbesteck (1 Person und 1 Frühstück ergibt einen halben Kubikmeter Plastikmüll) bin ich durch dichten Berufsverkehr nach Südwesten durch die Stadt gefahren.

Das erforderte wirklich etwas Konzentration, der Fahrstil hier ist doch etwas ruppiger als im vollkommen relaxten Kanada. Und die Geschwindigkeitsbeschränkungen sind für amerikanische Verhältnisse sehr hoch, knapp 70 km/h in der Stadt waren mir selbst auf den innerstädtischen Highways etwas zu viel. Deswegen wurde ich ständig überall von riesigen Pickups überholt, die hier gefühlt der Standard sind und aus denen die Fahrer missbilligend von oben auf den langsamen Ausländer herunterschauten.

Ich war jedenfalls froh, ca. 100 km von Houston entfernt auf kleinere Straßen zu kommen, hier aber häufig auch noch Beschränkung auf 75 Meilen/h, was immer noch 110 km/h sind.

Mein 1. Stop war nach ca. 4 Stunden Fahrt, das Aransas National Wildlife Refuge an der Küste bei Corpus Christi. Das ist das Gebiet, was sie 1941 unter Schutz gestellt haben um das Überwinterungsgebiet der letzten 14 wunderschönen Schreikraniche der Welt zu sichern.

Aus diesem winzigen Restbestand haben sie durch intensivste Schutzbemühungen inzwischen wieder eine Weltpopulation von über 500 Exemplaren aufgebaut, die in drei getrennten Einzelpopulationen in den USA und Kanada brüten. Die größte davon brütet im Norden Albertas in Kanada und zieht auf dem ursprünglichen Zugweg jedes Jahr 2500 km an die texanische Küste zum Überwintern.

Und genau die wollte ich sehen, für mich die vorletzte der 15 Kranicharten der Welt. Beim ersten Halt an einem kleinen See im Schutzgebiet hat das auch prima geklappt. Die beiden Schreikraniche, die hier am sumpfigen Ufer nach Nahrung suchten, kamen sogar bis auf 50 m an die kleine Beobachtungsplattform heran.

Schreikranich im Aransas Reservat
Das Paar in dem kleinen Sumpfgebiet

Ein netter Kinderarzt und Fotograf aus der Gegend sagte mi, das er seit 20 Jahren wöchentlich in den Park kommt, und sie hier noch nie gesehen hat. War also offenbar Glück, Später vom tollen, rollstuhlgerechten, mehrstöckigen Beobachtungsturm aus habe ich dann noch 7 weitere gesehen, aber wie immer hier sehr weit weg.

Der große Beobachtungsturm

Die Infrastruktur im Park ist gewohnt hervorragend, sehr gute Trails, ein Visitor-Center mit freundlichen und gut informierten Mitarbeitern und das Alles für 3 $ Eintritt. Das Betreiben von Schutzgebieten haben die Amis wirklich drauf.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war die Wärme von 18 Grad und der Reichtum an fiesen, riesigen Moskitos. Aber im Visitor Center gab es natürlich auch Mückenschutz, mit 40 % DEET ! Hat prima gewirkt, ich hoffe nur, die Haut bleibt dran.

Abends habe ich mich dann in einem typisch häßlichen Motel 6 in Rockport südlich der Verbindungsbrücke nach Aransas eingemietet und bin nach einem schnelle mexikanischen Abendessen sofort ins Bett gefallen.

Die Brücke über die Lagune südlich von Aransas

Da ich nicht vorhersehen konnte, dass ich die Kraniche am Ankunftstag so super sehen würde, hatte ich für Samstag Morgen eine dreistündige Bootstour ins Schutzgebiet gebucht, von der sie normalerweise näher zu sehen sind. Die Bootstour wurde wegen des angesagt starken Windes auf Freitag vorverlegt, deshalb war ich Freitag Morgen pünktlich am Hafen.

Der Skimmer, das Boot für die Beobachtungstouren.

Leider hat es den ganzen Tag geregnet oder genieselt, die Bootstour war zwar ganz nett und ich habe mich prima mit einem Biologen und Birder aus Mississippi unterhalten. Vogeltechnisch war die Tour aber nicht so erfolgreich. Wir haben zwar 21 Schreikraniche gesehen, aber keinen so nah, dass sich das Auspacken der Kamera gelohnt hätte. Auch die beiden Lifer, die es für mich da gab, Mottled Duck und Seaside Sparrow, würde ich gerne beide nochmal besser sehen. Dafür waren die 150 $ für die Tour doch recht teuer. Immerhin gab es auch noch ein paar sehr nahe jagende Delfine als Zugabe.

Danach bin ich in den Goose Island State Park gefahren, der direkt westlich der Südspitze von Aransas auf der anderen Seite einer schmalen Bucht liegt. Der besteht teilweise aus einem schönen Wald von immergrünen Virginiaeichen, zwischen denen ein Wohnwagenstellplatz mit riesigen Wohnanhängern angeordnet ist. Die Dinger sind, wie Alles in Texas, gigantisch und teilweise größer als deutsche Einfamilienhäuser. Die freundliche Dame im Visitor Center sagte mir, sie hätte zwar keine Ahnung vom Birding, aber in Nr. 28 würden die lokalen Birding Hosts wohnen, da sollte ich doch mal vorbeischauen. Das nette ältere Ehepaar hatte auch ein paar Tipps, der beste war, dass es knapp außerhalb der Parkgrenze auf einer feuchten Kuhweide momentan gut für die Kraniche wäre.

Da bin ich dann nach erfolgloser Suche nach dem Seaside Sparrow in den Salzmarschen auch hingefahren. Davor gab es noch eine große Gruppe schmarotzender Nashornpelikane an einem kleinen Anglerhafen, wo grade die Beute gesäubert wurde.

Nashornpelikane beim Betteln

Und dann habe ich meinen Augen kaum getraut, direkt neben der Straße im locker bebauten Küstenbereich stand eine Gruppe von 16 Schreikranichen und 22 Kanadakranichen. Wer braucht da noch die Bootstour !

Ein Teil der Junggesellengruppe
Ein bisschen Streit
Größenvergleich zum Kanadakranich

Das hat dann also doch noch prima funktioniert.

Heute, am Samstag, war es dann tatsächlich bedeckt und extrem windig, Wettervorhersage können sie also auch, die Amis. Morgens 7 Grad und ein eiskalter Wind ließ die Vogelaktivität in Aransas auf nahe Null sinken, wegen der hohen Wellen waren nicht mal die Wasservögel gut zu sehen. Gegen Mittag habe ich aufgegeben und bin nochmal nach Goose Island gefahren. Das war offenbar die bessere Entscheidung, auf der gleichen Weide wie gestern war heute eine Dreierfamilie Schreikraniche und abseits von denen eine Junggesellengruppe mit 20 Exemplaren. Und daneben 26 Kanadakraniche. Beide Arten übten schon mal die Paarungstänze oder machten Scheinkämpfe zum Zeitvertreib. Und das Alles störungsfrei und windgeschützt aus dem Auto zu beobachten.

auch hier wieder Gekabbel
Kanadakraniche
die Hälfte eines überfliegenden Trupps von 28 Rosalöfflern

Insgesamt war das hier also trotz der einfachen Unterkunft ein sehr gelungener, erster Eindruck von Texas und erschossen wurde ich bisher auch noch nicht.

Mal sehen, ob das so bleibt, morgen geht es an den Rio Grande.

Niagara Falls

Wie am Ende des letzten Beitrags geschrieben hat sich das mit der Unterkunft wirklich zum Besseren gewendet. Meine nette chinesische Gastgeberin Alice mästet mich mit leckerem Frühstück und ich darf Ihre Küche mitbenutzen. Ich hatte nämlich schon für die nächsten 3 Tage eingekauft. Wäre schade gewesen, einen Teil davon nicht nutzen zu können.

Susan‘s Bed & Breakfast

Von hier sind es wirklich nur 20 min zu Fuß zu den Niagarafällen.

der kleinere von Beiden
und der Hauptfall
vom Table Rock an der Seite
und von oberhalb, da nicht schwimmen !

Vögel gab es natürlich auch unter den Fällen 350 Gänse- und 150 Mittelsäger, Eistaucher, massig Berg- und Schellenten und ein Dutzend weitere Anatiden.

Wie den hübschen Kappensäger.

Kappensäger

Da die großen Seen wegen des milden Winters nicht gefroren sind, war es mit Möwen eher mau, das ist hier eigentlich die artenreichste Möwenstelle der Welt, mit bisher 19 nachgewiesenen Arten. Ich habe es immerhin auf 6 gebracht, richtig häufig waren nur Amerikanische Silbermöwen und Ringschnabelmöwen.

Ringschnabelmöwe

Am Sonntag bin ich den ganzen Tag am Fluß rumgelaufen und habe zum 1. Mal auf diesem Trip keine Minute im Auto gesessen. Sehr angenehm.

Der Canyon des Niagara River zwischen Kanada und den USA ist auch sonst sehr hübsch, und durchaus eine Wanderung am Ufer wert.

Niagara River, Blick nach Trumpistan

Bei den Auslässen der Kraftwerke an gestauten Nebenflüssen sind schon massig Möwen, da auch mal eine kanadische Polarmöwe oder eine Zwergmöwe unter 150 Bonapatemöwen. Von denen sind in normal kalten Wintern allerdings 10.000de an den Fällen, statt ein paar Hundert.

Auch in Laufweite liegt ein kleines Sumpfwald-Schutzgebiet, Dufferin Island. Da gab es auch ein paar neue Singvögel und mehrere Dunenspechte. Die sehen ähnlich aus wie unsere Kleinspechte, klopfen und rufen sogar ähnlich, sind aber deutlich häufiger und leichter zu sehen.

Downy Woodpecker

Die Stadt Niagara Falls ist gegenüber den Fällen keine reine Augenweide.

Hotels und Kasinos an den Fällen

So nett die Fälle und die Wasservögel auch waren, habe ich Montag und Dienstag auch viel Zeit im ca. 50 km entfernten Fifty Point Nature Reserve zugebracht, wo ich auch am Samstag auf dem Weg schon war. Ich wollte nichts unversucht lassen , um den hübschen Sägekauz zu finden, den ich hier Samstag schon gesucht hatte. Samstag gab es nämlich wieder eine Meldung mit Foto auf ebird. Der Google Punkt für den Hotspot in ebid ist ein kleines isoliertes Wäldchen direkt am Ontariosee.

Der Hotspot Fifty Point Beach

In dem Wäldchen aus ca. 70 Kiefern und ein paar Fichten und Zedern hat die Art schon öfter überwintert, und ich kenne da inzwischen jeden Quadratzentimeter Borke vom Suchen auswendig. Glücklicherweise war ich mit meinem Freund Michael Orf in Kontakt, der auf die Idee kam, den Finder vom Samstag über Instagram zu kontaktieren. Den bei Ebird kommt man an die Melder nicht ran.

Da ich als Sozial Media Muffel nicht bei Instagram bin, hat Morf das selber gemacht und auch eine Antwort bekommen. Die Beobachtung war auf einem für den Winter geschlossenen Campingplatz 500 m südlich des Platzes, wo ich gesucht hatte. Toll, da kann man ja lange suchen.

Dummerweise besteht der gesamte Platz aus Hunderten von hohen Nadelbäumen, finde da mal eine amselgroße Eule !

Netterweise hat Michael dann im Nachgang noch eine genaue Ortsmarkierung geschickt bekommen ( Riesendank nochmal Morf !), und als er mir die am Dienstag Mittag geschickt hatte, stand ich zufällig nur 20 m entfernt. Da stand nur eine Fichte, und das Bild vom Samstag war in einer Fichte aufgenommen. Den Baum habe ich dann Nade für Nadel abgesucht, nix. Bis mir beim dritten Umrunden etwas Vogelkot an einer dichten Stelle in Bodennähe auffiel. Und ja, darunter lagen ein paar kleine Gewölle. Nochmal 5 min später habe ich den Kauz dann schließlich gefunden, unglaublich gut versteckt und nur 2,5 m über dem Boden. Prima Idee, alle Baumwipfel mit dem Fernglas abzusuchen. Mit viel Mühe gab es auch ein paar wenige Lücken in dem dichten Geäst für ein paar Belegfotos.

gefunden
noch etwas schüchtern
Sägekauz ( Northern Saw-whet Owl)

Man sieht der Eule die nahe Verwandtschaft zu unserem Raufußkauz an, sie ist genauso hübsch. Der Fund war natürlich wegen der Schwierigkeit des Findens umso erfreulicher, ein würdiger Abschluss für die 2 Wochen in Kanada.

Da Dienstag vormittag auf dem Weg auch der Taigaraubwürger noch geklappt hatte,

Taigaraubwürger, scheu und weit weg

waren es dann insgesamt bisher 80 Arten und 8 Lifer. Nicht grade artenreich, aber die Zielarten habe ich bis auf den Black-backed Woodpecker alle gesehen.

Und Waldwolf, Fichtenmarder und die schönen Fischotter plus das tolle Winterwetter waren sehr schöne Zugaben.

Wegen dem einfachen Reisen, den superfreundlichen Kanadiern und den tollen Landschaften im Algonquin Park ist Ontario also auch im Winter auf jeden Fall eine Naturreise wert.

Jetzt sitze ich auf dem Flughafen von Toronto und warte auf meinen Flug nach Houston in Texas. Da beginnt dann der 2 Teil dieses Trips.

Toronto Airport

Von Algonquin nach Süden

Der letzte der fünf ganzen Tage in Algonquin war leider auch der schwächste, ich habe intensivst nach dem Black-backed Woodpecker gesucht, leider vergeblich. Das war ein ziemlich bitterer Dip, aber man kann halt nicht immer gewinnen.

Highlight des Tages war nochmal ein Fichtenmarder, der sich 15 min lang auf einem schneebedeckten Ast im Schnee badete.

Putzig !

Ich habe dann vorgestern morgen die Wolfshöhle im Algonquin Park verlassen, mit schwerem Herzen. Das war wirklich eine schöne Unterkunft in einem tollen Nationalpark.

Sonnenaufgang am Smoke Lake

Auf dem Weg nach Süden wurden die Highways langsam größer, und der Schnee weniger.

Eine Sache, an die man sich gewöhnen muss ist, dass man, wenn ein Schulbus mit Warnblinker irgendwo steht, überall in der Nähe anhalten muss.

Unbedingter Stopp

Ich bin einmal vor dem blinkenden Bus in Fahrtrichtung eingebogen und langsam weiter gefahren. Als die Fahrerin aufblendete, bin ich dann rechts rangefahren und von ihr freundlich belehrt worden, dass auch das nicht erlaubt ist.

Überhaupt sind die Kanadier überall ausgesprochen freundlich und hilfsbereit. Das und der vollkommen entspannte Straßenverkehr machen das Reisen hier wirklich zum Vergnügen.

Auf dem Weg zum Ontariosee lagen zumindest zwei Punkte mit in letzter Zeit gemeldeten Schneeeulen. Die meisten Eulenmeldungen werden wegen der Fotografen wohl lokal unterdrückt und wegen des warmen Winters sind wohl auch nicht so viele wie sonst im Süden unterwegs. Aber ab und zu sind dann doch ein paar Meldungen drin.

Eine Schneeeule wurde westlich von Barrie nur ein paar km von meiner Route entfernt gemeldet. Als ich da an der kleinen Provinzstraße ankam war außer mir niemand da, die Eule war aber mitten in einem riesigen Feld nicht zu übersehen.

einfach zu finden ohne Schnee

Sie flog zweimal kurz auf und setzte sich dann zur Ruhe.

Schneeeule bei der Siesta

Das war auf jeden Fall noch ein Highlight, so schön nah und entspannt zu beobachten. Wesentlich netter als die mit dem riesigen Fotografenaufgebot bei Ottawa. Ohne ebird hätte ich keine Chance gehabt die zu sehen. Das ist für reisende Birder wirklich eine Supererfindung gewesen.

Nachdem ich die Eule ausgiebig genossen hatte, habe ich der Gegend noch etwas nach einem ebenfalls vor Kurzem gemeldeten Taigaraubwürger gesucht. Aber die Gegend ist (typisch für die Agrargebiete in Kanada im Winter) fast vollkommen vogeleer.

Man muss schon lange suchen, um außer ein paar Krähen und eingebürgerten Staren überhaupt einen Vogel zu finden. Da ist ein Buntfalke auf einer Leitung schon ein Highlight.

Buntfalke

Nachmittags bin ich in meiner Unterkunft in Oakville am Ontariosee angekommen. Da habe ich gebucht, weil an einem kleinen Hafen direkt um die Ecke auch ein normalerweise sicherer Schneeeulenplatz im Winter ist. Die Eule sitzt hier zum Teil auf der Mole und jagt die Meeresenten und Säger im Hafen. Leider nicht in diesem Winter, wegen der Wärme ist dieses Jahr noch keine aufgetaucht, haben mir die Leute erzählt. Ich konnte das gut glauben, weil ich bei 13 Grad plus ohne Jacke in der Sonne spazieren gegangen bin. Da wäre es mir als Eule auch zu ungemütlich.

Insgesamt ein stolzer Temperaturunterschied, Dienstag morgen noch – 16 Grad und Freitag nachmittag + 13.

Gestern morgen bin ich zuerst in den königlichen Botanischen Garten in Hamilton gefahren. Hier ist an einem Abhang zum See ein guter natürlicher Laubwald erhalten worden.

Royal Botanical Garden

Hier kamen dann mal wieder ein paar neue Arten für die Tripliste dazu, unter anderem ein großer Trupp Zedernseidenschwänze und eine Handvoll Wanderdrosseln.

Zedernseidenschwsnz
Wanderdrossel

Auf dem See dann die ersten 3 Weißkopfseeadler des Trips, leider weit weg. Zwei junge und ein toller Altvogel.

Danach war ich am 50-Point Beach, der westlichsten Stelle des riesigen Ontariosees.

50 Point

Hier schwammen überall in der Nähe des Ufers die Eisenten und Mittelsäger herum, sah aus wie auf der Ostsee im Winter. Nur waren hier Brillen- und Höckersamtenten druntergemischt.

Eisente
Mittelsäger

Den hübschen Sägekauz, der hier in einem kleinen Wäldchen überwintert und schon ein paarmal gemeldet wurde, habe ich leider nicht gefunden. Trotzdem eine sehr schöne Stelle.

Danach wurde es kurz ärgerlich, als ich an meiner vorgebuchten Unterkunft für die nächsten 3 Tage in Niagara Falls ankam.

In der Buchungsinformation stand der Türcode, mit dem man die Tür an einem Touchpad öffnen kann. Der stimmte nur leider nicht und sowohl der lokale Hausverwalter als auch der Hausbesitzer gingen nicht ans Telefon und riefen auch nicht zurück, der Hausverwalter reagierte zwar manchmal mit nutzlosen Emails, die auch nicht weiterhalfen.

Glücklicherweise hatte ich über Booking.com gebucht, und die waren Klasse. Als ich nach 2.5 h durchgefroren abgebrochen habe, haben die sofort gesagt, dass sie den Schaden übernehmen. Ich habe dann blitzschnell eine neue Unterkunft gefunden, und die ist zum gleichen Preis noch viel besser. Eine schöne Ferienwohnung im Haus einer sehr netten chinesischen Familie. Mit einem leckeren Frühstück inbegriffen und 15 min zu Fuß von den Niagarafällen entfernt. Das heißt, ich kann zum Möwenkucken ( und Sightseeing natürlich) hinlaufen und spare die horrenden Parkgebühren.

Also Glück im Unglück.

Niagara kommt dann im nächsten Beitrag.